Solothurn et les Welsches
«Der Kanton Solothurn ist ein wichtiger Nachbar für den Berner Jura»

Maxime Zuber regiert Moutier seit über zwanzig Jahren. Oberstes Ziel seiner Politik: der Wechsel des Städtchens vom Kanton Bern zum Jura. Dazu vernetzt sich der Sozialist in alle Richtungen – auch nach Solothurn und Grenchen.

Samuel Thomi
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Seit über zwanzig Jahren fest im Sattel: Maxime Zuber, Stadtpräsident von Moutier, vor dem Hôtel de Ville (Mitte). Die Berner Flagge weht schon länger nicht mehr.

Seit über zwanzig Jahren fest im Sattel: Maxime Zuber, Stadtpräsident von Moutier, vor dem Hôtel de Ville (Mitte). Die Berner Flagge weht schon länger nicht mehr.

Samuel Thomi

Wie denkt man hinter dem Berg über Solothurn und den Röstigraben? Ein prädestinierter Gesprächspartner dafür ist Maxime Zuber, seit zwei Jahrzehnten Stadtpräsident von Moutier. Bekannt vorab für seinen jahrzehntelangen Kampf zum Wechsel Moutiers von Bern zum Kanton Jura. Mit den Solothurnern engagiert er sich über die Sprachgrenze für den Erhalt respektive die Sanierung des Weissensteintunnels. Und mit dem Stapi von Grenchen versucht Zuber, nach über zwanzig Jahren Funkstille zwischen den Nachbarstädten wieder eine Beziehung aufzubauen.

Fürs Interview bittet Maxime Zuber in das schmucke Hôtel de Ville. Danach gefragt, wie er das Gespräch führen möchte, betont der 52-Jährige, dass er nichts gegen Deutschschweizer habe. Wenn schon er aber besser Englisch spreche. Doch eigentlich sei seine Zweitsprache Italienisch, da er mit einer Italienerin verheiratet ist. In Deutsch könne er sich leider zu wenig präzise ausdrücken.

Herr Zuber, Sie haben doch an der ETH in Zürich studiert, kokettieren immer wieder gern mit Ihrem Heimatort Günsberg SO, und spre chen trotzdem kein Deutsch?

(Lacht – und erklärt auf Französisch) Sehen Sie: Ich habe einen besonderen Bezug zur französischen Sprache. Damit die Sprache einer Minderheit respektiert wird, darf sich diese Minderheit im Alltag nicht schämen, ihre Sprache auch zu sprechen. Wenn ich im Grossen Rat in Bern sitze, verstehe ich die Debatte, sogar auf Schweizerdeutsch. Ich bedauere aber, dass die Vertreter des Berner Jura ihre Voten oft auf Deutsch halten. In einer Familie müssen doch alle ihre eigene Sprache sprechen dürfen.

Gut, dann führen wir den Rest des Gesprächs gern Französisch. (Die Fortsetzung dieses Gesprächs ist eine ebenfalls autorisierte deutsche Übersetzung) Wie ist das jetzt genau mit Günsberg?

Es stimmt, ich bin sehr stolz, Solothurner zu sein (lacht). Hinter dem Berg im Norden von Moutier bin ich geboren und aufgewachsen, auf der anderen Seite im Süden liegt mein Heimatort. Heute habe ich vor allem eine sportliche Verbindung: Oft fahre ich mit dem Velo auf den Balmberg und fahre in Günsberg vorbei – und dann zurück mit dem Zug.

Welche Bedeutung hat der Kanton Solothurn für den Berner Jura?

Dieser Kanton ist wichtig als Nachbar. Und wenn ich schon von Nachbar spreche, dann von der Grenze mit dem Berner Jura und den Verbindungsachsen. Verlassen Sie Moutier auf der Strasse, landen Sie im Solothurner Thal. Wenn Sie Moutier mit dem Zug verlassen, erreichen Sie Solothurn, was sehr wichtig ist für uns, oder fahren durch Grenchen nach Biel. Was die Wirtschaft betrifft, muss man unterstreichen, dass Solothurn ebenfalls zum Mikrotechnik- und Uhrmacher-Bogen gehört. Zudem gibt es grosse Unternehmen wie Eta die in Moutier und Grenchen produzieren.

Aber Hand aufs Herz: Wirklich tief sind die Verbindungen zwischen Berner Jura und Solothurn nicht, der Röstigraben – oder besser gesagt die Jurahöhen – sind schlicht eine zu grosse Sprachgrenze.

Das bedauere ich sehr! Wenn ich am Samstagvormittag einkaufen muss, gehe ich lieber nach Solothurn als Biel. Aber es stimmt, eigentlich sind die Verbindungen nicht so tief. Ausser die Interessen überschneiden sich wie etwa beim Zug: Die Solothurner kämpfen sehr engagiert für den Erhalt der Linie Moutier – Solothurn. Man stelle sich vor, die Berner würden sich so stark für diesen Zug einsetzen. Es gibt aber verschiedene Themen, wo man gemeinsame Interessen der französischsprachigen Bernjurassier und dem Kanton Solothurn stärker entwickeln könnte.

Spielt dabei auch eine Rolle, dass in den 70er-Jahren wie auch in den letzten Jahren in Solothurn immer wieder geheime Verhandlungen stattfanden zur Beilegung des Jurakonflikts?

Woher wissen Sie das?

Das habe ich bei meinen Recherchen gehört.

Nun gut, das ist eine sehr gute Frage : Wenn ich mit den Bernern über ein heikles Thema sprechen muss – ich sage aber nicht mit wem – dann ist das wohl einfacher auf neutralem Grund in Solothurn. Wir hatten solche Besprechungen schon oft und sie dauern bis heute an. Auf der politischen und diplomatischen Ebene glaube ich ja, das ist sehr wichtig. Aber nicht im täglichen Leben, obwohl die Verbindungen des Berner Jura zum Kanton Solothurn stärker sind als zu anderen Kantonen.

Anders als Bern hält sich Solothurn – trotz der in der Verfassung verankerten Brückenfunktion – in der Sprachenfrage im Alltag stark zurück. Wünschen Sie sich ein grösseres Engagement?

Es trifft zu, dass sich der Kanton Solothurn in der Sprachenfrage eher zurückhält. Aber sie werden ihre Gründe dafür haben.

Dennoch bezeichnet die Geschäftsführerin der CH Stiftung Solothurn als den «frankophilsten Kanton der Deutschschweiz». Sehen Sie das auch so?

Ja, das glaube ich auch. Letzte Woche trat ich an einer Demonstration für den Erhalt des Weissensteintunnels in Gänsbrunnen auf. Zuerst sagte ich zwei Worte auf Deutsch, dann sprach ich Französisch und man hat mir applaudiert. Die Solothurner empfinden das als normal.

Kurz zusammengefasst: Zuerst kommt der Jura, und dann lieber Solothurn als Bern?

Auf mich trifft das zu! (Lacht) Und wenn sie mich nach der Meinung der Autonomisten fragen, finden diese den Kanton Solothurn ganz sicher viel sympathischer als den Kanton Bern.

Herr Zuber, Sie sind seit 21 Jahren Stadtpräsident von Moutier, und noch nicht amtsmüde?

Nein. Überhaupt muss ich sagen, früher war die Politik schwieriger und anstrengender. Zu Beginn, als ich als 32-Jähriger gewählt wurde, hatte ich keine Erfahrung wie man eine Stadt regiert. Und jetzt, wo ich darin 20 Jahre Erfahrung habe, kann ich mir auch mal sagen, man hat schon vieles gesehen und ich kann daraus lernen neue Probleme zu lösen.

Was beschäftigt hier, hinter dem Weissenstein und Grenchenberg, die Politik?

Generell beschäftigt die Leute die Frage, wie sich diese Region, die eine lange industrielle Tradition und gute Rahmenbedingungen hat, weiter entwickeln kann, um auch in Zukunft wirtschaftlich eine gute Ausgangslage zu haben. Diese Bedingungen betreffen verschiedenste Bereiche von der Energieversorgung bis zur Währungssituation.

Besonders wichtig für uns sind natürlich auch Verkehrsfragen. Noch kreuzen sich in Moutier zwei Achsen, jene aus dem Jura nach Solothurn und jene von Basel nach Genf. Und hier hört man, dass die SBB die Strecke via Olten bevorzugen wollen. Für uns wäre das sehr schlimm. Aber eigentlich sind beide Achsen für uns sehr wichtig. Und zwar für die Pendler, die auswärts arbeiten gehen wollen, ebenso wie für Kunden und Touristen. Kommt hinzu, dass die Strecken wichtige Verbindungen sind zwischen der West- und der Deutschschweiz.

Sie sind Separatist und Sozialist. – Was ist in Moutier eigentlich wichtiger?

Es gibt keine Wahl zwischen dem Einen und Anderen. Philosophisch betrachtet, was macht einen Sozialisten aus? Dass er dem Einzelnen die Mittel gibt um autonom und unabhängig zu sein. Und ja, diese Autonomie, sie unterstützt den Sozialisten, der ich bin, darin, sich vom Kanton Bern loszusagen. Das passt perfekt zueinander. Und ich selbst, das muss ich klar sagen, stelle mir nicht jeden Tag die Frage, bin ich heute nun Separatist oder Sozialist.

Seit 13 Jahren sind Sie zudem Berner Grossrat und politisieren als Autonomist – deren Präsident sie auch seit Jahren sind – in Bern in der SP-Fraktion. Sie können also, als Mitglied der SP Schweiz aber nicht der SP Kanton Bern, trotz Jurakonflikt gut mit den Berner Genossen zusammenarbeiten?

Mir war immer klar, es gibt zwei Möglichkeiten: Derzeit sind die Verhältnisse, wie sie sind, und man nimmt teil am Geschehen, und versucht aktiv das Leben für meine welschen Mitbürger zu verbessern. Oder man sagt Nein, wehrt sich gegen alles aus Bern, und nimmt nicht am Geschehen teil. Als Berner Grossrat habe ich hunderte Vorstösse eingereicht. Ich denke aber, nur etwa zehn Prozent der Fragen betrafen den Jurakonflikt.

Immerhin wird Ihre Stadt ja wohl in ein paar Jahren den Kanton wechseln?

Sehr wahrscheinlich ! – Das sagt man doch so auf Deutsch? (lacht – über seine spontane deutsche Antwort. Doch dann fährt er wieder Französisch fort:) Aber das wird nicht so einfach wie man jetzt denkt. Es wartet noch viel Überzeugungsarbeit auf uns. Die Leute haben Angst vor Veränderungen. Auch wenn es viel Sympathie gibt für die Idee. In zwei Jahren, im Juni 2017, werden wir abstimmen.

Was hätte Moutier davon?

Unser politisches Gewicht beispielsweise würde sich verzehnfachen. Seit 2011 haben wir keine Vertretung mehr im Bundeshaus; nach Jean-Pierre Graber ist wieder fertig (Anm. d. Redaktion: Nach seiner Abwahl 2011 rutschte der SVPler 2015 nach, tritt aber am 18. Oktober nicht zur Wiederwahl an). Im Kanton Jura stellten wir vier Sitze. Und aus Moutier stellen wir derzeit im Grossen Rat zwei Vertreter; in einem jurassischen Kantonsparlament hätten wir zehn. Das ist ein bisschen wie an der Börse, wenn sich Ihre Aktien zehnfach vervielfachen. Und dann ist schlicht die Nähe: Heute ist es Bern, später Delsberg.

Bislang profitierte Moutier und der ganze Berner Jura als Randregion jedoch stark vom Kanton Bern?

Nein, weil wir jetzt eine Randregion sind im ganz grossen Kanton Bern. Aber im Kanton Jura wären wir dies nicht mehr. Wenn wir jetzt Berns 25. grösste Stadt sind, wären wir im Kanton Jura die zweitgrösste Stadt.

In den vergangenen Wochen und Monaten wurde nebst Morgarten und Marignano auch viel über den Wiener Kongress 1815 geschrieben. Dabei wurde nebenbei der Berner Jura dem Kanton Bern zugeschlagen – ohne Freude auf beiden Seiten. Gefeiert haben Sie dieses 200-Jahr-Jubiläum wohl kaum – wie auch sonst niemand. Und beweint?

Für alle Jurassier ist der Wiener Kongress ein schlechtes Datum. In anständigen Worten gesagt: Man behandelte die Jurassierinnen und Jurassier am Grünen Tisch wie ein Stück Geld. Man nahm die Karte und hat sie Bern zugeteilt. Ohne nachfrage oder demokratischen Einbezug. Dabei sind wir Welschen ein bisschen wie die Italiener und Römer: Wir sprechen lieber über siegreiche Jahrzahlen.

Als Student trafen Sie Roland Béguelin, den Vater der autonomistischen Bewegung. Sie durften später auch seinen Sarg zum Grab tragen. Woher diese Feuer für die Unabhängigkeit?

Das ist eine lange Geschichte. Aber kurz: Ich habe den Eindruck, dass man meine Heimat in zwei Teile zerschnitten hat. Ich habe in einem Dorf gewohnt, im Amtsbezirk Moutier, das zum Jura gewechselt hat, und die Stadt Moutier blieb bernisch. Ich finde das eine politische und historische Ungerechtigkeit. Meine Eltern traf das sehr stark, besonders meine Mutter weinte. Und diese Ungerechtigkeit wollte ich immer korrigieren.

Worum geht es denn eigentlich bei der Unabhängigkeit von Bern? Um Identität, Einfluss?

Beide!

Oder geht es um Religion? Der Nordjura ist katholischen, der Südjura – inklusive Berner Jura – reformiert.

Nun gut, heute dürfte die Religion keine Rolle mehr spielen! Aber klar, für einige ist das immer noch so. Ich bedauere das, weil es keine Frage der Religion ist.

Trotz all dieser Vorteile und Unterschiede, glauben Sie, würde Moutier vom Kanton Jura mit offenen Armen empfangen?

Auf jeden Fall. Es gibt keine Differenzen. Die Jurassierinnen und Jurassier haben die Frage 2013 ja bereits mit Ja beantwortet.

Und damit würde ein für allemal ein Schlussstrich unter den Jurakonflikt gezogen? Abgesehen von einigen Nachbargemeinden von Moutier, die eventuell ebenfalls noch wechseln dürften, haben sich die übrigen Gemeinden des Berner Jura ja 1975 und 2013 für den Verbleib bei Bern entschieden.

Wahrscheinlich wäre die Frage für eine Generation gelöst. Es ist jedoch nicht an mir darüber zu urteilen, was unsere Kinder und Grosskinder dereinst darüber denken werden. Wir leben ja in einem Land mit einer sehr starken politischen Tradition. Und darum ist in der Schweiz nie etwas definitiv.

Eine letzte Frage zum Jurakonflikt, schliesslich wollten wir ja über Sprachgrenzen reden: Ich werde den Verdacht nicht los, das Thema beschäftige heute die Jugendlichen nicht mehr so wie Sie damals. Nebst dem Stadtpräsidium sind Sie ja auch Gymnasiallehrer für Mathematik und haben viel mit jungen zu tun: Werden Sie da belächelt?

Ich denke nicht (lacht und denkt nach). Man muss unterscheiden zwischen der Sprache als Identität und zur täglichen Verständigung der Menschen. Ich bin stolz aufs Französisch weil dies Teil meiner Identität ist. Ich bin aber ebenso stolz dass ich mich in einer anderen Sprache ausdrücken kann um mit fremden Menschen zu kommunizieren. Die heutigen Jungen sind sprachlich wie die Identität betreffend sensibilisiert, obwohl sie sich auch für die Welt öffnen. Darum muss man die Sprachen gut beherrschen. Täglich sage ich meinen Kindern und Schülern, wie wichtig Sprachkenntnisse sind – noch wichtiger als technische Fähigkeiten und Informatikkenntnisse.

Privat wagen Sie sich regelmässig über den Röstigraben, nicht nur nach Bern zu den Grossrats-Sessionen, sondern etwa auch an den Wochenmäret. Wann waren Sie das letzte Mal in Solothurn?

Im Kanton Solothurn war ich vorgestern. Und in der Stadt Solothurn ein paar Tage zuvor. Ich habe schon meinem Amtskollege Stadtpräsident François Scheidegger gesagt, oft fährt man bei ihm vorbei um nach Biel oder Bern zu gelangen. Es stimmt also, dass man zu selten anhält, ausser die Arbeitenden.

Moutier liegt zwar ab vom Schuss mitten im Jura, umgekehrt betrachtet aber auch bestens erreichbar aus Bern, Biel, Basel und bald – mit dem Anschluss an den TGV Rhein-Rhone in Belfort-Montbéliard – in etwa 3 Stunden von Paris. Eigentlich alles andere als eine Randregion?

Gut, welche Region auf der Welt kann von sich sagen, dass man drei Flughäfen in je einer Stunde erreichen kann? Welche Stadt auf der Welt kann sich gratulieren zu zwei wichtigen Zugachsen?

Dennoch wollen Sie nun nach über 20 Jahren Funkstille die Beziehungen über den Röstigraben mit Grenchen vertiefen. Was erhoffen Sie sich davon?

Die Beziehung muss zuerst auf gegenseitigem persönlichem Vertrauen unter den Stadtpräsidenten wachsen. Der Ansatz meines Amtskollegen Françoise Scheidegger hat mich sehr berührt. Mögliche Formen der Zusammenarbeit zwischen den zwei Städten gibt es viele; praktischer Art oder eher theoretisch in Form von gegenseitigem Austausch.

Konkret schlägt François Scheidegger vor, in einem ersten Schritt Lehrlinge der Grenchner Stadtverwaltung ein paar Wochen zu Ihnen zu schicken: Was halten Sie davon?

Auf jeden Fall finde auch ich das eine ausgezeichnete Idee! Wie beim Tunnel oder kulturell gibt es viele weitere Möglichkeiten wo ich mir ebenfalls eine Zusammenarbeit vorstellen kann. Das Datum für einen offiziellen Gegenbesuch der Grenchner in Moutier steht zwar noch nicht; ich habe sie aber schon mal eingeladen zur Braderie in Moutier vom 28. bis 30 August (Anm. d. Redaktion: das jährliche Stadt- und Marktfest).

Und doch bleibt der Grenchenberg eine schier unüberwindbare Sprachgrenze; erst recht seit 100 Jahren, als der Grenchenbergtunnel eröffnet wurde, und man seither noch schneller wieder zu Hause ist von der Arbeit. Verschwindet das Französisch bald vom Jurasüdfuss?

Ich weiss nicht, wie viele Leute heute in Grenchen Französisch sprechen. Die Tatsache aber, dass der Grenchenberg auch eine Sprachgrenze ist, das ist einfach Realität, und das ist auch gar nicht schlimm. Was wichtig ist, dass man trotz dieser Grenze miteinander spricht. Was da nun zwischen den zwei Stadtpräsidenten entsteht, ist ein wichtiges Beispiel.

Apropos Sprachgrenze: Sie wurden auch schon an den Solothurner Literaturtagen gesichtet. Also verstehen sie doch etwas mehr Deutsch als Eingangs dieses Gesprächs erwähnt?

(Lacht überrascht) Aber sicher! Ich bin ja kein Deutsch-Hasser. Um meine Position zu verstehen, muss man wissen, dass ich auch eine Verantwortung gegenüber meiner Sprache habe. Das bedeutet jedoch nicht, dass ich ein Autist bin, und kein Deutsch verstehe. Deutsche Literaten – Goethe, Schiller, Böll – sind für mich extrem bereichernde Persönlichkeiten. Das ist eine tiefe Kultur, die mich auch interessiert. Ich sehe nicht ein, weshalb der autonomistische separatistische frankophone Stadtpräsident von Moutier nicht auch für die deutsche Kultur offen sein sollte. Sich für eine fremde Kultur zu öffnen, bedeutet aber nicht, die eigene Kultur zu verlieren.