Noch vor zwei Wochen skizzierte Davide Traxler gegenüber dieser Zeitung, wie er als neuer CEO die 1856 gegründete Uhrenfabrik Eterna wieder auf die Erfolgsstrasse zurückführen will.

Und nun das: Per sofort ist Traxler nicht mehr Eterna-Chef, wie Marie-Alexandrine Leibowitch, PR-Leiterin der Schwesterfirma Corum in La Chaux-de-Fonds, auf Anfrage bestätigt. Weitergehende Informationen waren vorerst nicht erhältlich.

Gleichzeitig hat Traxler nach anderthalb Jahren auch die Neuenburger Uhrenfirma Corum verlassen, wie die Zeitung «Le Temps» gestern berichtete. Beide Firmen gehören der chinesischen Citychamp Group. Nach katastrophalen Geschäftszahlen bei Eterna zogen die Chinesen im Herbst 2016 die Notbremse, setzten den damaligen CEO ab und sistierten alle Zahlungen. Bei der führungslosen Firma türmten sich offene Rechnungen in Millionenhöhe.

Kurz vor der Baselworld im vergangenen März hat dann Traxler zusätzlich zur Cheffunktion bei Corum auch die Leitung der Eterna in Personalunion übernommen.

Stellenabbau bei Eterna

Als erste Amtshandlung versicherte er, dass die unbezahlten Rechnungen von über vier Millionen Franken bis Ende Mai beglichen sein werden. Gleichzeitig sprach er von «einer dramatischen Situation bei Eterna». Während den letzten Jahren schrieb das Unternehmen regelmässig Millionenverluste. «2016 hat Eterna bei einem Umsatz von 9 Millionen einen Verlust von 11 Millionen Franken geschrieben», so Traxler vor zwei Wochen. Trotzdem setzte er sich hohe Ziele und wollte in Grenchen bis Ende Jahr schwarze Zahlen auf operativer Ebene schreiben. Vorab sollte der Kostenblock verringert werden. «Die Situation zwingt uns, die Personalkosten zu senken.»

Traxler kündigte an, dass das Synergiepotenzial zwischen den beiden Firmen optimal genutzt werden soll. Im Klartext: Die Abteilungen IT, Verkauf, Marketing, Logistik und Produktion sollen bei Corum in La Chaux-de-Fonds integriert werden.

Aktuell seien in Grenchen 22 Personen beschäftigt. Letztlich werde der After-Sales-Service, sprich Reparaturdienst, mit sieben Angestellten die wichtigste Aktivität der Eterna AG in Grenchen sein. Laut neuestens Informationen aus der Belegschaft ist offenbar nun auch die Verlagerung des Reparaturdienstes nach La Chaux-de-Fonds geplant. «Noch vor Ende Jahr soll die Verlagerung erfolgt sein», heisst es.

Was passiert in Grenchen?

Zwar versicherte Traxler, dass die Tochterfirma Eterna Movement Company mit rund 35 Beschäftigten von der Restrukturierung unangetastet bleibe. Die Uhrwerkproduktion soll in Grenchen bleiben. Trotzdem bleibt die Zukunft der Eterna in Grenchen sehr ungewiss. Der abrupte Abgang von Traxler reiht sich nahtlos in den häufigen Managementwechsel in den vergangenen Jahren ein. In der Uhrenbranche munkelt man schon, dass Citychamp alle Eterna-Aktivitäten einstellen wolle.