Amtsgericht
Der «Messerstecher von Obergerlafingen» will abschliessen

2005 stach Oliver D. in einer Garage in Obergerlafingen auf einen Nebenbuhler ein. Die seit acht Jahren laufende Therapie wurde nun vom Amtsgericht um weitere zwei Jahre verlängert.

Simon Binz
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In dieser Garage (2. v.r.) in Obergerlafingen stach vor mehr als acht Jahren Oliver D. seinen Nebenbuhler nieder.

In dieser Garage (2. v.r.) in Obergerlafingen stach vor mehr als acht Jahren Oliver D. seinen Nebenbuhler nieder.

Kevin Cahannes

Vor mehr als acht Jahren – im Sommer 2005 – sorgte der Fall «des Messerstechers von Obergerlafingen» für Aufsehen. Oliver D.*, damals 24 Jahre alt, stach in einer Garage in Obergerlafingen auf seinen Nebenbuhler ein. Dieser war wenige Tage zuvor eine Beziehung mit der Ex-Freundin von D. eingegangen.

Das Opfer überlebte nur dank Glück, rascher Hilfe und einer Notoperation. Oliver D. wurde noch in derselben Nacht verhaftet und im Mai 2007 vom Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt wegen versuchter vorsätzlicher Tötung und Nötigung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt.

Während dieser Zeit wurde er erst stationär und anschliessend ambulant therapiert. Vor zwei Jahren hatte er seine Strafe abgesessen und kam frei. Die ambulante Therapie wurde weitergeführt. 2012, nach einem Antrag des Straf- und Massnahmenvollzugs, entschied das Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt, die ambulante Therapie um weitere zwei Jahre zu verlängern. Diese Verlängerung läuft im kommenden Januar ab, warum Oliver D. ein weiteres Mal vors Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt geladen wurde. Der Straf- und Massnahmenvollzug hatte nämlich den Antrag für eine weitere Verlängerung gestellt.

Aussage gegen Aussage

Die Familie hält zu Oliver D. Auch am vergangenen Donnerstag nahmen drei Familienmitglieder auf den Besucherstühlen im Amtsgerichtssaal platz. Sie sässen ihm quasi im Nacken, wie es Rechtsanwältin Roos später in ihrem Plädoyer beschrieben hatte. Als er vor den Richtern Platz nahm, wirkte D. etwas verkrampft. Roos erklärte den Amtsrichtern, dass ihr Mandant, wegen einem Arbeitsunfall, grosse Schmerzen im Rücken habe. Darum müsse er zwischendurch aufstehen und etwas herumgehen. Amtsgerichtspräsident Stefan Altermatt zeigte Verständnis für dieses Anliegen. Für Altermatt ist D. kein Unbekannter.

Bereits die Verhandlung im Jahr 2010, wo das Amtsgericht über die Zukunft von D. entscheiden musste, wurde von ihm geführt. «Wenn ich den letzten Bericht zum Therapieverlauf vom 2. Oktober betrachte, dann wirkt es für mich, als ob sie sich in einer negativen Abwärtsspirale befinden», begann Altermatt seine Befragung.

Mit starker Stimme antwortete D.: «Ich kann den Bericht nicht verstehen. Mir wurde nach dem letzten Termin gesagt die Therapie laufe sehr gut.» Altermatt zeigte sich irritiert, vor allem, weil ein Bericht vom Sommer, einen positiven Verlauf beschrieb. Darum hakte er nach: «Können sie sich erklären, warum der letzte Bericht so negativ ist?» «Ich kann es nicht verstehen», wiederholte Oliver D. Klar habe ihn der Verlust seiner Arbeitsstelle (wegen Arbeitsunfall, Anm. d. R.) etwas zurückgeworfen, aber er sehe es auch als eine Chance, sich umzuschulen.

Unvorteilhaft für die Verhandlung war, dass der Verfasser des Berichtes, während der Verhandlung in den Ferien weilte. So stand Aussage gegen Aussage. Altermatt wollte mehr zur Therapie von Oliver D. wissen. «Sie läuft sehr gut, nur zunehmend ist sie auch etwas überflüssig, wir müssen zum Teil Themen suchen», sagte D. Er möchte die Therapie fortsetzen, aber freiwillig. Denn er sei nie mehr aggressiv gewesen und habe sich nie mehr etwas zuschulden kommen lassen. «Früher habe ich diesen massiven Ausraster gehabt, der nicht entschuldbar ist und, den ich nicht vergessen aber verarbeitet habe.»

Plädoyers beider Parteien

Staatsanwältin Scartazzini sprach davon, dass D. einerseits eine positive Entwicklung durchgemacht habe, andererseits dauere diese aber noch nicht so lange an. «Er funktioniert gut, es gibt Hoffnung, aber jetzt, mit dem Verlust der Arbeitsstelle, kommt die Zeit der Bewährung.» Jetzt sei es kontraproduktiv, ihn alleine zu lassen. Darum stellte die Staatsanwältin Antrag auf eine Verlängerung um fünf Jahre. Der schlechte Verhaltensbericht habe ihren Mandanten und sie sehr überrascht, sagte Rechtsanwältin Roos.

Gestützt auf den früheren Bericht, der sehr positiv ausfiel, könne man die ambulante Therapie nicht verlängern. «Ich bin der Meinung D. hat eine zweite Chance verdient, nicht damit er seine Vergangenheit vergessen, aber mit ihr abschliessen kann.»

Das letzte Wort an diesem Morgen hatte Oliver D. «Angesichts der Neugestaltung meines Lebens wäre ich sehr froh, wenn sie mich loslassen würden. Ich werde nie wieder jemandem etwas zuleide tun. Ich will einfach ein normales Leben.» Das Amtsgericht ging weder auf die Forderung der Staatsanwaltschaft noch auf die der Verteidigung ein und verlängerte die ambulante Therapie um weitere zwei Jahre.

Name von der Redaktion geändert.

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