Eröffnungsansprache
Der neue höchste Solothurner ruft zu Respekt und Würde auf

«Ein politisch ereignisreiches Jahr» versprach Peter Brotschi (CVP, Grenchen), der am Dienstag erstmals auf dem Stuhl des Kantonsratspräsidenten Platz nahm.

Elisabeth Seifert
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Gestern, 8.30 Uhr: Auf gehts ins neue Kantonsratsjahr. Regierungsrat Roland Heim, Kantonsratspräsident Peter Brotschi (rechts).

Gestern, 8.30 Uhr: Auf gehts ins neue Kantonsratsjahr. Regierungsrat Roland Heim, Kantonsratspräsident Peter Brotschi (rechts).

Ueli Wild

Der Kanton werde derzeit von einem grossen Defizit geplagt, «das zu massiven Einschnitten bei den Ausgaben zwingt». Mit diesen Worten liess Peter Brotschi, Kantonsratspräsident 2014, in seiner Eröffnungsansprache das grosse politische Thema des laufenden Jahres anklingen. «Angesichts dieser finanziell trüben Ausgangslage» verlieh er der Hoffnung Ausdruck, dass «keine allzu grossen Gräben aufgeworfen werden».

Es dürfe im Rat zu «harten Diskussionen» kommen, sagte der höchste Solothurner, «aber bitte immer mit Respekt und Würde». Und: «Der gute zwischenmenschliche Kontakt, den ich hier im Rat in den letzten Jahren mehrheitlich habe feststellen können, sollte auch in den kommenden Monaten nicht leiden.»

Steuern schon 1893 ein Thema

Mit Zitaten von Kantonsratspräsidenten vergangener Zeiten erinnerte der geschichtsinteressierte Peter Brotschi daran, dass der Kantonsrat nicht erst heute schwerwiegende Entscheidungen fällen muss. Auch Steuerfragen waren wiederholt ein Thema, ein erstes Mal im Jahr 1893.

So sagte Kantonsratspräsident Albert Affolter am 20. Februar 1893: «Bis jetzt haben wir in Solothurn keine allgemeinen direkten Steuern gehabt; wir sind aber nicht mehr in der glücklichen Lage, diesen Zustand fortdauern zu lassen. Die Verzinsung und die Amortisation der Staatsschulden fordern einzig schon neue Einnahmequellen.»

Mit einem anderen Zitat erinnerte Brotschi an die soziale Verantwortung: «Das Wirtschaftsleben verändert sich beständig und der Staat wird je länger, je mehr ein Hort und die Hilfe der Schwachen werden müssen», sagte am 20. Februar 1929, mitten in der Wirtschaftskrise, der Grenchner
Kantonsratspräsident Ferdinand Looser.