Die Solothurner Regierung hat sich eine neue Staatslimousine zugelegt. Seit kurzem kutschiert eine schwarze Audi A6-Limousine die Regierungsräte durchs Land. Der Drei-Liter-Diesel mit Allradantrieb trägt das prominente Kennzeichen «SO 701» und ersetzt einen Volvo S80, den die Regierung seit 2008 rund 140 000 Kilometer weit fuhr.

Die Anschaffung ist schon fast ein kleines Staatsgeheimnis: Obwohl die Solothurner im Vergleich mit anderen Regierungen bescheiden unterwegs sind, wollte die Staatskanzlei für ein Foto nicht verraten, wann der Audi vor dem Rathaus steht. Schwarze Staatskarossen, insbesondere solche mit prestigeträchtigem deutschem Markenemblem, können noch so preiswert sein. Gegen aussen sind sie Insignien der Macht, die man in Zeiten von Sparrunden offenbar lieber nicht präsentieren will.

Der genaue Preis der Limousine ist nicht zu erfahren; dieser sei Teil eines Submissionsverfahrens gewesen, erklärt Dagobert Cahannes. Der Medienbeauftragte des Regierungsrates spricht von einem Preis «deutlich unter 100 000 Franken.» Der offizielle Listenpreis liegt knapp über 70 000 Franken - ohne Optionen. Welche Zusatzwünsche sich die Regierung erfüllte, ist nicht bekannt.

Jeder Kanton hat andere Autos

Insgesamt besitzt die Regierung drei Dienstlimousinen und einen Kleinbus. Den Platz in der «Staatsgarage» teilt sich das deutsche Premiumprodukt mit den zwei älteren Volvo S80 («SO 702» und «SO 703»), die in den nächsten drei bis vier Jahren ebenfalls ersetzt werden sollen. Weiter besitzt die Regierung noch einen VW-Bus, der für «Gruppenausflüge» taugt.

Der Fuhrpark der Solothurner Regierung nimmt sich im Vergleich mit anderen Kantonsregierungen bescheiden aus. Während Solothurn auf drei Limousinen der gehobenen Mittelklasse setzt, sind andernorts insbesondere die Oberklasse-Limousinen von Audi und Mercedes-Benz weit verbreitet, wie Auflistungen des «Blick» und der «NZZ» zeigen. Demnach fährt die Aargauer Regierung fünf S-Klasse-Modelle von Mercedes-Benz (Stückpreis über 120000 Franken). Und die fünf Walliser Staatsräte teilen sich drei Audi A8 - das Aluminium für die Luxuslimousine wird im Unterwallis produziert. Mit Occasions-Fahrzeugen aus früherem UBS-Besitz ist dagegen die Basler Regierung unterwegs.

Uri erhielt Oldtimer geschenkt

Feudal geht es im Kanton Bern zu und her: Sieben Staatskarossen von Audi, Mercedes und BMW besitzt laut «Blick» der Nachbarkanton. Bekannt ist die Anekdote von einer Begegnung von Solothurner und Berner Regierungsräten, als diese Lothar-Sturmschäden begutachteten. Die Solothurner reisten mit dem Kleinbus an. Aus Bern dagegen fuhren gleich mehrere Staatskarossen vor.

Das exklusivste, wenn auch nicht teuerste Auto steht wohl im Kanton Uri: Die dortige Regierung besitzt laut «NZZ» einen blauen Marmon Typ 68 aus dem Jahr 1927. Der Kanton erhielt den US-Oldtimer mit Reihenachtzylindermotor 1978 von Einwohnern geschenkt. Sonst nutzen in Uri die Regierungsräte ihre eigenen Autos. In Baselland trägt die Staatskarosse laut der «NZZ» das Schild «BL 1833» - die Jahrzahl der Abspaltung von Basel-Stadt, in den Kantonen Nidwalden und Graubünden soll die Regierung mit der Nummer 1 unterwegs sein.

Regierungsräte nutzen auch öV

Anspruch auf den Fahrdienst haben neben den fünf Solothurner Regierungsräten auch der Staatsschreiber und der Kantonsratspräsident. Zumindest die heutigen Solothurner Regierungsräte gelten als zurückhaltend bei der Nutzung des Dienstes: «Es ist überhaupt nicht üblich, dass sie morgens abgeholt oder abends nachhause gebracht werden», sagt Cahannes. So pendeln etwa Esther Gassler und Peter Gomm jeweils mit dem Zug aus der Region Olten zur Arbeit.

«Wir haben nicht jeden Tag einen Fahrauftrag», bestätigt Dominic Jakob, Dienstchef Fahrzeuge in der Polizeigarage, in die die frühere «Staatsgarage» heute integriert ist. Brauchen Regierungsräte einen Wagen, buchen sie einen Fahrauftrag. Über dreieinhalb Stellen verfügt die «Staatsgarage». Wenn die Chauffeure keine Fahraufträge haben, führen sie für den Kanton Materialtransporte aus – dazu gehört etwa das Verteilen von Schul- oder Abstimmungsmaterial in die Gemeinden.

Die Fahrzeuge hätten auch einen gewissen Repräsentationszweck, erklärt Cahannes. Sollte es die «protokollarische Notwendigkeit» verlangen, besitzt die Staatskanzlei gar magnetische Standartenhalter, die an den Radkästen des Autos angebracht und mit der Solothurner Flagge oder ausländischen Fähnchen versehen werden könnten.