Kanton Solothrun
Der Lockdown scheint einen (Um)bauboom ausgelöst zu haben — Baugesuche nehmen stark zu

In vielen Gemeinden im Kanton Solothurn hat man dieses Jahr eine starke Zunahme der Baugesuche für kleinere Projekte registriert.

Hans Peter Schläfli
Drucken
Teilen
Umbauen, renovieren, sanieren: Der Lockdown scheint viele Hausbesitzer inspiriert zu haben.

Umbauen, renovieren, sanieren: Der Lockdown scheint viele Hausbesitzer inspiriert zu haben.

Florian Arnold

Während des Lockdowns im Frühling hatte die Kehrichtabfuhr viel zu tun, weil die Leute die Zeit zu Hause nutzten, um kräftig auszumisten. Nun stellen viele Gemeindeverwaltungen eine andere Welle fest: Die freigewordene Zeit wurde vermutlich auch für die Planung neuer Projekte genutzt, denn die Zahl der Baugesuche für kleine Änderungen ist vielerorts deutlich angestiegen.

In Olten sind dieses Jahr bis Ende Oktober 177 Baugesuche eingereicht worden, womit die gesamte Zahl von 151 des Jahres 2019 bereits jetzt deutlich übertroffen wurde, bestätigt Stadtbaumeister Kurt Schneider. «Neben den grossen Bauvorhaben wie zum Beispiel den beiden Hochhäusern auf dem Areal Bahnhof Nord ging es bei einem grossen Teil um kleinere An- und Umbauten und energetische Sanierungen», sagt Schneider.

Ob und wie dies mit dem Lockdown zusammenhänge, könne er nicht sicher sagen, nur vermuten. «Zuhause im Homeoffice setzt man sich sicher intensiver mit seiner unmittelbaren Umgebung auseinander und die Investition ins Eigenheim bringt einen direkten Nutzen.» In der Oltner Bauverwaltung habe diese Entwicklung einen Sondereffort von den Mitarbeitenden verlangt, was sich im Gleitzeitsaldo widerspiegele, weiss Schneider. Auch die Fristen konnten nicht immer eingehalten werden, was aber darauf zurückzuführen sei, dass die Unterlagen oft vollständig eingereicht wurden.

Viele Heimwerker legen selber Hand an

Unvollständige Unterlagen lassen darauf schliessen, dass viele Baugesuche durch Privatpersonen verfasst wurden, denen es an Erfahrung fehlt. Diese Beobachtung bestätigt der Solothurner Baumeisterverband, dem rund 90 Betriebe angehören. «Es ist uns tatsächlich aufgefallen, dass sehr viele Baugesuche für kleine Arbeiten ausgeschrieben wurden», sagt Verbandspräsident Bruno Fuchs. «Dass dies einen Zusammenhang mit Covid-19 hat, ist nachvollziehbar.» Spürbar mehr Aufträge für die Profis seien dadurch aber nicht entstanden, meint Fuchs. «Ich gehe davon aus, dass ein grosser Teil dieser Arbeiten durch die Eigentümer selber ausgeführt wurden oder werden. Von allfälligen Überstunden im Kundenmaurersegment ist dem Baumeisterverband jedenfalls nichts bekannt.»

In Grenchen steigt die Zahl der Baugesuche laut Stadtplaner Fabian Ochsenbein bereits seit einiger Zeit um 10 bis 15 Prozent pro Jahr. «Dass der weitere Anstieg an Gesuchen seit Frühling 2020 in direktem Zusammenhang mit dem Lockdown steht, können wir deshalb nicht bestätigen», analysiert Ochsenbein.

Aufstockung des Personals möglich

Der Anteil von Kleinbauten, Umbauten, Umnutzungen sowie Umgebungsgestaltungen sei aber tatsächlich überproportional gross. Das führe zu einer Mehrbelastung des Bauinspektorates. «Sollte diese Entwicklung weiter anhalten, muss in Grenchen über eine Aufstockung der personellen Ressourcen nachgedacht werden.»

Und wie sieht es in den Dörfern aus, zum Beispiel in Aedermannsdorf mit knapp 600 Einwohnern? «Bei kleinen Zahlen sind bei uns die Schwankungen naturgemäss immer recht gross. Aber in Aedermannsdorf konnten wir keinen Trend zu mehr Baugesuchen feststellen», teilt Gemeindeschreiberin Regina Fuchs mit.

In Gerlafingen mit gut 5'200 Einwohnern ist mit 97 Baugesuchen bis Ende Oktober bereits die Zahl des ganzen vergangenen Jahres leicht übertroffen worden. «Auffällig ist der Anstieg auf je 20 Gesuche im Juli und August», sagt Nadine Hess, Verantwortliche Hochbau der Einwohnergemeinde. «Die Vermutung, dass einige Projekte während des Lockdowns entstanden sind, liegt nahe, aber untersucht haben wir das nicht. Es hatte auch einige grosse Projekte aus einem Industriebetrieb darunter, die sicher nichts mit dem Lockdown zu tun haben.»

Zunahme der Überschreibung von Immobilien

In verschiedenen Gemeinden ist auch aufgefallen, dass in letzter Zeit ungewöhnlich viele Immobilien von den Eltern auf die Kinder überschrieben werden. Auch das wäre so ein typisches Vorhaben, das man lange vor sich hinschiebt, bis dann im Lockdown endlich Zeit dafür frei wurde.

Statistisch belegen lässt sich das aber nicht, wie der im Finanzdepartement für das Grundbuchamt zuständige Leiter Jürg Studer sagt: «Betreffend der Anzahl von lebzeitigen Abtretungen haben wir auch den Eindruck, dass diese etwas zugenommen haben. Wir führen jedoch hierzu keine Statistik und können deshalb keine verlässliche Aussage machen.» Wenn eine junge Generation alte Häuser übernimmt, dürfte auch bei den Baugesuchen und den fleissigen Heimwerkern schon bald eine zweite Welle anrollen.