Bauernverband
Der Schwarzbube Andreas Vögtli ist der neue Hirte der Bauern

Die Delegiertenversammlung des Solothurnischen Bauernverbandes (SOBV) hat Andreas Vögtli am Montagmorgen einstimmig zum neuen Präsident gewählt. Erstmals seit 100 Jahren ist damit wieder ein «Schwarzbube» Präsident des SOBV.

Marco Zwahlen
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Im Winter ist Andreas Vögtli vorwiegend im Wald bei Holzarbeiten anzutreffen.

Im Winter ist Andreas Vögtli vorwiegend im Wald bei Holzarbeiten anzutreffen.

«Ich bin sehr stolz», so Andreas Vögtli kurz nach seiner Wahl zum Präsidenten des Solothurnischen Bauernverbandes (SOBV). 82 stimmberechtigte Delegierte schenkten ihm am Montag im Wallierhof Riedholz einstimmig das Vertrauen. Damit steht erstmals seit 100 Jahren wieder Schwarzbube an der Verbandsspitze. Der 50-Jährige ist CVP-Mitglied und führt in Büren einen Familienbetrieb mit 48 Hektaren landwirtschaftlicher Nutzfläche. Zum Betrieb gehören auch rund 900 Obstbäume und eine Mastlämmerproduktion mit 100 Mutterschafen.

«Ich bin ein Zahn des Zahnrades im Getriebe des Solothurnischen Bauernverbandes», positionierte sich Vögtli an der Versammlung. Wie gut das SOBV-Getriebe laufe, habe sich im letzten Jahr gezeigt, als ein Zahn ausfiel aber nicht klemmte. Damit sprach der neue Präsidenten den überraschenden Rücktritt seines Vorgängers an. Samuel Keiser (Fulenbach) war die vom Verband angestossene Milchpolitik «Mehr Raufutter und weniger Kraftfutter» sauer aufgestossen. Mit sofortiger Wirkung war er per 1. Mai zurückgetreten war (wir berichteten). Das Modell der ressourcenorientierten Milchpolitik fliesst dank einer überwiesenen Motion von Ex-Ständerat Rolf Büttiker in die nationale Agrarpolitik 2014–2017 ein.

Raubzug auf Landwirtschaftsland

Seit Keisers Rücktritt übernahm Vizepräsident André Erni (Stüsslingen) mit dem Vorstand die präsidialen Aufgaben. Erni kritisierte in seiner gestrigen Eröffnungsrede, den verschwenderischen Umgang mit Lebensmitteln und die «Geiz ist geil»-Welle, die auch den Lebensmittelsektor erreicht habe. Zuversichtlich stimme ihn die vom Bundesrat geplante Einführung der Versorgungssicherheitsbeiträge im Rahmen der Agrarpolitik 2014–2017. «Für mich ein Zeichen, dass die Schweizer Landwirtschaft auch langfristig eine Daseinsberechtigung hat», so Erni.

2011: Erfreuliches Jahr für Bauern

Trocken, aber mit erfreulich hohen Erträgen - so die Bilanz über das vergangene Landwirtschaftsjahr. Die Frühlingstrockenheit führte dazu, dass im Mai die Wasserentnahmen aus der Dünnern und dem Mittelgäubach eingeschränkt werden mussten. Bauern, die ihre Kulturen bewässern wollten, konnten einen freien Entnahmetermin im Internet reservieren, um das knapp verfügbare Wasser optimal zu nutzen. Diese Lösung hat sich bewährt. Das Vieh konnte schon im März geweidet werden. Allerdings war danach der erste und zweite Gras-Aufwuchs gering. Sehr gute Emdernten sorgten dann aber für genügend Futter. Auch die Getreide- und Rapsernte fiel erstaunlich gut aus, die Kartoffeln entwickelten sich gar optimal. Die Zuckerrübenquote konnte in diesem Jahr voll ausgeschöpft werden. Erzielt wurde 2011 eine Rekord-Ernte von 1,8 Mio Tonnen. Die milden Temperaturen sorgten generell für eine frühere Marktversorgung beim Gemüse als üblich. Ende Mai kam es dann aber zur grössten Gemüse-Krise seit Tschernobyl. Grund war der EHEC-Erreger, der auf Sprossen in Deutschland nachgewiesen wurde. 2011 freute die Obstbauern, besonders die Birnenproduzenten. Sie erzielten ein Rekordjahr mit ausgezeichneter Qualität. Der Schweizer Nutzviehmarkt litt hingegen aus drei Gründen: Bereits das zweite Jahr in Folge zahlte der Bund keine direkten Beiträge je exportiertes Nutzvieh; der Euro sank von 1.30 auf 1.10 Franken, was Schweizer Kühe im Ausland verteuerte; die Milchbauern bezahlten wegen des sinkenden Milchpreises wenig für junge Milchkühe. An Überproduktion litt der Ferkelmarkt, hingegen war beim Absatz von Lammfleisch eine grosse Nachfrage spürbar. Auch die Eier- und Geflügelproduzenten freuten sich über den wachsenden Bedarf an Inland-Produkten. Ungelöst bleibt das Mengenproblem beim Milchmarkt.(FRB)

«Wo Schweiz drauf steht, muss auch Schweiz drin sein»

Der Agrarpolitik widmete sich auch Bauersekretär Peter Brügger. Seit zwei Wochen liege die Botschaft des Bundesrates vor. «Seitens der Landwirtschaft konnten in der Vernehmlassung einige Punkte verbessert werden. Jetzt beginnt das Lobbying in Bern», so Brügger. Vorab nach wie vor in Kritik stehen die Landschaftsqualitätsbeiträge.

Dies deshalb, weil diese neue Direktzahlung «eine Lagerente und keine Leistungsabgeltung ist». Ausserdem setzt die Direktzahlung entsprechende Landschaftsprogramme voraus, welche Gemeinden und Kanton viel Geld kosten würden. Klar ist die Position des SOBV auch zur Swissness-Vorlage, die nächste Woche im Nationalrat zur Debatte steht: «Wo Schweiz drauf steht, muss auch Schweiz drin sein, zumindest zu 80 Prozent», so Brügger.

Für Rohstoffe, die nicht in genügender Menge in der Schweiz vorhanden sind, lasse das Gesetz angemessene Ausnahmen zu. Sorge bereitet dem Verband der Einkaufstourismus im Zuge des starken Frankens. «Konsumenten, die im nahen Ausland einkaufen gehen, soll gesagt sein, dass sie einen Teil der europäischen Krise in die Schweiz importieren.»

Es werden fruchtbare Flächen überbaut

Zunehmend ein Problem für die Landwirtschaft sind die Bodenressourcen. Tagtäglich werden fruchtbare Flächen überbaut. Viele Landwirte vergolden ihren Boden. Hinzu kommt der «Schreibtisch-Naturschutz in den Amtsstuben», so Brügger. Jüngstes Beispiel sei die Umsetzung der Revitalisierung der Fliessgewässer.

Das Bundesamt für Umwelt wolle dafür schweizweit zusätzlich 20000 Hektaren schaffen. Das entspricht zwei Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche im Kanton Solothurn. Zu diesem Irrsinn kommt laut Brügger noch hinzu, dass diese Flächen als Fruchtfolge-Potenzial angerechnet werden dürfen. Brügger: «Damit entsteht kein zusätzlicher Druck zur Sicherung der Fruchtfolgefläche. Die Einzonungen können ungehemmt weitergehen.»

Erhöhung des Mitgliederbeitrages

Die Jahresrechnung 2011 schliesst bei einem Umsatz von 1,2 Mio. Franken mit einem Gewinn von rund 70000 Franken. Für das laufende Jahr rechnet der Verband mit einem Verlust von 38000 Franken. Angenommen wurde eine Erhöhung der Mitgliederbeiträge (40 Rappen pro Hektare landwirtschaftlicher Nutzfläche). Mit den zusätzlichen Mitteln von 19000 Franken wird die Erhöhung des Mitgliederbeitrages für den Schweizerischen Bauernverband (SBV) finanziert. Gleichzeitig beschloss die Versammlung bei fünf Gegenstimmen, neu die SOBV- und SBV-Mitgliederbeiträge nicht mehr separat ausgewiesen einzuziehen.

Grund: Es werde eine Wahlmöglichkeit suggeriert, die es gar nicht gebe. Der Beitrag an den Dachverband muss der SOBV aber vollumfänglich zahlen, auch wenn einzelne Beitragszahler, wie in der Vergangenheit vorgekommen, den SBV-Beitrag nicht lockergemacht hatten.

Neu hat die Versammlung zudem die Kernzüge eines Entschädigungsreglements für die Chargierten genehmigt. Neu wird unter anderem der Präsident mit 9000 Franken jährlich entschädigt. Bislang erhielt dieser 5000 Franken im ersten Jahr und 5500 Franken in den Folgejahren.