Bildung
Der Kanton Solothurn hinkt bei den Stipendien hinterher

Eine Initiative will die Ausbildungsbeiträge in allen Kantonen harmonisieren. Egal, ob das Volk dazu Ja oder Nein sagt: Im Kanton Solothurn wird sich die Lage von Grund auf ändern.

Sven Altermatt
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Studierende werden in der Schweiz sehr unterschiedlich von ihren Heimatkantonen unterstützt.

Studierende werden in der Schweiz sehr unterschiedlich von ihren Heimatkantonen unterstützt.

Keystone

Ein Studium ist teuer. Die Gebühren der Hochschule müssen bezahlt werden, die Verpflegung und das Zimmer auch. Nicht alle haben das Geld dazu. Ein staatliches Stipendium vereinfacht die Finanzierung.

Doch wer hat überhaupt Chancen auf einen Zuschuss? Und wie viel Geld gibt es bei einem Stipendium? Diese Fragen will der Verband der Schweizer Studierendenschaften mit seiner Stipendieninitiative auf eidgenössischer Ebene regeln. Die Vorlage kommt am 14. Juni vors Volk.

Noch ist jeder Kanton selbst für die Vergabe von Stipendien verantwortlich. Die Unterschiede sind teilweise riesig. Manche Kantone zahlen wenig Geld an viele Studenten, andere berücksichtigen wenige Studenten mit viel Geld. Der Kanton Solothurn bewegt sich irgendwo dazwischen:

  • 6568 Franken pro Jahr erhalten Solothurner Studierende im Durchschnitt. Im schweizweiten Mittel sind es derweil 6780 Franken.
  • Der Anteil der Bezüger an der Wohnbevölkerung liegt bei 0,44 Prozent und damit klar unter dem nationalen Durchschnitt von 0,57 Prozent.
  • Deutlich kleiner ist auch der Betrag pro Kopf der Bevölkerung: 29 Franken beträgt er im Solothurnischen – 10 Franken unter dem Mittelwert.

Die Zahlen stammen aus dem Jahr 2013. Damals flossen insgesamt 7,48 Millionen Franken an Solothurner Studenten. 2014 waren es 30'000 Franken mehr als im Vorjahr, wie provisorische Angaben des kantonalen Bildungsdepartements zeigen. Rund 800'000 Franken übernahm jeweils der Bund.

Die meisten Darlehen in Solothurn

82 Prozent beträgt der Anteil der Stipendien an den ausbezahlten Ausbildungsbeiträgen im Kanton Solothurn. Die restlichen 18 Prozent entfallen auf Darlehen, die zurückgezahlt werden müssen. Nirgendwo in der Schweiz ist der Anteil der Darlehen höher als in Solothurn. Im landesweiten Schnitt liegt dieser gerade einmal bei 5 Prozent.

Das Bildungsdepartement schreibt: «Darlehen können gewährt werden, wenn die Stipendien nicht ausreichen oder der Bewerber wegen seiner Verhältnisse keine Stipendien erhält.» Innert acht Jahren nach dem Abschluss der Ausbildung müssen die Darlehen dem Kanton zurückerstattet werden. Die ersten vier Jahre sind zinsfrei.

«Wir sind im unteren Mittelfeld angesiedelt», bestätigt Adriano Vella vom Bildungsdepartement. Allerdings dürfe man nicht vergessen, dass Solothurn vor wenigen Jahren noch das Schlusslicht gebildet habe. Der Kantonsrat erhöhte 2008 die Bemessungsgrundsätze, nachdem diese seit 1991 nur noch gesenkt worden waren.

Der Kantönligeist herrscht

Eines gilt grundsätzlich überall: Studierende werden nur unterstützt, wenn ihre Eltern nicht in der Lage sind, die Ausbildung zu finanzieren. Stipendienbezüger müssen zudem selbst einen Beitrag für Ausbildung und Lebensunterhalt leisten. Ansonsten spielt es an Schweizer Hochschulen bis heute eine Rolle, woher ein Student kommt. Nebst der sozialen Herkunft beeinflusst auch der Wohnkanton seine Chancen.

Die Höhe der Beiträge orientiert sich nur an der Situation im Heimatkanton. Pech hat, wer in einem Kanton mit höheren Lebenshaltungskosten studiert. Oder anders gesagt: Der Kantönligeist hat das Stipendienwesen fest im Griff.

Diesen Wirrwarr will die Stipendien-Initiative nun beenden. Bildung soll für alle unter den gleichen Bedingungen zugänglich sein, fordern die Initianten. Sie wollen, dass die Ausbildungsbeiträge harmonisiert werden. Studenten sei ein «minimaler Lebensstandard» zu gewähren.

Es wird teuer für den Kanton

Stipendieninitiative: Das wollen die Parteien

Das Stipendienwesen ist kantonal geregelt. Um dieses schweizweit zu vereinheitlichen, ist eine Volksinitiative zur Harmonisierung lanciert worden. Die Solothurner FDP und die SVP sagen Nein zur Initiative, die am 14. Juni vors Volk kommt. Die anderen Parteien haben ihre Parole noch nicht gefasst. SP und Grüne werden voraussichtlich wie ihre Mutterparteien für ein Ja votieren, bei CVP, BDP und GLP ist eine Nein-Empfehlung zu erwarten. An vorderster Front kämpft die Studierendenorganisation der Fachhochschule Nordwestschweiz für die Initiative.

Der Bund will allfällige Mehrausgaben in anderen Bildungsbereichen kompensieren. Vella geht davon aus, dass dies auf Kosten der Kantone gehen würde.

Muss Solothurn ins Konkordat?

Egal, ob die Stipendieninitative angenommen wird oder nicht: Der Kanton Solothurn steht ohnehin unter Druck. Wird die Initiative abgelehnt, tritt ein indirekter Gegenvorschlag in Kraft. Auch in diesem Fall würde sich die Ausgangslage von Grund auf ändern.

Bundesbeiträge gibt es künftig nur noch für Kantone, die sich an die Vorgaben des sogenannten Stipendienkonkordats halten. Es regelt Fragen wie: Wer bekommt ein Stipendium und wie lange wird es bezahlt? 16 Kantone sind dem Konkordat beigetreten. Der Solothurner Kantonsrat hat dies 2013 deutlich abgelehnt.

Eine Annäherung könnte nun unumgänglich werden. Und so schlimm, wie von manchen befürchtet, ist das womöglich gar nicht. Denn gemäss Adriano Vella hält sich Solothurn «bereits weitgehend an das Konkordat».

Will der Kanton weiterhin Bundesbeiträge beziehen, müsste er den Bezügerkreis für Stipendien ausdehnen. Profitieren würden Ausländer, die seit mindestens fünf Jahren aufenthaltsberechtigt sind. Das Bildungsdepartement schätzt die zusätzlichen Kosten auf jährlich 300'000 Franken.

Der Kanton könnte die Bestimmungen auch anpassen, ohne dem Konkordat beizutreten. In den Augen von Vella ist das aber kaum sinnvoll: «Wenn Solothurn mitreden will, wäre ein Beitritt wohl die beste Lösung.» Das letzte Wort hat der Kantonsrat. Ob das Parlament in Zeiten des Sparens auf seinen Beschluss von 2013 zurückkommt, ist jedoch fraglich. Der Beitritt zum Konkordat wurde bereits damals aus finanziellen Gründen verworfen.