Kantonsratssaal
Der Kantonsratssaal wird zu 90 Prozent solothurnisch

Der Kantonsratssaal wird umgebaut. Doch wer erhält die Aufträge? Bekannt ist, dass die Stühle aus dem Bernbiet kommen. Laut dem Chef des Hochbauamts werden aber 90 Prozent der Aufträge an Solothurner Unternehmen gehen.

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Modell des neuen Kantonsratssaals mit total 114 Sitzen an gebogenen Pultreihen.

Modell des neuen Kantonsratssaals mit total 114 Sitzen an gebogenen Pultreihen.

Zur Verfügung gestellt

Wird der neue Kantonsratssaal von Ausserkantonalen gebaut? Ist das einheimische Gewerbe nicht in der Lage, die Aufträge für den Umbau des Tagungsorts der Volksvertretung zu übernehmen? - So musste man sich sorgenvoll fragen, als an der Generalversammlung des Solothurner Schreinermeister-Verbandes bekannt wurde, dass der Auftrag zur Möblierung des umgebauten Saals im Solothurner Rathaus an ein Möbelbauunternehmen im Kanton Bern ging (vgl. Montagausgabe).

Oval gebogene Pultreihen

«Wir sind uns der Problematik bewusst und haben uns intensiv darum bemüht, die Möblierung an einen solothurnischen Lieferanten zu vergeben», erklärt Bernhard Mäusli, Chef des kantonalen Hochbauamts, auf Anfrage. Bei den neuen Pulten für die 100 Kantonsräte, fünf Regierungsräte und neun weiteren Funktionsträger (Ratsleitung, Ratssekretär, Staatsschreiber) handle es sich um einen aussergewöhnlichen, komplexen Möbelbauauftrag. Geplant sind nicht 114 gleichartige einzelne Pulte, sondern 19 oval gebogene Pultreihen mit jeweils zwei bis 15 Sitzen und unterschiedlichen Radien.
Dazu brauche es einen Möbelbauer mit hoher Kapazität, sagt Mäusli. Beispielsweise sei eine grosse Halle für die Vorfabrikation erforderlich. Dazu komme der Termindruck, denn der Kantonsratssaal muss zwingend im November wieder für den Parlamentsbetrieb bereit sein.

Die einzige solothurnische Firma mit der nötigen Kapazität sei im zur Verfügung stehenden Zeitraum schon ausgelastet gewesen. Darum habe sich das Amt an den Schreinermeisterverband gewandt, sei letztlich aber im Kanton Solothurn nicht fündig geworden. «Wir haben alles daran gesetzt», betont Kantonsbaumeister Mäusli, hält aber auch fest: «Wir konnten keine Experimente eingehen, sondern brauchten zuverlässige Partner mit den notwendigen Referenzen für einen solchen Auftrag.» Das Ergebnis ist bekannt.

Bisher drei Aufträge auswärts ...

Ausser dem Auftrag für die Pulte im Betrag von 270 000 Franken nennt Mäusli auf Anfrage noch zwei weitere Teilaufträge zum Umbau des Kantonsratssaals, die ausserhalb des Kantons vergeben wurden: Die Sanierung des Kristalllüsters (Ersatz durch LED-Lampen) für 13 000 Franken ging an einen Spezialisten aus Luzern, und die Brandmeldeanlage bestellte der Kanton bei Siemens (Bern).

... aber das meiste innerkantonal

Alle andern bisher vergebenen Arbeiten gingen an Unternehmen aus dem Kanton Solothurn, erklärt der Chef des Hochbauamts. Im Einzelnen nennt er die Elektroinstallationen (Stark- und Schwachstrom, inklusive Apparate) für total rund 300 000 Franken), die Haustechnik (Lüftung, Wärme, Sanitär) für 160 000 Franken und die Video- und Beschallungsanlage für 290 000 Franken.

Noch sind längst nicht alle Aufträge vergeben. Für Solothurner Gewerbler gibt es im Kantonsratssaal noch einiges zu holen, auch für die Schreiner: Für allgemeine Schreinerarbeiten (Wandtäfer, Fenster, Türen) sind 50 000 Franken vorgesehen. Weiter gebraucht werden Bodenbeläge aus Holz für 15 000 Franken, doppelte Böden für 90 000 Franken oder Malerarbeiten für 170 000 Franken. Grössere Aufträge sind etwa die Voting-Anlage (für elektronische Abstimmungen) oder der so genannte Medienring, eine Deckenanlage aus Metall für Beamer, Beleuchtung und weitere Einrichtungen.

All diese Aufträge vergibt der Kanton im Verfahren auf Einladung, bei dem er mindestens drei Offerten einholt. «Von den noch offenen Aufträgen werden wir fast alle an Solothurner Unternehmen vergeben können», sagt Mäusli und wagt eine Prognose: «Vom gesamten Auftragsvolumen von rund 4,5 Mio. Franken werden höchstens 10 Prozent ausserhalb des Kantons gehen.»

Bei diesem Anteil werden sich die Volksvertreter/-innen mit Recht in einem echt solothurnischen Saal fühlen dürfen - auch wenns am einen oder andern Pultdeckel noch leicht nach «Bärendreck» riechen sollte.