Jetzt steht definitiv fest: Der Kanton Solothurn zahlt eine Stange Lehrgeld für ein zwar bezahltes, aber nie geliefertes Software-Upgrade seines elektronischen Grundbuches. Dies geht aus den am Donnerstag veröffentlichten Nachtragskrediten für das Jahr 2013 hervor, wo das Projekt abgeschrieben wird.

Heidi Pauli, Departementssekretärin im Finanzdepartement, bestätigt auf Anfrage, dass man sich 2013 aussergerichtlich mit dem Computerriesen geeinigt habe. Demnach erhält der Kanton von den bezahlten 2,2 Mio. 690 000 Franken von IBM zurück.

Der Rest muss abgeschrieben werden, obwohl der Kanton nie eine Gegenleistung erhalten hat. Schön sei das alles gewiss nicht, sagt Heidi Pauli. «Aber wir sind überzeugt, dass wir das Maximum herausgeholt haben.» Den rechtlichen Weg gegen IBM weiterzuverfolgen, hätte nicht dieses Ergebnis gebracht, ist Pauli überzeugt. - Das Projekt wurde übrigens noch vor ihrer Zeit angerissen.

Sechs Jahre vergeblich gewartet

Die Vorgeschichte legt ein Informatikdebakel offen: 2005 erteilte Solothurn gemeinsam mit den Partnerkantonen Zürich, Luzern, Zug und Schaffhausen sowie der Stadt Chur IBM den Auftrag, die Version 5 des in Solothurn, aber nicht etwa in Zürich bereits vorhandenen elektronischen Grundbuches Isov auf die Version 6 aufzurüsten.

1,7 Mio. Franken hat der Kantonsrat für das Projekt gesprochen. Drei Jahre später informierte IBM über einen Projektverzug und über höhere Kosten. Solothurn genehmigte nochmals einen Zusatzkredit über 540 000 Franken.

Doch weitere drei Jahre später, im Sommer 2011, hatte IBM zwar weiter am Projekt gearbeitet, aber noch immer keine funktionsfähige Anwendung geliefert. Die Kantone kündeten den Vertrag.

Seither stritt man miteinander, bis nun 2013 in den aussergerichtlichen Vergleichsverhandlungen eine Einigung erzielt wurde. Insgesamt erhält das Auftraggeberkonsortium von IBM 3,9 Mio. Franken zurück. Davon entfallen eben 690 000 Franken auf Solothurn.

Ab Stange statt Masskonfektion

Eine Lehre habe man ganz gewiss gezogen, sagt Heidi Pauli. Es sei besser, Software ab der Stange zu kaufen, als individuelle Software zu entwickeln. Heute werde dies so gemacht.

Beim elektronischen Grundbuch, für das der IBM-Deal gemacht wurde, setzt der Kanton heute auf ein Produkt der Berner Bedag. Das Programm Capitastra werde auf den Herbst hin eingeführt.

Alles laufe nach Plan, Probleme gebe es nicht, kann Heidi Pauli vermelden. Neun Jahre nachdem man mit der Planung begonnen hat, wird der Kanton also bald ein neues elektronisches Grundbuch haben.