Wer auf der Autobahn A1 oder A5 durchs Mittelland fährt, wird an drei Stellen beim Übertritt in den Kanton Solothurn begrüsst. Auf der Höhe von Grenchen, Recherswil und Olten stehen Tafeln, viereinhalb Meter breit und dreieinhalb hoch, mit je einem Foto aus der Region und der Aufschrift «Kanton Solothurn – Willkommen». Natürlich sollen die Reisenden nicht nur begrüsst, sondern auch gluschtig auf einen Besuch in der Region gemacht werden.
Vor gut zwei Jahren ist diese touristische Massnahme realisiert worden. Was hat sie gebracht?

Zuerst tönt es unisono in Olten, Solothurn und Grenchen: «Wir sind glücklich darüber, dass die Tafeln endlich aufgestellt werden konnten.» Endlich deshalb, weil die Tourismusverantwortlichen mehr als zwei Jahrzehnte dafür kämpfen mussten. Was die Tafeln konkret für den Tourismus gebracht haben, lasse sich nicht in Zahlen fassen, erklärt Jürgen Hofer, als Direktor von Region Solothurn Tourismus war er in der Realisationsphase federführend. «Die Tafeln haben ganz bestimmt eine positive Wirkung, davon bin ich überzeugt», betont er.

Olten mit Solothurn verwechselt

Wie glücklich aber ist man mit den Fotosujets auf den Tafeln? Denn geworben wird für den Kanton Solothurn, zu sehen sind aber eine Silhouette von Grenchen mit Alpenpanorama sowie Ansichten der Altstädte Solothurn und Olten. «Man zeigt, was man hat», sagt Jürgen Hofer, «und die Altstädte haben nun einmal ein stark ausgeprägtes Gesicht, das man sich im Vorbeifahren merken und erkennen kann.» Oder auch nicht, wie Reaktionen aus Olten zeigen: Stefan Ulrich, Geschäftsführer von Olten Tourismus, berichtet nämlich von Leuten, die nachgefragt haben, warum man bei Olten ein Bild der Altstadt von Solothurn präsentiere. «Die Leute liessen sich offenbar von der Dominanz der Aare im Vordergrund irritieren.» Aber letztlich seien das einzelne Aussagen und spielten weniger eine Rolle. Die Hauptsache sei, dass für den Kanton Solothurn geworben wird. Lieber wäre ihm, wenn die Willkommenstafel nicht erst nach der Ausfahrt fürs Abzweigen nach Olten stehen würde. Doch vor jener Ausfahrt ist erstens Aargauer Hoheitsgebiet und zweitens gibts dort genügend Verkehrsschilder, auf die sich der Autofahrer konzentrieren muss.

Alpen im Dunst

Auch in Grenchen hätte man sich einen besseren Standort für die Tafel gewünscht als jenen nach dem Witi-Tunnel zwischen Aus- und Einfahrt zur Autobahn. Doch hier, wie bei allen anderen Standorten auch, sind die Vorschriften des Bundesamtes für Strassen massgebend. Und wer hat entschieden, dass auf dem Foto nicht eine repräsentative Ansicht von Grenchen zu sehen ist? «Weil wir eine solche nicht haben», antwortet Stadtpräsident François Scheidegger. «Und ein anderes Sujet wie etwa das Velodrome war nicht erwünscht.» So habe man eine Aufnahme ausgewählt mit Sicht auf die Stadt mit seiner schönen Lage fürs Wohnen, die Aarelandschaft und die Alpen, passend zum Slogan «Grenchen, Technologiestadt im Grünen». Schade nur, dass dieses Sujet im Vorbeifahren nicht erkennbar ist. Die Silhouette der Stadt verschwindet in der Weite und das Alpenpanorama im Dunst. «Ja, da wäre wohl weniger mehr gewesen», sagt Scheidegger, «vielleicht hätte man den Bildausschnitt etwas enger fassen müssen.»

Auswärtige Fotografin engagiert

Die Bilder hat die Fotografin Nadja Frey aus Hinterkappelen aufgenommen. Warum wurden keine Fotografen, bzw. Fotografinnen vor Ort berücksichtigt? Die hätten bestimmt ebenso passende Sujets in ihrem Portfolio gehabt. Oder auch welche neu aufgenommen, und zwar in genau jenem Licht, die das Sujet optimal zur Geltung bringt. Das weiss auch Jürgen Hofer. «Der Entscheid, jemanden von auswärts zu engagieren, war ein politischer», erklärt er. «Denn für wen wir uns auch entschieden hätten, es wäre immer der falsche gewesen.» Auch wenn es nicht ganz gelungen sei, alles für alle ins rechte Licht zu rücken, sagt Hofer: «Die Tatsache, dass der Kanton Solothurn an den Zufahrtstrassen eine Visitenkarte präsentieren kann, ist viel mehr wert.»