Steuerbelastung

Der Kanton Solothurn — Die amtlich bestätigte Steuerhölle

Trübe Aussichten: Wer im Kanton Solothurn wohnt, bezahlt rund 60 Prozent mehr Steuern als der Schweizer Durchschnitt

Trübe Aussichten: Wer im Kanton Solothurn wohnt, bezahlt rund 60 Prozent mehr Steuern als der Schweizer Durchschnitt

Eine neue Studie zeigt, wie aussergewöhnlich hoch die Steuerbelastung im Kanton ist. Sie liegt schweizweit auf dem letzten Platz. Ein kleiner Trost, der nur wenige betrifft: Je vermögender einer ist, umso besser kommt er davon.

So grau wie der Nebel über der Aare hängt, so trüb dürfte das Solothurner Gemüt sein, wenn die Steuerrechnung ins Haus flattert. Der Kanton Solothurn ist eine Steuerhölle. Das ist jetzt (einmal mehr) quasi amtlich bewiesen worden; und zwar in Zürich. Dort nämlich, in der Schweizer Wirtschaftsmetropole, schreibt die Politik das Wort Wettbewerbsfähigkeit gross. Auf Geheiss des Parlaments lässt die Zürcher Finanzdirektion jährlich eine Steuerstudie erstellen. Man will wissen, wie gut der Kanton Zürich im interkantonalen Steuervergleich dasteht.

Es trifft die Ledigen . . .

Jetzt ist die neuste Studie publiziert worden, basierend auf Zahlen aus dem Jahr 2016. Und Solothurn steht – bei der Einkommensbelastung natürlicher Personen – einmal mehr auf dem letzten Platz aller Kantone. Wer in Solothurn wohnt, liegt beim BAK-Gesamtindex der Einkommensbelastung rund 60 Prozent über dem Durchschnittsschweizer. Wer dagegen in Zug wohnt, wird rund 60 Prozent weniger stark belastet als der Schnitt. Einberechnet sind Kantons-, Gemeinde und Kirchensteuern.
Die Studie zeigt: Besonders die tieferen Einkommen und der Mittelstandwerden im Kanton ungebührlich hoch besteuert.

Da sind zum einen die Ledigen: Wer nicht verheiratet ist und 30'000 Franken Bruttoeinkommen hat, der zahlt in keinem anderen Kanton mehr Steuern. Und auch Ledige, die 60'000 oder 100'000 Franken versteuern, zahlen gerade einmal in den Kantonen Neuenburg und Jura mehr. Etwas besser da steht Solothurn bei den besser verdienenden Alleinstehenden: Bei 200'000 Franken Bruttoarbeitseinkommen liegt der Kanton auf Platz 19 unter den 26 Kantonen, bei 1 Million Franken Einkommen liegt Solothurn dann auf Platz 16.

... ebenso wie die Familien

Zum anderen sind da die Familien in den tieferen und mittleren Einkommensrängen. Ihnen geht es nicht besser als den Ledigen. Solothurn steht hier auch am Schluss, jedenfalls bei 60'000 Franken Bruttoarbeitseinkommen. Bei 30'000 oder 100'0000 Franken ist es der drittletzte Rang. Es braucht schon rund 200'000 Franken oder mehr Einkommen, damit der Kanton einige wenige Plätze gutmachen kann.

Diese Belastung belegen auch Zahlen des kantonalen Steueramtes. Ein Extrembeispiel: Verheiratete mit zwei Kindern zahlen hier bei 45'000 Franken Bruttoarbeitseinkommen viermal so viel wie der Schweizer Schnitt. Dieselbe Familie zahlt bei 60'000 Franken Bruttoeinkommen noch immer 350 Prozent des Schweizer Durchschnittes.

Spitzenplatz bei Vermögen

Punkten kann Solothurn allerdings bei den Vermögenssteuern. Hier liegt der Kanton schweizweit auf Platz fünf, hinter Tiefsteuerkantonen wie Schwyz (Platz 1), Zug (2), Uri und Thurgau. Vermögende zahlen im Kanton rund 40 Prozent weniger als im Schweizer Schnitt. Besser als bei den natürlichen Personen steht Solothurn auch in Sachen Reingewinn- und Kapitalbelastung von Aktiengesellschaften da. Auf den Kantonshauptort bezogen, steht Solothurn da auf Platz 17 aller Kantone.

Dafür günstigere Wohnungen?

Im Abspann ihrer Studie schreiben die Zürcher dann etwas, was man in Solothurn als Balsam auf die steuergeplagte Seele sehen dürfte. Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit seien nicht nur von der Steuerbelastung abhängig, heisst es. «Viele weitere Faktoren spielen dabei eine häufig wesentlich wichtigere Rolle.» Dazu gehörten die Lebensqualität, die Lebenshaltungskosten oder die Verfügbarkeit von attraktiven Arbeitsplätzen. Immerhin: In der Steuervorlage 17 plant der Kanton, die tieferen Einkommen steuerlich zu entlasten.

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