Anlageapéro

Der Ökonom Thomas Straubhaar sagt: «Franken ist Innovationspeitsche»

Der Wirtschaftsprofessor Thomas Straubhaar sagt: «Kein Land kann mit Krisen so gut umgehen wie die Schweiz.»

Der Wirtschaftsprofessor Thomas Straubhaar sagt: «Kein Land kann mit Krisen so gut umgehen wie die Schweiz.»

Der Ökonom Thomas Straubhaar zeichnet ein gutes Bild zur Schweizer Konjunktur. Er sagt:«Die Schweiz steht – trotz Nationalbank-Entscheid – paradiesisch da.»

An den 14. Januar 2015 erinnert sich der Ökonom Thomas Straubhaar nicht gerne. Damals erklärte er am Anlage-Apéro der Baloise Bank SoBa im Solothurner Landhaus, dass die Schweizerische Nationalbank den Euro-Mindestkurs auf keinen Fall aufheben werde.

Und dann sei das Unvorstellbare passiert, sagte er nun am selben Anlass, Ausgabe 2016. Einen Tag später sei die Nationalbank aus dem fahrenden Zug ausgestiegen. «Solange Sie keine Eier werfen, mache ich jetzt aber trotzdem weiter», sagte der renommierte Professor für internationale Wirtschaftsbeziehungen der Universität Hamburg mit Berner Oberländer und Emmentaler Wurzeln lachend.

Das gut gelaunte Publikum im vollbesetzten Landhaus war ihm offenbar nicht böse – und liess ihn weiterreden.

Provokant optimistisch

Das lohnte sich, denn sein teilweise provokativer Blick aus der Vogelperspektive auf die Weltwirtschaft regte zum Nachdenken an. Mit der Aussage, «die Schweiz steht – trotz Nationalbank-Entscheid – paradiesisch da», sorgte Straubhaar für ein erstes Raunen im Publikum.

Deshalb schob er nach, dass dies bei den einzelnen Unternehmen natürlich anders aussehe. «Aber aus volkswirtschaftlicher Sicht blieb die Aufhebung der Wechselkursuntergrenze praktisch ohne Folgen.»

Trotz Aufwertung des Franken innert eines Tages um 15 Prozent habe sich die Schweizer Wirtschaft behauptet und sei nicht in eine Rezession abgestürzt. Und trotz Zunahme der Arbeitslosigkeit herrsche im Vergleich zu anderen Ländern «praktisch Vollbeschäftigung».

Anhand einer Grafik über das Wirtschaftswachstum seit 2005 versuchte er aufzuzeigen, dass das nicht ein Zufallstreffer gewesen ist. Nur zwei Jahre nach der Krise 2009 habe die Schweizer Wirtschaft wieder das Wachstumsniveau von vor der Krise erreicht.

In Europa liege das Wachstum dagegen aktuell immer noch darunter. Das Erfolgsrezept sieht er in der «enormen Flexibilität der Firmen und ihren Belegschaften». Die Arbeitszeit wird bei gleichem Lohn erhöht, einfachere Arbeiten werden ausgelagert, Konzentration auf höchste Qualitätsarbeit, um bei den Kunden höhere Preise durchsetzen zu können.

Sein Fazit: «Kein Land kann mit Krisen so gut umgehen wie die Schweiz.»

Frankenstärke als Treiber

Sogar dem starken Franken, welcher Teile der Exportindustrie in die Knie zwingt oder noch zwingen wird, mag er Positives abgewinnen. «Der starke Franken ist eine Innovationspeitsche», sagte der Ökonom.

Nichts anderes zwinge nämlich die Wirtschaft dazu, so flexibel und innovativ zu bleiben. «Das mag im Einzelfall lästig sein, aber für die gesamte Volkswirtschaft ist eine starke Währung das beste Mittel, damit ein Land wettbewerbsfähig bleibt.» Panik für die Schweiz sei fehl am Platz.

Trotzdem. Auch für die Schweiz würden die Turbulenzen im laufenden Jahr zunehmen. Die Welt sei nicht mehr dieselbe wie vor 20 Jahren, spannte Straubhaar den Bogen zur weltweiten Flüchtlingswelle.

Europa ziehe die Menschen aus armen Ländern an wie ein Magnet. Und Terror und Religionskrieg spielten sich plötzlich vor unserer Haustür ab. Das fördere in der Politik das Spiel mit der Angst nach dem Motto, «einfache Thesen haben es einfach».

Zunehmender Protektionismus

Letztlich schlage sich dieser Trend auch in der Ökonomie nieder. «Der Protektionismus nimmt zu», beobachtet Straubhaar. Und das sei sehr negativ für kleine Länder wie die Schweiz, deren Absatzmärkte plötzlich abgeschottet seien.

Das bestätige der Globalisierungsindex der KOF/ETH, welcher den Zugang zu ausländischen Märkten misst. Nach einem steilen Anstieg bis 2007 flache er nun ab. «Eine nationalistische Politik ist mit dem Aufbau von Hemmnissen für ausländische Güter verbunden.»

Und davon sei eben die Exportnation Schweiz überdurchschnittlich betroffen.

Auf die Frage von Moderator Dani Fohrler, ob er nun seit dem SNB-Entscheid unter einem Trauma leide, antwortete Straubhaar schlagfertig. Das sei zwar «der GAU für Prognostiker» gewesen. «Aber ich freue mich trotzdem, noch einmal an den Anlass eingeladen worden zu sein.»

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