Leberberg

Der Lügenbaron aus dem Leberberg

Betrüger auf Sammeltour: Ein Jugendlicher missbrauchte den Namen des Fussballclub Biberist für seine Zwecke und zog angeblich den Passiveinzug für den Verein ein. (Bild: Caro Kaiser)

Betrug

Betrüger auf Sammeltour: Ein Jugendlicher missbrauchte den Namen des Fussballclub Biberist für seine Zwecke und zog angeblich den Passiveinzug für den Verein ein. (Bild: Caro Kaiser)

Hätte Benedetto C.* Bücher geschrieben, dann wäre er heute vielleicht ein gefeierter, weil phantasievoller Bestsellerautor. Aber der heute 41-jährige Italiener ist ein der Justiz bestens bekannter Betrüger. Am Montag stand er vor Gericht.

Aber der 41-jährige Italiener aus dem Leberberg schlug eine andere Karriere ein: Seit 16 Jahren ist er der Justiz als Betrüger bekannt, und sein Termin vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern von gestern Montag war bereits die vierte Gerichtsverhandlung seiner «Karriere».

Zusammen mit den Nachbarn unternahm Benedetto C. zum Beispiel einmal einen Familienausflug in einen Tierpark. Als ein schöner Mini Cooper S vorbeifuhr, sagte die Nachbarin, dass sie sich genau dieses Auto kaufen will. Benedetto C. nahm die Steilvorlage auf und erfand seine Lügengeschichte.

Seine Chefin habe gerade genau dieses Auto in einer Lotterie gewonnen und wolle es verkaufen. Das Interesse des Opfers war geweckt. Am nächsten Tag rief er seine Nachbarin an und erklärte, dass es zwar einen anderen Interessenten gebe, der aber Mühe habe, das Geld zu beschaffen. Wenn sie ihm sofort 8000 Franken übergeben könne, gehöre der Mini ihr. Benedetto C. bestätigte die Annahme des Geldes sogar mit einer Quittung. Der Superdeal flog natürlich rasch auf, denn das Auto existierte gar nicht.

Ein Jahrhundertgeschäft mit fatalen Folgen

Weitere Geschichten, die einen Baron von Münchhausen blass aussehen lassen, sind in der Anklageschrift zu lesen. Den grössten finanziellen Schaden verursachte Benedetto C. bei einem Zufallsbekannten, den er an einer Tankstelle in Grenchen angesprochen hatte. Bei ihm gab er sich als Computerhändler aus, der an Interdiscount, Fust und Mediamarkt liefert. Benedetto C. versprach das «Jahrhundertgeschäft». Er erfand einen Briefverkehr mit einem nicht existierenden Kunden und fälschte Zolldokumente, um immer wieder grössere Beträge als Vorfinanzierung zu kassieren.

So musste sich der Familienvater mit dem gewinnenden Lächeln wegen insgesamt 21 Anklagepunkten verantworten. Vorgeworfen wird ihm der gewerbsmässige Betrug, eventuell Veruntreuung sowie Urkundenfälschung. Die meisten Tatabläufe akzeptierte Benedetto C. so, wie sie von Staatsanwalt Marc Finger in der Anklageschrift beschrieben wurden. Die Schadenersatzforderungen seiner Opfer akzeptierte Benedetto C. mit kleinen Korrekturen nach unten. Aber alle geforderten Genugtuungen lehnte er kategorisch ab.

Benedetto C. hat heute einen Betreibungsregisterauszug mit Forderungen von einer halben Million Franken und es existieren Schuldscheine in etwa derselben Grössenordnung. «Wo ist all das Geld hingegangen?», wollte Gerichtspräsident François Scheidegger konkret wissen. Eine brauchbare Antwort war nicht zu erhalten. «Ich habe mit dem Geld alte Löcher gestopft und neue aufgerissen», erklärte der Angeklagte. «Ich war der Meinung, dass ich das irgendwie wieder geradebiegen könnte.»

Drei oder vier Jahre?

Staatsanwalt Marc Finger sprach in seinem Plädoyer von der Arglistigkeit, mit der Benedetto C. seine Opfer hinters Licht führte. Er forderte eine Freiheitsstrafe von 3 Jahren und 2 Monaten, und zusätzlich soll nun auch die 2006 vom Solothurner Obergericht bedingt verhängte Strafe von 18 Monaten vollzogen werden. Da nichts Benedetto C. bisher stoppen konnte, beantragte der Staatsanwalt eine ungewöhnliche Massnahme: Das Urteil solle mit Namensnennung im Amtsblatt, dem Anzeiger und der lokalen Tageszeitung öffentlich gemacht werden, um potenzielle, zukünftige Opfer zu warnen.

Verteidiger Cuno Jaeggi sah in seinem Plädoyer zumindest bei einigen Anklagepunkten die Arglist eines Betruges als nicht gegeben. «Benedetto C. dachte, er könne seine Schuldenprobleme so lösen. Es war nie seine Absicht, die Gelder für sich zu behalten. Er hat Quittungen ausgestellt und damit hat er seinen Willen ausgedrückt, dass er seine Gläubiger bedienen will.» Der Verteidiger forderte eine Gesamtstrafe 32 Monaten unter Einbezug der noch hängigen, zur Bewährung ausgesetzten Strafe.

Die öffentliche Urteilseröffnung ist auf Donnerstag 14 Uhr angesetzt.

*Namen von der Redaktion geändert.

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