Den Kaffee trägt Roman Staub in der einen Hand. Mit der anderen schliesst er die Türe auf. Denn ohne Schlüssel kommt man im Solothurner Obergericht nicht weit. Aus Sicherheitsgründen sind die Zugänge zu den Büros der Richter erschwert.

Das war anders, als Roman Staub vor zwölf Jahren bei den Solothurner Gerichten zu arbeiten begann. Es war einmal vorgekommen, dass einer Oberrichterin das Portemonnaie aus dem Büro gestohlen worden ist.

2005 kam Staub zu den Solothurner Gerichten. Er wurde auf eine Stelle gewählt, die es zuvor gar nicht gab. Staub ist Gerichtsverwalter und ist damit für den reibungslosen Ablauf nicht der Prozesse, sondern der Verwaltungsprozesse zuständig, von der IT bis zu den Finanzen.

Seine Stelle wurde geschaffen, als die Solothurner Gerichte von der Kantonsverwaltung unabhängig wurden. Seither können sie selbst über ihr Budget und über die Anstellungen bestimmen. Zuvor war dies Sache des Regierungsrates, was diesem zumindest in der Theorie Eingriffe in die Unabhängigkeit der Gerichte erlaubt hätte.

Keine vergoldeten Jobs

Ende Monat nun geht der erste Solothurner Gerichtsverwalter in Pension, und er zieht ein positives Fazit. «Wir können unsere Aufgabe völlig unabhängig erfüllen.» Die Eigenständigkeit der Gerichte zeigt sich vor allem in den Finanzen und bei der Personalanstellung. «Wir können sehr schnell reagieren», sagt Staub. Den Lohn der Angestellten können die Gerichte selbst festlegen. «Es gab Befürchtungen, wir würden die Jobs vergolden», sagt Staub. Tatsächlich seien sie nur wenig gestiegen.

Einmischungsversuche der Politik in die Unabhängigkeit der Justiz hat er nie erlebt. «Es besteht grösste Zurückhaltung», sagt Staub. Auch er selbst kann den Richtern nichts vorschreiben. Das Gespräch suchen könnte er etwa, wenn es bei einem Richteramt zu viele Pendenzen gibt. «Der Solothurner Geist ist sehr konstruktiv. Man redet miteinander», sagt er.

Ein Jurist am Gericht, der nichts mit der Juristerei zu tun hat

Der studierte Jurist Staub arbeitet zwar an einem Gericht und trägt auch den Titel «Obergerichtsschreiber». Aber mit der Juristerei hatte der Mann mit dem Berner Dialekt und dem Berner Fürsprechpatent in den vergangenen Jahren kaum mehr etwas zu tun.

Er kümmerte sich um Finanzen, ums Controlling und um Verwaltungsprozesse. «Juristisch wäre ich nicht mehr ganz auf der Höhe», sagt Staub. «Ich habe aber davon profitiert, dass ich zwölf Jahre Anwalt war. Die Branchenkenntnis ist hier am Gericht wichtig.»

Im Obergericht sind nicht nur die Büros aus Sicherheitsgründen «abgeriegelt». Auch am Eingang des Obergerichts ist eine Schleuse, nachdem vor einem Jahr ein Besucher einen Richter gebissen hat. Doch während Sicherheitstüren den Zugang zu den Gerichten erschweren, sind die Gerichte in den vergangenen Jahren viel transparenter geworden: Die Richter veröffentlichen ihre Nebenämter, und inzwischen werden alle Urteile des Obergerichts und des Verwaltungsgerichts öffentlich aufgeschaltet.

«Ich werde die Leute vermissen», sagt Staub zu seinem Abschied. Nach Solothurn will der Burgdorfer auch weiterhin kommen: Auf den Märet, ins Tobs oder zum Kaffeetrinken. Und daneben wird er wandern, lesen und sich der Musik widmen.