Während sich der Abschwung schweizweit erst zaghaft zeigt, hinterlässt er im Kanton Solothurn bereits tiefe Spuren. Landesweit stieg der Umsatz 2014 der Bauwirtschaft noch leicht um 1 Prozent, wobei im letzten Quartal ein Rückgang um 7 Prozent resultierte. Ganz anders im Kanton Solothurn. «Der Umsatz der Solothurner Baufirmen ist um 20 Prozent auf 361 Millionen Franken gesunken», sagte Theodor Häner, Geschäftsführer des Baumeisterverbandes Solothurn, am Mittwoch im Mediengespräch vor der Generalversammlung der Verbandssektion im Landhaus zu Solothurn.

Überproportional sei der Tiefbau mit einem Rückgang von 24 Prozent betroffen gewesen, der Umsatz im Hochbau sank um 13 Prozent. Aber: «Selbst der in den vergangenen Jahren stetig wachsende Bereich Wohnungsbau musste einen Rückgang um 6 Prozent hinnehmen.» Die Trendwende bei der Baukonjunktur habe im Kanton Solothurn früher als landesweit eingesetzt, lautet sein Fazit.

Keine Panikstimmung

Bei einem solch massiven Umsatzeinbruch in einer Branche kommt normalerweise Panikstimmung auf. Nicht so beim Bauverbandspräsidenten Bruno Fuchs: «Das Vergleichsjahr 2013 war mit 449 Millionen Franken langfristig betrachtet ein absolutes Ausnahmejahr.» Und im Vergleich zum ebenfalls guten 2012 habe sich die Bautätigkeit im vergangenen Jahr nicht verringert. Im wichtigen Wohnungsbau sei der Umsatz gegenüber 2012 gar um 15 Prozent gestiegen. Für den Rückgang im Tiefbau, der traditionell stärksten Bausparte im Kanton, machte Häner den Abschluss von einigen Grossprojekten geltend. Er nannte etwa den 6-Spur-Ausbau im Autobahn-Abschnitt Gäu.

Für das laufende Jahr rechnen die Solothurner Baumeister mit einem ähnlichen Umsatz wie 2014. Der Auftragseingang habe sich zwar insgesamt leicht abgeschwächt, bewege sich aber auf einem hohen Niveau, erläuterte Häner weiter. Einzig beim Tiefbau seien die Arbeitsvorräte wegen rückläufiger Nachfrage deutlich gesunken. Beim Wohnungsbau dagegen sei der Vorratswert um 11 Prozent gestiegen.

Zeichnet sich da eine Überproduktion an Wohnungen ab? Nein, sagt Bruno Fuchs. Es gebe absolut keine Anzeichnen einer Immobilienblase im Kanton Solothurn. Die Baumeister seien nur in seltenen Fällen auch die Investoren. «Wir bauen das, was der Markt verlangt.» Solange Investoren überzeugt seien, dass im Solothurnischen eine Nachfrage nach Wohnungen bestehe, werde gebaut. Zudem seien die Baulandpreise wie auch Mietpreise attraktiv und die Anbindung an den öffentlichen wie privaten Verkehr hervorragend.

Hohe Leerwohnungsquote

Blauäugig sind die Baumeister aber nicht. So verweist Fuchs auf den Leerwohnungsbestand, der mit 2,1 Prozent im Kanton Solothurn doppelt so hoch liegt wie im schweizerischen Durchschnitt. Dabei sei augenfällig, dass vor allem der Leerbestand bei den Neubauten innert Jahresfrist um 70 Prozent angestiegen sei. Er geht davon aus, dass die Leerwohnungsquote per Stichtag 30. Juni nochmals leicht höher ausfalle. «Die Bauherren aber auch die Bauunternehmer sind deshalb zur Vorsicht aufgerufen. Sie sollten künftig vor einem Bauvorhaben abklären, ob der bereitgestellte Wohnraum vom Markt noch aufgenommen wird.»

Aber auch hier will er den Teufel nicht an die Wand malen. Er beobachte, dass die Baufirmen ihre Kapazitäten nicht blind dem seit Jahren ungewöhnlich hohen Auftragsniveau nach oben angepasst hätten. Die Nachfrage sei vielfach mit Temporärpersonal und weniger durch die Aufstockung des Stammpersonals abgedeckt worden. Er rechnet bei einem erwarteten Rückgang der Baunachfrage unter dem Strich mit «einer sanften Landung und nicht mit einer grossen Krise in der Solothurner Bauwirtschaft». Diese Aussage sei aber Makulatur, falls sich das Zinsniveau für Hypothekarkredite rasch nach oben bewegen sollte. Das würde die Nachfrage abrupt stoppen. «In diesem Fall wäre es angebracht, die Bremse und die Handbremse gemeinsam anzuziehen.

Mehr «Stifte» auf dem Bau

Erfreulich sei die Entwicklung in der Berufsbildung, sagten die beiden Verbands-Vizepräsidenten Franz Mühlethaler und Guido Sterki. Zwar benötige es mehr Anstrengungen, um die Lehrstellen zu besetzen. Aber im Vergleich zum Vorjahr sei die Zahl der Lernenden in den Solothurner Baufirmen um 10 auf 131 gestiegen. «Damit haben wir unser Ziel erreicht.» Dazu trügen nicht zuletzt die guten Anstellungsbedingungen bei. So verdiene das Baustellenpersonal laut der aktuellsten Lohnerhebung durchschnittlich 6000 Franken im Monat. Und auch die Lehrlingslöhne liessen sich im Vergleich zu anderen Berufen sehen.