Er stahl, betrog, veruntreute, fälschte Urkunden, beging Hehlerei und Hausfriedensbruch, erschlich sich Versicherungsleistungen. Die Liste der Delikte ist lang. Seit fünf Jahren schlägt sich die Solothurner Staatsanwaltschaft mit Adam R. herum. Mit 12 Jahren hat er zum ersten Mal zu Hause Geld stibitzt. Statt dass ihm geholfen wurde, wurde er, wie seine Mutter, vom Vater misshandelt. «Ich habe viel Seich gemacht», sagte der heute 40-Jährige am Donnerstag vor dem Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt. «Aber ein Portemonnaie habe ich nie geklaut.»

So ganz stimmt eben auch das nicht. Zumindest eine Bankkarte hatte er vor gut zwei Jahren aus dem Geldbeutel einer Bekannten «geliehen» und sich am Bankomaten bedient. Und das Portemonnaie mit den 600 Franken der Wirtin der Wasserämter Beiz, wo er am Stammtisch verkehrte, hat er halt doch geklaut. Das war genau vor einem Jahr. Auch wenn er das vor Gericht bis zum Schluss nicht zugeben wollte.

Nachts im Schlafzimmer bedient

R. ist ein Langfinger. Immer wieder nahm er, was ihm nicht gehörte und lebte mit dem Diebesgut über seinen Verhältnissen. Spritztouren mit fremden Autos, Puff-Orgien auf Kosten anderer. Selbst als der gelernte Informatiker bei einer Grossfirma im Aargau mehrere Laptops mitgehen liess und längst im Visier der Strafverfolger war, bediente er sich an fremdem Eigentum. «Saufrech», wie Martin Schneider am Donnerstag sagte. «Unerhört pietätlos und krass verwerflich» bezeichnete es der Staatsanwalt, dass R. die Identität seines toten Vaters annahm und dessen Unterschrift fälschte, um von der UBS Platinum-Kreditkarten zu erhalten. Seine Zahlungsunfähigkeit hinderte ihn nicht daran, in nur zweieinhalb Monaten 30 000 Franken zu verprassen, unter anderem in den Bordellen Freubad und Römerbad oder im Casino.

Die wohl dreisteste Tat beging R. aber in einer Wohnung im Luzernischen. Im September 2014 übernachtete er bei einem bekannten Zügelunternehmer, wo er kurzzeitig arbeitete. Mitten in der Nacht juckte es den Langfinger wieder. Auf Knien kroch der bullige Mann in das Schlafzimmer des gastgebenden Ehepaars, schlich zur Kommode und fischte rund 8000 Franken aus der obersten Schublade.

Am Morgen danach war nicht nur der undankbare Gast mit dem Geld verschwunden, sondern auch ein Autoschlüssel und ein Handy waren weg. Den Rest der Nacht brachte er in einem Luzerner Nachtklub zu und fuhr mit dem ersten Zug nach Solothurn. Dass die Gastgeberin in der Nacht aufgewacht und den herumschleichenden Dieb beobachtet hatte, damit rechnete er nicht. Aus Angst vor einer Gewalttat hatte sich die Frau schlafend gestellt und ihren Mann nicht geweckt.

Gericht war sich nicht einig

Heute ist der zweifache Familienvater von seiner Frau getrennt und lebt wieder bei seiner Mutter im Wasseramt. «Dort kann ich durchatmen und mich neu sammeln.» Von den Drogen lässt er die Finger, lebt nicht mehr von der Sozialhilfe. Die Arbeitszeugnisse als Hilfsarbeiter sind gut, eine Festanstellung ist in Sicht. Dank Antidepressiva habe sich seine Stimmung gebessert. «Ich habe seit einem Jahr nicht mehr delinquiert.» Ob er sich wieder in die Arbeitswelt eingliedern könne, hänge vom Urteil des Gerichts ab. «Ich hoffe, dass ihr mir diese letzte Chance gebt.»

Immerhin: Vom schwersten Vorwurf des gewerbsmässigen Kreditkartenmissbrauchs sprach ihn das Gericht frei. «Die UBS hat nicht alles Zumutbare gemacht, um den Kartenantrag genügend zu prüfen», sagte Gerichtspräsident Stefan Altermatt. Weder kontrollierten sie auf der Einwohnerbehörde die Identität des verstorbenen Vaters, noch im Handelsregister die Existenz der aufgeführten, erfundenen Firma. In diesem Anklagepunkt drang der Verteidiger mit seiner Forderung nach einem «lupenreinen Freispruch» durch. Das schwerste der diversen Delikte war nun der Betrug zum Nachteil eines ehemaligen Arbeitgebers, wo R. ein Arztzeugnis gefälscht hatte, um fürs Nichtstun weiterhin Lohn zu erhalten.

Das Amtsgericht sprach eine bedingte Freiheitsstrafe von vier Jahren bei einer ambulanten Behandlung aus. Dazu kommt eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 40 Franken. Bestehen bleibt das bereits zuvor gefällte Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau. Dieses hatte den notorischen Delinquenten vergangenes Jahr zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 9 Monaten verknurrt.