Solothurn
Der Latin-Lover mit Rossini-Koloraturen und Offenbach-Schmelz ist vielbeschäftigt

Tenor Gustavo Quaresma hat einen vollen Kalender. «In viereinhalb Monaten habe ich 45 Vorstellungen gesungen», sagt der gebürtige Brasilianer. Am Samstagabend, an Silvester und am 2. Neujahrstag ist er nun noch in Solothurn und Biel zu hören.

Silvia Rietz
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Der gebürtige Brasilianer Gustavo Quaresma fühlt sich als Tenor auf Bühnen im deutschsprachigen Raum wohl. Er singt zum Jahreswechsel in Biel und Solothurn.

Der gebürtige Brasilianer Gustavo Quaresma fühlt sich als Tenor auf Bühnen im deutschsprachigen Raum wohl. Er singt zum Jahreswechsel in Biel und Solothurn.

ZVG Barbara Sorg

Gustavo Quaresma ist gerade aus Wien zurückgekommen, wo er Weihnachten mit seiner Familie verbrachte. Nun ist der junge, aus Brasilien stammende Tenor für einen Opern-Marathon gefordert: Am Samstagabend ist er in Offenbachs «Die Rheinnixen» und an Silvester in Rossinis «La Cenerentola» im Stadttheater Solothurn zu hören, am 2. Januar dann nochmals als Rossinis Don Ramiro im Theater Biel zu erleben. «In viereinhalb Monaten habe ich 45 Vorstellungen gesungen. Ein voller Kalender. Das gefällt mir», lacht er und verrät, dass er sich mit Trainieren im Fitnessstudio und mit Joggen fit halte. Innert zehn Tagen sieben Vorstellungen zu singen, auch als er gesundheitlich angeschlagen war, braucht enorme physische und psychische Kraft.

Um nicht in Routine zu verfallen, komme ihm entgegen, dass er zwei sehr unterschiedliche Charaktere verkörpere. Bei Rossini den sorglosen Märchenprinzen Don Ramiro und bei Offenbach den vom Krieg traumatisierten Franz Waldung. Beide Gesangswelten liegen ihm gut.

Fundierte Ausbildung

Das Rüstzeug holte sich der in Rio de Janeiro geborene Sänger mit der schön timbrierten Stimme erst an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Frankfurt am Main und danach am Opernstudio in Köln. Ausbildungsstätten, an denen er nicht nur an Technik und Ausdruck feilte, sondern auch perfekt Deutsch lernte und mit der Sopranistin Daniela Fally die grosse Liebe fand.

Zu Beginn seiner Karriere konzentrierte er sich vorab auf das Belcanto-Fach, auf jenen höchst anspruchsvollen Gesangsstil, der – von Koloraturen und virtuosen Ausschmückungen nur so strotzend – als Markenzeichen für Komponisten wie Bellini, Donizetti und Rossini gilt. Mittlerweile hat sich seine Stimme weiterentwickelt.

Gustavo Quaresma ist in das lyrische Fach hineingewachsen, ohne an Virtuosität und an Höhe zu verlieren. Mit Mozarts Tamino und Don Ottavio, Belmonte und Ferrando, aber auch mit Offenbach und anderen Komponisten, hat er das Repertoire erweitert und der Stimme angepasst.

Nach den Vorstellungen in Biel-Solothurn wird er in St. Gallen in Offenbachs «Die schöne Helena» und im Landestheater Salzburg sowohl in Rossinis «La Gazzetta», wie auch in Mozarts «Cosi fan Tutte» und «Don Giovanni» auf der Bühne stehen. «Im Sommer bin ich dann wieder in der Schweiz, an einem Festival engagiert. Aber ich darf noch nichts Genaueres bekannt geben», freut er sich.

Latin Lover liebt Topfenstrudel

Obschon Gustavo Quaresma einiges an deutscher Lebensart verinnerlicht hat, kann der Südamerikaner den Habitus des Latin Lovers nicht verleugnen. Entwickelt sich die Stimme des blendend aussehenden Tenors so konsequent weiter, liegen Verdi-Partien wie Alfredo oder Puccinis Rodolfo in Reichweite. Im Augenblick geniesst er noch die Rossini-Koloraturen und die Leichtigkeit in «La Cenerentola», die ihn nach Solothurn und Biel führten. «Biel erlebe ich von den Publikumsreaktionen her als spontaner und internationaler. Die Solothurner schätze ich als aufgeschlossene Opernfans und Solothurn selber als wunderschöne Stadt», schwärmt er und fügt an, besonders ein Pizza-Restaurant habe es ihm angetan.

Zumal er auf den hausgemachten Topfenstrudel noch ein bisschen warten muss. Aber bei der nächsten Terminlücke fliegt er nach Wien, wo er von seinen zwei Frauen sehnsüchtig erwartet wird. Reist Daniela Fally zum Gastspiel nach Cleveland, wo sie unter Welser-Möst in «Ariadne auf Naxos» singt, wird er gemeinsam mit der Nanny die kleine Tochter betreuen. Ist das Paar parallel in Wien und in Baden bei Wien engagiert, lässt sich für einmal Familienglück und Opernseligkeit vereinen. Und dies in den höchsten Tönen.