Wetter-Folgen
Der milde Winter lässt die Region gar nicht kalt

Frau Holle zeigt sich in der Region äusserst geizig und lässt die Schneefans zappeln. Doch sind die milden Temperaturen nur für die Wintersportler ein Fluch oder auch für die Natur und das hiesige Gewerbe?

Anja Lanter
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Die Schneemenge ist zwar dürftig, für einen Schneemann und eine mehr oder wenig rasante Schlittenabfahrt reicht sie allemal. Momentan ist in der Region aber auch nur ein Häubchen Schnee zu viel verlangt.

Die Schneemenge ist zwar dürftig, für einen Schneemann und eine mehr oder wenig rasante Schlittenabfahrt reicht sie allemal. Momentan ist in der Region aber auch nur ein Häubchen Schnee zu viel verlangt.

Bruno Kissling

«Es schneielet, es beielet, es got en chüele Wind. D Meitli leged d Händsche a und Buebe laufed gschwind.» Momentan sind eisige Temperaturen und eine dicke Schneedecke in der Region allerdings Wunschdenken: Diesem allbekannten Kinderlied trägt der diesjährige Winter nur wenig Rechnung und präsentiert sich von einer milden Seite. Doch ist er in dieser Form überhaupt willkommen?

Die vorherrschenden Temperaturen stimmen jedenfalls die Forstbetriebe in der Gegend nicht unbedingt milde: «Ein paar kalte Wochen oder Monate wären schon erwünscht», so Werner Schwaller, Kreisförster im Forstkreis Gäu/Untergäu. Denn bei tiefen Temperaturen könne besser gearbeitet werden, insbesondere die Durchführung von Holzschlägen sei einfacher. «Gefriert der Boden, so ist er besser befahrbar und die Holzschläge verursachen weniger Schäden und Sauereien», erläutert er die Vorteile eines kalten Winters; wogegen ein wärmerer zu einem verminderten Brennholz- und Holzschnitzelverbrauch führe, was für die Forstbetriebe nicht ohne Folgen bliebe.

«Dies macht sich mit Sicherheit im Absatz bemerkbar.» Eine weitere Folge des milden Winters können gemäss Schwaller bereits treibende Bäume sein, was an sich kein Problem darstellt. Aber: «Treten doch noch eisige Temperaturen im März oder April auf, könnte es zu Frostschäden kommen», so der Kreisförster. Dafür kann er in anderer Hinsicht beruhigen: Vermehrte Probleme mit Schädlingen werde es seines Erachtens trotz des oftmals frühlingshaften Wetters nicht geben.

Hindernis für Holzerei

Der Kreisförster im Forstkreis Olten/Niederamt, Jürg Schlegel, äussert hierzu allerdings Bedenken: «Ein besseres Überleben solcher Organismen ist wegen der milden Temperaturen nicht unbedingt ausgeschlossen. Klarheit darüber bringt erst der Frühling.» Ansonsten kommen die beiden Kreisförster auf den gleichen Nenner: Schlegel sieht im ungefrorenen Boden ebenfalls ein Hindernis für die Holzereiarbeiten der Forstbetriebe, weil Maschinen wie Traktoren auf diesem Spuren hinterlassen würden.

Temperaturen unter dem Gefrierpunkt sind für den Boden demzufolge offensichtlich ein Segen. Für Roland Nussbaumer mit seinem Bauernbetrieb in Wisen sind sie jedoch eher ein Fluch – zumindest was die Arbeit angeht: «Der milde Winter macht unsere Tätigkeit weniger mühsam. Der Mist gefriert nicht am Boden fest und das Wasser erstarrt nicht zu Eis.» Doch trotz dieser Vorteile pflichtet Nussbaumer den Förstern bei, dass ein «richtiger» Winter im Sinne des Erdreichs ist: «Gefriert der Boden, kann er abschalten und sozusagen mal Ferien machen.» Sprichwörtlich kalt lasse der milde Winter seine Tiere, welche sich so oder so wohl fühlten. Und der Wisener schiebt nach: «Was mich betrifft, muss ich einen Kittel weniger anziehen.»

Gegen Krankheiten

Auch sein Fulenbacher Berufskollege Samuel Keiser bezeichnet die vorherrschenden klimatischen Bedingungen als angenehm für die Arbeit draussen, obwohl für ihn primär nicht die Temperatur zählt: «Ich bevorzuge vor allem trockenes Wetter.» Was die Vorteile eines strengen Winters angeht, bläst er ins gleiche Horn wie die Kreisförster und Landwirt Nussbaumer: «Erfahrungsgemäss begrüssen wir in den Monaten Dezember bis Januar Kälte, damit die Böden gefrieren.»

Danach würden diese nämlich eine schöne Krümelstruktur aufweisen und leichter zu bearbeiten sein. Ausserdem sage man, dass durch das Erstarren gewisse Krankheiten wie Pilze nicht überlebten, bringt Keiser einen weiteren Pluspunkt von Minusgraden ins Spiel. Auch wenn der Landwirt diesen nicht abgeneigt wäre, gibt er sich auf die gegenwärtige Situation angesprochen gelassen: «Auf meinen Betrieb hat der milde Winter keine grossen Auswirkungen.»

Niemand will Skiausrüstung

Anderswo dürfte das Stimmungsbarometer aber beträchtlich gesunken sein: Die M Sports Filiale im Sälipark Olten kann nicht von einer Schönwetterlage sprechen, da die Lust auf Wintersportartikel aufgrund der ungewöhnlich warmen Temperaturen sprichwörtlich dahingeschmolzen ist. «In dieser Saison ist bedeutend weniger gelaufen als in den beiden Vorjahren. Der fehlende Schnee hat einen massiven Rückgang im Verkauf von Schneesportausrüstungen wie Skis, Snowboards oder Schlitten und Bobs bewirkt», so Dominic Meier, Lernender im dritten Lehrjahr.

Lediglich an zwei oder drei Tagen sei der Laden hochfrequentiert gewesen, als es tatsächlich in tiefere Lagen geschneit habe. Wenigstens ist in der Filiale der Absatz von Handschuhen, Jacken und Mützen gleich geblieben – Kleidungsstücke also, die man im Winter mit oder ohne Schnee braucht. Hoffnung auf Besserung hegt Meier jedenfalls keine mehr und richtet seinen Fokus deshalb lieber auf die Sommerware, die sich bald wieder in den Regalen stapeln wird.

In den Gestellen der Albani Sport Filiale in Balsthal indes türmte sich diese Saison unterschiedlich viel Ware. Die Wintersportartikel konnten im vergangenen November gut an den Mann gebracht werden. Im Gegensatz dazu zeichneten sich die Monate Dezember und Januar nur durch mittelmässige Verkaufszahlen aus, bilanziert Firmengründer Willi Albani.

Sein Sohn und Geschäftsführer Rolf Albani bezeichnet die diesjährige Saison trotz der Schwankungen als erstaunlich gut: «Die Vermietungen von Ski und Snowboards laufen äusserst befriedigend. Von der grossen Snowboard-Nachfrage wurden wir sogar regelrecht überrascht.» Allgemein würden die Saisonvermietungszahlen über Jahre eine Konstanz aufweisen – diesen Trend vermag der milde Winter also nicht zu brechen.

Bei den Kunden eher out ist dagegen offenbar das Eigentum dieser Schneesportgeräte; der Verkauf laufe nämlich harzig, sind sich Vater und Sohn einig. Die tatsächlichen Sorgenkinder sind jedoch gemäss Rolf Albani «Accessoires» wie Handschuhe, Jacken und andere Skibekleidung. «Der Verkauf dieser Artikel leidet natürlich unter den milden Temperaturen, was wohl den Umsatz der Filiale schmälern wird.» Jedoch sei es schwierig festzustellen, welche Gründe wirklich hinter dem Rückgang stecken, so der Geschäftsführer.

Auf jeden Fall macht er in der frühlingshaften Stimmung einen möglichen Dämpfer für die Skifahrlust der Leute aus. Zufrieden oder nicht? «Die Menschen hier haben Mühe, sich vorzustellen, dass in den Skigebieten tatsächlich Hochwinter herrscht. Bei all dem Grün draussen kann man heuer im Wintersportartikel-Verkauf deshalb nicht mehr erwarten», schliesst er eigentlich zufrieden.

Mehr Besucher auf Schlittschuhbahn

Anlass zu Missmut besteht auch für die Kunsteisbahn Olten nicht, denn sie bewegt sich alles andere als auf dünnem Eis: «Umsatzmässig konnten wir diesen Januar, gegenüber dem Vorjahr, eine deutliche Zunahme verzeichnen», berichtet Geschäftsführer Viktor Müller. Somit seien auch allfällige Einbussen in den Besucherzahlen im Vergleich zu den Vorjahren kein Thema.

Die milden Temperaturen tangieren den Skilift und Langlaufbetrieb im Gsahl Hauenstein-Ifenthal dafür umso mehr. Wählen allfällige Besucher die offizielle Telefonnummer des Betreibers, wartet der Anrufbeantworter mit keiner guten Nachricht auf: «Es fehlt der nötige Schnee, weshalb die beiden Lifte nicht in Betrieb sind.» Gleiches gilt für die Loipen.

Ein kalter Winter würde also in der Region mit Sicherheit nicht unbedingt frostige Reaktionen hervorrufen, sondern von vielen warm in Empfang genommen werden. Bleibt nun zu hoffen, dass sich Frau Holle doch noch erbarmt und nicht nur das Tessin zuschneien lässt. Vielleicht sollte hier tatsächlich mal die Einführung von Schneekontingenten in Betracht gezogen werden – der gerechten Verteilung wegen.