Der Limpach ist ein unscheinbarer Fluss. Weder aussergewöhnlich breit noch aussergewöhnlich lang. Auch besonders idyllisch ist er nicht, der Limpach. Mehrheitlich zieht er eine schnurgerade Spur, entlang an landwirtschaftlichen Feldern, durch die Kantone Solothurn und Bern. Doch gestern war für einmal alles anders: Er, der unscheinbare Limpach, stand im medialen Rampenlicht.

«‹Limpach› ist sicherlich nicht der erste Name, der fällt, wenn man jemanden nach einem Schweizer Gewässer fragt», sagte Stephan Müller am Ufer des Flusses vor der versammelten Medienschar. Der Chef der Abteilung Wasser des Bundesamts für Umwelt (Bafu) ergänzte: «Aber – er ist repräsentativ für die Gewässer der Schweiz.»

Negativbeispiel Limpach

Repräsentativ heisst in diesem Fall: Der Limpach ist auf weiten Strecken künstlich begradigt und sein Wasser weist grosse Mikroverunreinigungen auf. Kein guter Lebensraum für Kleintiere, Fische und Pflanzen. Sprich: Ein Negativbeispiel für viele Schweizer Gewässer.
Das Bundesamt für Umwelt veröffentlichte gestern den ersten Bericht über den Zustand der Schweizer Fliessgewässer.

111 Flüsse und Bäche wurden in der Untersuchung berücksichtigt. Die erfreuliche Nachricht: Schäumende Gewässer wie man sie in den 80er-Jahren kannte, gehören der Vergangenheit an. Die Belastung durch Nährstoffe in den Flüssen und Bächen konnte stark verringert werden. «Das Verbot für den Einsatz von Phosphat in Waschmitteln hat auch einen grossen Teil dazu beigetragen», betonte Marc Chardonnens, Direktor des Bafu. Die schlechte Nachricht: Viele Schweizer Gewässer leiden jetzt unter einem anderen Problem – Mikroverunreinigungen.

Wasserqualität: Wie geht es den Bächen und Flüssen in der Schweiz?

Wasserqualität: Wie geht es den Bächen und Flüssen in der Schweiz?

Die Resultate der nationalen Beobachtung der Oberflächengewässer ergeben ein differenziertes Bild des Zustands der Schweizer Fliessgewässer (NAWA-Bericht 2011-2014). Das animierte Video erklärt die Zusammenhänge.

Pestizid-Cocktail

Eine Untersuchung zeigt: Das Wasser des Limpachs ist ein regelrechter Pestizid-Cocktail. 38 Unkrautgifte, 22 Mittel gegen Pilzkrankheiten und 9 verschiedene Insektenbekämpfungsstoffe konnten im Limpach nachgewiesen werden. Verantwortlich dafür sind Medikamente, die ins Wasser gelangen, sowie die Pflanzenschutzmittel der Landwirte. Dass der Limpach besonders grosse Menge von denen abbekommt, überrascht nicht. 34 Prozent der Flächen neben dem Limpach werden intensiv bewirtschaftet.

Mikroverunreinigungen beeinträchtigen die Fortpflanzung von Fischen und gefährden die Artenvielfalt in den Schweizer Gewässer. «Fische reagieren empfindlich auf die Veränderung der Wasserqualität», sagte Stephan Müller. «Nur in einem Drittel der untersuchten Gewässer ist die Wasserqualität für Fische ‹gut› oder ‹sehr gut›.»

Massnahmen greifen

Wir verlassen den Limpach und wechseln an das Ufer der Emme. Hier präsentiert das Bafu den Medien das positive Beispiel. «Die Emme ist beinahe das Gegenteil des Limpach», sagt Chardonnens, während es im Hintergrund gewaltig rauscht. In seinem Rücken fliessen 57 Kubikmeter Wasser pro Sekunde die Emme hinab; normal wären 20 Kubikmeter.

Doch kein Problem für die Emme: Dank den ergriffenen Massnahmen hat sie genügend Platz, um sich auszubreiten. Die Wasserqualität für die Fische konnte hier nicht untersucht werden. Für die Kleintiere und Pflanzen ist sie gut. Die Emme als Vorbild für die Schweizer Gewässer, im Gegensatz zum Limpach. Dieser musste gestern für die Medien als «Bad Boy» herhalten.

Interaktive Karte der Wasserqualität der Schweizer Gewässer