Interview
Der soH-Chef sieht sich seines Lohnes wert

Martin Häusermann, Chef der Solothurner Spitäler AG, versteht die Kritik an seinem Lohn. Er findet aber, dass dieser gerechtfertigt ist. «Das Angebot, das man mir machte und die Erwartungen, die man an mich hat, stimmen für mich überein.»

Urs Mathys
Merken
Drucken
Teilen
Martin Häusermann, CEO der Solothurner Spitäler AG, zog am Dienstag eine erste positive Bilanz.

Martin Häusermann, CEO der Solothurner Spitäler AG, zog am Dienstag eine erste positive Bilanz.

Hanspeter Bärtschi

Sie sind jetzt seit fünf Monaten im Amt. Wo haben Sie, Martin Häusermann, direkten Handlungsbedarf erkannt?

Martin Häusermann: In den letzten Jahren mussten bei der soH mehrfach der Gürtel enger geschnallt, Effizienzsteigerungen erzielt und Abbauten vorgenommen werden. Dafür blieben verständlicherweise andere Themen liegen. Zum Beispiel in der Informatik, wo grosser Erneuerungsbedarf besteht. Aber auch baulich, wenn ich an einzelne Kliniken und Stationen des Bürgerspitals Solothurn denke. Da reicht es mit Auffrischen nicht mehr aus.

In der Wahrnehmung von Spitalbesuchern heisst das, dass «Millionen» in Umbauten des Bürgerspitals gesteckt werden, obwohl dort ja bald ein Neubau anstehen soll ...

... Wir wollen nicht Geld in Infrastruktur stecken, die in ein paar Jahren verschwinden wird. Die Massnahmen und Umnutzungen, die jetzt im Gang sind, erfolgen im Perimeter, der vom Neubau nicht betroffen ist.

Gibt es Dinge, die in der soH in Zukunft radikal anders gemacht werden müssen?

Ich setze auf Kontinuität, betreibe aber nicht Laissez-faire-Politik. Ich will auf dem Guten aufbauen, hinterfragen und mit geeigneten Einzelmassnahmen das Angebot weiterentwickeln. Oder auch reduzieren – ohne dass ich schon sagen kann, was und wo. Für radikale Massnahmen sehe ich keine Veranlassung.

Dass Sie pro Jahr 100 000 Franken mehr verdienen als Ihr Vorgänger, schockierte die Solothurner und sorgte für Unmut. Verstehen Sie das?

Das ist nachvollziehbar. Aber es gibt da zwei Optiken: Aus Sicht der Bevölkerung ist die Lohngeschichte schwierig zu verstehen, weil es ja die gleiche Rolle und Aufgabenstellung ist, für die jetzt mehr bezahlt wird. Als Martin Häusermann sehe ich es von der anderen Seite: Aufgabenstellung und Entlöhnung entsprechen dem Evaluationsprozess, den ich durchlaufen habe, nachdem man mich für diese Stelle angefragt hat. Ich sage ganz nüchtern: Das Angebot, das man mir machte und die Erwartungen, die man an mich hat, stimmen für mich überein.

Gab es Momente, in denen Sie überlegt haben, der soH von sich aus eine Lohnreduktion anzubieten?

Die Frage stellte sich für mich so nie.

Die soH-Rechnung schloss 2012 mit Verlust ab, 2013 mit einer «guten schwarzen Null». Wie gehts weiter?

In den ersten drei Monaten des neuen Jahres haben sich die Leistungszahlen – die Finanzzahlen stehen noch aus – analog des sehr anspruchsvollen Budgets entwickelt. Auf allen Ebenen setzen wir alles daran, das Budget zu erreichen. Derzeit sind wir in der Geschäftsleitung daran, den Finanzplan für die Jahre 2015 bis 2019 zu erstellen. – Dies ist offen gesagt eine grosse Herausforderung ...

... die mit dem Massnahmenplan des Kantons noch grösser wird: Die soH muss auf rund 19 Mio. Franken verzichten. Hat dies Konsequenzen für Bereiche oder Standorte?

Es ist noch zu früh, dazu etwas zu sagen. Als Antwort auf den Massnahmenplan haben wir eine Anzahl von Projekten in Leistungsbereichen definiert, in denen wir künftig weniger oder gar kein Geld mehr erhalten. Hier suchen wir nach sachgerechten Massnahmen. Es ist die erklärte Zielsetzung der soH-Geschäftsleitung, zu versuchen, die geringeren Einnahmen aus den Abgeltungen des Kantons aufzufangen, ohne dass es zu einem Stellenabbau kommt.

Wie das?

Zum Beispiel indem man für gewisse Bereiche andere Finanzquellen sucht; oder man hinterfragt, ob die soH ein bestimmtes Angebot im bisherigen Umfang erbringt. Oder ob es etwa Sinn macht, einen bisher erfüllten Auftrag an Dritte weiterzugeben.

Und wie stehts mit Ihrer Motivation nach 150 Tagen im Amt?

Ich komme jeden Tag sehr gerne und mit grossem Respekt zur Arbeit. Ich versuche stets zu reflektieren «mache ich es richtig?» In dieser Position ist man manchmal auch einsam, doch dann hole ich mir die entsprechenden Feedbacks. Kurz: Es ist eine tolle Herausforderung, die mich motiviert.