Ende Februar ist Anmeldeschluss für die nächste Mittelländer Ausstellung Mia. Viel war bisher über die Durchführung der Messe noch nicht bekannt, ausser, dass sie vom 25. bis 29. Mai auf dem Velodrome-Areal stattfinden soll. Etwas ist allerdings im Gewerbe durchaus ein Gesprächsthema: Der Messeveranstalter aus der Ostschweiz hat seinen Kunden beschieden, dass an der nächsten Mia Eintritt verlangt wird: 10 Fr. für Erwachsene, 6 Fr. für Kinder/AHV.

Messeleiter Sandro Keller begründet den Entscheid: «Er dient alleine der Steigerung der Besucherqualität. Eine Messe lebt von der Kaufkraft der Besucher.» Ein Eintrittssystem werde von vielen Ausstellern ausdrücklich gewünscht und habe sich auch bei anderen vergleichbaren Messen bewährt.

Anders ausgedrückt: Die Standbetreiber haben genug von Horden von Jugendlichen, die nur durch die Mia ziehen, um an jedem Stand Gadgets und Werbeartikel abzuholen. Dass allerdings die Gastrobetreiber nicht begeistert sind von Tickets, räumt Keller ein.

Reichlich Gratistickets

Er plant, Aussteller mit reichlich Gratistickets auszustatten, sodass sie gezielt ihre Kundschaft ansprechen können. «Dies erlaubt uns auch erstmals, die effektiven Besucherzahlen der mia zu eruieren.» Finanzielle Aspekte stünden nicht im Zentrum, betont Keller, sagt aber gleichzeitig: «Es geht um die Sicherung des Fortbestehens der Messe.» Für 2016 sei die Durchführung gesichert. Man habe genug Aussteller, um das Velodrome zu füllen. Ein entsprechender Vertrag sei unterzeichnet. Dies wird beim Velodrome bestätigt.

In die Mia integriert wird diesmal die Sonderschau 55+, eine Seniorenmesse, die bisher in Solothurn beheimatet war. Auch dort habe man schon bisher Eintritt zahlen müssen, erklärt Keller.

Lanz hört auf, SWG wartet ab

«Diese Rechnung wird nicht aufgehen», meint Hans-Peter Lanz vom gleichnamigen Grenchner Möbelhaus. «Wenn man an der Mia Eintritt verlangt, dann resultiert unweigerlich ein Flop». Die Mia habe während Jahrzehnten vom freien Zugang gelebt und die Bevölkerung habe sich daran gewöhnt, dass man keinen Eintritt bezahlen müsse, wie das übrigens auch an der Heso der Fall sei.

Nach 27 Jahren Messepräsenz hat der traditionsreiche einheimische Anbieter von Möbeln und Inneneinrichtungen deshalb beschlossen: «An dieser Messe bin ich nicht mehr dabei.» Und er sei beileibe nicht der einzige Grenchner Aussteller, der die Konsequenzen ziehe. Die einheimischen Aussteller waren allerdings an der Mia seit je in der Minderheit.

Auch die SWG überlegt sich, zu passen. Der Stand der Städtischen Werke gehörte jeweils zu den grösseren. «Wir wissen noch nicht, ob wir an der Messe dabei sind», meint Carli Decurtins, Vertriebschef bei der SWG. Dies hänge einerseits mit dem neuen Messekonzept mit Eintrittspreisen zusammen, anderseits sei man auch im Vorjahr mit dem Messestand «nicht so glücklich gewesen.»

Weiter Kredit bei der Stadt

Interesse an einer florierenden Mia hat zweifellos die Stadt. Sie hat letztes Jahr sogar Geld auf den Tisch gelegt, um die Marke zu kaufen. Stadtpräsident François Scheidegger gibt den Messeveranstaltern nach wie vor Kredit, auch wenn er beim Thema Eintrittspreise zuerst leer Schlucken muss. «Das sind erfahrende Profis, was die Veranstaltung von Publikumsmessen betrifft», meint der Stapi.

Also würden diese auch wissen, was sie tun. Immerhin gelte es die neuen Rahmenbedingungen für das Messewesen in der Schweiz zu berücksichtigen. Die meisten Messen für ein allgemeines Publikum, hätten heute mit stagnierendem bis rückläufigem Publikumserfolg zu kämpfen. «Ich kann deshalb verstehen, dass in dieser Situation neue Wege ausprobiert werden», meint Scheidegger.

Die Veranstalter wären übrigens gegenüber der Stadt auch verpflichtet, eine Messe durchzuführen, ansonsten eine Konventionalstrafe zu entrichten ist. Dies war Gegenstand der Rahmenvereinbarung der Stadt mit der FVF Messe-Event AG abschloss, und zwar für einen Zeitraum von fünf Jahren.

Keller geht heute von einer gleichbleibenden Ausstellerzahl aus, auch das Konzept werde ähnlich der bisherigen Grega sein, inklusive Eventzelt und Lunapark. Ebenso sind die Bauern bereit für die Landwirtschaftsausstellung , wie Benedikt Scholl auf Anfrage bestätigt. Und zwar im üblichen Rahmen mit Bauernstube, Tieren und einer Sonderausstellung zum Thema Landwirtschaft und Vögel. «Wir müssten dafür allerdings bald einmal etwas Schriftliches von der Mia bekommen», meint Scholl. www.mia-messe.ch