Auf dem Platz beim Wylihof-Kreisel in Luterbach stehen geraumer Zeit mehrere Wohnwagen mit französischen Schildern. Das ist kein offizieller Standplatz, eine Alternative scheint es für die Fahrenden jedoch nicht zu geben. Alle Kantone sind zwar verpflichtet, ihnen einen offiziellen Standplatz zur Verfügung zu stellen. Die Suche nach solchen Plätzen ist jedoch ein allgemeines Problem, der Kanton Solothurn tut sich damit besonders schwer. Rolf Glünkin vom kantonalen Amt für Raumplanung erklärt, warum das so ist.

Der Standplatz in Attisholz auf dem südlichen Ex-Borregaardareal? «Dieser befindet sich in der Industriezone», erklärt Glünkin. Es könne deshalb nur eine Übergangslösung sein. Und der Platz im Deitinger Schachen? Stromleitungen, die Autobahn, das Gefängnis: auch dieser Standplatz wurde – diesmal aus der Sicht der Fahrenden – als unpassend eingestuft.
Obwohl der Kanton verpflichtet wäre, Standplätze zur Verfügung zu stellen, habe der Bund keine Sanktionsmöglichkeiten, um gegen den Kanton vorzugehen. Dieser tue sich mit der Suche nämlich ebenso schwer.

Vorurteile erschweren die Suche

Rolf Glünkin wirkt frustriert. Plätze gebe es genügend, das eigentliche Problem sei die negative Grundhaltung gegenüber Fahrenden. «Die nicht sesshafte Lebensform der Fahrenden ist vielen Menschen suspekt.» Minderheiten und Mehrheiten leben laut Glünkin oft in einem Spannungsfeld miteinander. Dazu komme, dass oft sämtliche nicht sesshaften Lebensformen in einen Topf geworfen würden.

Man müsse klar unterscheiden: «Wir suchen Plätze für Fahrende, eine vom Bund anerkannte ethnische Minderheit.» Oft verwechsle man sie aber mit den «Wagabunten» oder den ausländischen Roma (siehe Box). Besonders mit Letzteren seien einige Gemeinden in der Vergangenheit in Konflikt geraten. «Fahrende erzählen mir manchmal, dass sie unter dem eher schlechten Ruf der Roma leiden», sagt Glünkin.

Neue Suchstrategie soll helfen

Nun soll ein Büro dem Kanton bei der Suche unter die Arme greifen. Die neue Strategie klingt unspektakulär, könnte aber zum erhofften Erfolg führen. «Wir suchen nicht mehr nur auf Staatsland, sondern versuchen nun auch, mit privaten Grundbesitzern ins Gespräch zu kommen», so Glünkin. In Zukunft wolle man erst die Grundbesitzer anfragen, danach den Platz gemeinsam mit den Fahrenden beurteilen und erst dann das Gespräch mit den Gemeinden suchen. Man ziehe auch in Erwägung, das Grundstück aufzukaufen. «Das Konzept muss selbsttragend sein», erklärt Glünkin, was bedeute, dass anfallende Kosten durch Mieteinnahmen gedeckt werden sollen. Die richtige Kommunikation zwischen den Beteiligten sei essenziell – und laut Glünkin oft eine Gratwanderung.

Doch wie muss man sich die Suche nach einem Standplatz vorstellen? Einerseits orientiere man sich an Luftbildern und Zonenplänen. Zum Anderen führe der Kanton Befragungen und Gespräche mit Fahrenden durch, um so geeignete Plätze zu finden. Das Ziel sei, im Kanton Solothurn ein bis zwei definitive Standplätze für drei bis sechs Wohnwageneinheiten zu finden.

Vertröstende Worte oder ehrliche Zuversicht? Rolf Glünkin stellt klar: «Auch uns kostet die Suche Zeit und Geld.» Der Kanton sei genau so interessiert daran, möglichst bald geeignete Plätze zu finden. Finde man bis nächsten Winter keinen Standort, müsste man bei Anfragen wieder nach einer provisorischen Lösung suchen. «Aber ich bin zuversichtlich, dass sich mit der neuen Strategie bald eine Winterunterkunft für Fahrende finden wird.» Geduld sei gefragt.