Export
Der Negativtrend ist gestoppt, die Aussichten für die Solothurner Industrie sind gut

Zwar habe die Solothurner Industrie die Talsohle durchschritten, aber es wäre fatal, jetzt Effizienzsteigerungen und Innovationen zu vernachlässigen, sagt Josef Maushart, Unternehmer und Präsident des Industrieverbandes Inveso. Ziel bleibe die Schaffung von Arbeitsplätzen.

Franz Schaible
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Die exportorientierten und währungsabhängigen Firmen blicken mehrheitlich zuversichtlich ins 2018. Symbolbild

Die exportorientierten und währungsabhängigen Firmen blicken mehrheitlich zuversichtlich ins 2018. Symbolbild

Chris Iseli

Die Solothurner Exportwirtschaft hat 2017 das Niveau von vor dem Frankenschock wieder erreicht. Ist damit die Talsohle durchschritten?

Josef Maushart: Der Industrieverband Inveso hat bereits im vergangenen Sommer eine sehr positive Zukunftseinschätzung abgegeben. Diese finden wir nun bestätigt. Die Zukunftserwartungen unserer Mitgliedsfirmen sind aktuell mehrheitlich positiv bis sehr positiv.

In den wichtigsten Absatzmärkten für Solothurner Industriefirmen läuft die Konjunktur gut. Welche Entwicklung erwarten Sie im laufenden Jahr?

«Wir CEOs sind ohne unsere Kaderleute schlicht verloren und diese sind ohne ihre Mannschaften verloren.» Josef Maushart (53) ist Präsident des Industrieverbandes Solothurn und Umgebung, Inhaber der Bellacher Präzisionswerkzeugherstellerin Fraisa AG und Kantonsrat (CVP). Er wohnt in Solothurn.

«Wir CEOs sind ohne unsere Kaderleute schlicht verloren und diese sind ohne ihre Mannschaften verloren.» Josef Maushart (53) ist Präsident des Industrieverbandes Solothurn und Umgebung, Inhaber der Bellacher Präzisionswerkzeugherstellerin Fraisa AG und Kantonsrat (CVP). Er wohnt in Solothurn.

Hanspeter Bärtschi

Die wichtigsten Exportländer für unsere Industrieprodukte gehen von einer Stabilisierung auf gutem Wachstumsniveau aus. Das lässt wachsende Exporte unserer Produkte im Jahr 2018 erwarten. Die Steuerreform dürfte den USA einen starken Wachstumsimpuls verleihen. Dennoch könnte der Dollar weiter an Wert gegenüber dem Franken verlieren. Sollten dazu noch mehr protektionistische Massnahmen kommen, so könnten sich die Ausfuhren nach USA dennoch erschweren. Trump will keine Importe, er will inländische Arbeitsplätze.

In den vergangenen Jahren gingen viele Industriearbeitsplätze verloren. Werden diese wieder geschaffen oder sind sie definitiv verloren?

Arbeitsplätze, die weg sind, kommen nicht wieder. Stattdessen müssen und werden wir hier neue schaffen. Der Verlust hat unterschiedliche Gründe. Bei Galderma Spirig etwa ist das ein strategischer Entscheid in Konzernstrukturen, der nur bedingt mit dem Standort oder der Währung zu tun hat. Oder bei der Firma Michel in Grenchen war es wohl ein Sterben in Schritten. Die meisten Industriefirmen sind aber innovativ und damit gut für die Zukunft gerüstet. Phasen schwacher Auslastung wurden in dieser Krise eher mit Kurzarbeit als mit Entlassungen überbrückt. Gleichzeitig wurde bereits kräftig in neue Produkte und neue Technologien investiert, um Kosteneffizienz und Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. In vielen Fällen hat das zu steigenden Auftragsvolumen und neuen Stellen geführt.

az

Auffallend ist, dass trotz Firmenschliessungen und Verlagerungen der Arbeitsmarkt weiterhin im Lot bleibt. Ist das die Folge des laufenden Strukturwandels?

Wie schon gesagt, es gingen zwar Stellen verloren, aber es wurden im Gegenzug bei Firmen wie Ypsomed, Mathys, Schaerer, Biogen und vielen anderen auch neue Stellen geschaffen. Was mir Sorge bereitet, ist die anhaltend hohe Zahl von Aussteuerungen in unserem Kanton. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Sozialhilfeempfänger seit 2008 auf über 8000 verdoppelt. Ihre Zahl ist also höher als die der Arbeitslosen und der Stellensuchenden zusammen.

Export-Höchststand seit drei Jahren – Solothurn hinkt aber etwas hinterher

Das sind erfreuliche Nachrichten: Die Solothurner Wirtschaft hat 2017 mit 5,44 Milliarden Franken 5 Prozent mehr Waren exportiert als im Vorjahr – so viel wie seit 2014 nicht mehr. «Damit konnte der seit 2013 anhaltende Negativtrend gestoppt werden», kommentiert Christian Hunziker, Ökonom und stellvertretender Direktor der Solothurner Handelskammer, die Daten, welche auf den Zahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung basieren. Insbesondere erfreulich ist, dass das Niveau von vor der Währungskrise übertroffen wurde. Im Vergleich zu 2014 sind die Ausfuhren um 1 Prozent gestiegen. Beim längerfristigen Vergleich zeigt sich aber, dass Solothurn mit der Gesamtschweiz nicht mithalten konnte. Während landesweit die Exporte im Vergleich zu 2008, also vor der Finanz- und Wirtschaftskrise, um 6,8 Prozent stiegen, lagen die Solothurner Ausfuhren immer noch 17 Prozent unter dem damaligen Wert. Das hat vorab damit zu tun, dass die Pharma- und Chemieindustrie – auch während der Krise –boomte. Sie ist gesamtschweizerisch die mit Abstand wichtigste Exportindustrie; im Solothurnischen spielt sie dagegen nur eine untergeordnete Rolle.

Insgesamt konnten die drei grössten Solothurner Exportindustrien alle expandieren, wie Hunziker weiter erklärt. Das stärkste Wachstum verzeichnete dabei die Metallindustrie mit einem Anstieg um 15,4 Prozent. Die wichtigste Warengruppe «Präzisionsinstrumente, Uhren und Bijouterie» steigerte die Ausfuhren um gute 4 Prozent. Die Branche «Maschinen, Apparate, Elektronik» legte «nach einer langen Durststrecke» um 1,2 Prozent zu. Auch geografisch war das Wachstum breit abgestützt. Die Ausfuhren nach Nordamerika wuchsen um fast 11 Prozent, jene nach Asien um 7,2 Prozent. Die Verkäufe in den wichtigsten Absatzmarkt, Europa, legten auch dank der Frankenabschwächung um 3,2 Prozent zu.

Für das laufende Jahr sind die Aussichten weiterhin positiv. «Die wichtigsten Exportländer für Solothurner Industrieprodukte gehen von einer Stabilisierung auf gutem Wachstumsniveau aus. Das lässt wachsende Exporte unserer Produkte im Jahr 2018 erwarten», erklärt Josef Maushart, Präsident des Solothurner Industrieverbandes (Inveso), im Interview. (FS)

Welche Herausforderungen müssen die Unternehmen annehmen und meistern, damit der jetzige Aufschwung kein Strohfeuer bleibt?

Die Abschwächung des Frankens verbessert aktuell die Ertragslage. Wir wissen nicht, ob dieser Effekt dauerhaft ist. Aus diesem Grunde wäre es fatal, jetzt die Anstrengungen um Effizienzsteigerung und Innovationen zu vernachlässigen. Man muss den neuen Schwung und die verbesserten Cash-Flows in die Weiterentwicklung der Unternehmen und in die Schaffung neuer Technologiearbeitsplätze investieren. Dieser Aufschwung wird wohl über 2018 hinaus anhalten, aber auch er wird einmal enden. Wer das jetzige Fenster mit besseren Erträgen nicht nutzt, um sich technologisch und wirtschaftlich noch fitter zu machen, den könnte der nächste Abschwung hart treffen. Zu diesen Fitnessanstrengungen gehört unbedingt auch eine Weiterbildungsoffensive für das Personal. Wir müssen unsere Kolleginnen und Kollegen befähigen, ihre sich schnell verändernden Aufgaben auch künftig zu bewältigen.

Die Solothurner Industrie hat seit dem Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise 2007 mehrere schwierige Phasen grossmehrheitlich gut überwunden. Welche Noten erteilen Sie den Unternehmern und welchen Anteil leisteten die Belegschaften?

Ich habe diese Krisen zusammen mit meiner Mannschaft ja auch selbst durchlebt und durchlitten. Insofern sollten eher die Mitarbeitenden ihre Unternehmer bewerten. Dennoch will ich sagen, dass ich selbst ausserordentlich beeindruckt bin, was hier geleistet wurde und wie in den vielen intakten Familien-KMU Unternehmer und Belegschaften zusammenarbeiten. Ich will aber auch die Schweizerische Nationalbank erwähnen. Sie hat die Leistungsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft optimistischer eingeschätzt, als wir das in der Wirtschaft selbst getan haben. Und aus heutiger Sicht muss man sagen, dass die SNB Recht behalten hat.

Sollte sich die wirtschaftliche Verbesserung nicht auch in höheren Löhnen niederschlagen?

Wir CEOs sind ohne unsere Kaderleute schlicht verloren und diese sind ohne ihre Mannschaften verloren. In einer Firma sind wir alle darauf angewiesen, dass jeder – sportlich ausgedrückt - «auf seiner Position ein gutes Spiel macht.» Und wie wir im Sport alle zusammen gewinnen oder verlieren, so gewinnen oder verlieren wir auch in unseren Firmen gemeinsam. Jeder in einer Firma ist also grundsätzlich gleich wichtig. Ob nun die Löhne erhöht werden können oder nicht, hängt von der Gesamtleistung der Firma ab.

Was heisst das konkret?

Dort wo wir dank Rationalisierung und Innovation den Gewinn steigern, sollen die Mitarbeitenden etwas davon haben. Wo das nicht der Fall ist, sind die Spielräume gering. Dabei sind lineare Lohnerhöhungen über die Teuerung hinaus irreversibel und damit gefährlich für die nächste Krise. Fast alle Firmen kennen deshalb auch erfolgsabhängige Lohnanteile und über diese erhöhen sich die Löhne, wenn es gut läuft und sie sinken, wenn es schlecht läuft. Für unser export- und währungsabhängiges Land sollten wir vielleicht mehr über eine Steigerung der erfolgsabhängigen Lohnanteile als über starre Lohnerhöhungen sprechen. Damit wird der Mitarbeitende mehr zum Unternehmer in eigener Sache. Das könnte eine gute Win-Win-Situation für Eigentümer und Mitarbeitende geben.