Auftrag
Der Kanton soll besser zu seiner Kunst schauen

Einen Auftrag des FDP-Kantonsrat Urs Unterlerchner, Kunstwerke im Besitz des Kantons Solothurn besser zu unterhalten, wurde vom Regierungsrat als erheblich erklärt. Doch wie das konkret zu geschehen hat, sagt er (noch) nicht.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Das «objet soleure» auf der Terrasse der Pädagogischen Hochschule Solothurn.

Das «objet soleure» auf der Terrasse der Pädagogischen Hochschule Solothurn.

Hanspeter Bärtschi

Der Kanton Solothurn ist voll mit künstlerischem Schmuck. Einerseits sind im Innern so mancher Amtsstube Kunstwerke, angekauft vom Kantonalen Kuratorium für Kulturförderung zu finden; andererseits wird laut Kulturförderungs-Gesetz allen öffentlichen Bauten ein künstlerischer Schmuck beigestellt.

Nun sind aber auch zeitgenössische Kunstwerke der Witterung ausgesetzt. Tragische Beispiele, die einen Notstand in dieser Sache augenfällig machten, sind die beiden Monumentalplastiken von Robert Müller und von Schang Hutter.

Müllers Plastik «objet soleure» bei der FH Pädagogik stehend, musste ebenfalls wie Schang Hutters himmelragende 22 Meter hohe «Figur» bei der Kantonsschule Solothurn abmontiert werden (siehe Fotos).

Zur Demontage der Skulptur ist ein Kran nötig.
7 Bilder
Statiker Urs Emch begleitet die Demontage.
Schnee und Kälte beeinflussten die Abbauarbeiten nicht, sagt Emch.
Abbau der Eisenplastik von Schang Hutter vor der Kantonsschule Solothurn
Das Lösen der Schrauben birgt die Gefahr, dass die Elemente zu schwingen beginnen und das Schulgebäude treffen.
Der rostige Riss auf der rechten Seite zeigt die Folgen des Wasser, das sich im Stamm gesammelt und durch die Kälte ausgedehnt hat.

Zur Demontage der Skulptur ist ein Kran nötig.

ckk

Pflege und Unterhalt gefordert

Dank intensiver privater Engagements von Solothurner Kunstinteressierten konnte Müllers Skulptur mit einer 120'000 Franken teuren Restauration gerettet werden. Sie steht wieder an ihrem Platz, finanziert durch das Hochbauamt. Bei Schang Hutters Skulptur sind 75'000 Franken für die Restauration veranschlagt. Noch steht sie nicht wieder an ihrem Platz, doch bald soll es soweit sein.

Solche Beispiele waren nun der Anlass für den Auftrag an den Regierungsrat von FDP-Kantonsrat Urs Unterlerchner: «Kunst am Bau braucht – wie die dazugehörenden Bauwerke – kontinuierliche Pflege und Unterhalt. Zahlreiche Kunstwerke sind inzwischen in die Jahre gekommen, sodass sie restauriert und instand gesetzt werden müssen. Eine Regelung, wie mit Kunstwerken umgegangen wird, ist nötig», schreibt er. Mit Unterlerchner haben 19 weitere Kantonsräte unterzeichnet.

Heute zwei Ämter involviert

Der Regierungsrat stellt in seiner Antwort fest, dass es innerhalb der Kantonsverwaltung verschiedene Amtsstellen gebe, welche sich um den Unterhalt von Kunstwerken im öffentlichen Raum beschäftigen. «Das Amt für Kultur und Sport AKS verwaltet das Inventar und das Depot, und sorgt für den fachlichen Unterhalt beschädigter Kunstwerke. Es finanziert im Rahmen der bewilligten Kredite den Unterhalt der Kunstwerke, die im Rahmen der Kuratoriumstätigkeit aus Ausstellungen und Ateliers gekauft werden.»

Das Hochbauamt hingegen sei zuständig für die Finanzierung der Unterhaltsaufwendungen für Kunstwerke, die im Rahmen von Projekten zur künstlerischen Ausschmückung staatlicher Bauten geschaffen worden seien.

Die Zusammenarbeit der beiden Ämter sei im Jahr 2010 in groben Zügen geregelt worden. Und der Regierungsrat hält fest: «Für die Verwaltung des Kunstinventars und die Begleitung von Kunst am Bau-Projekten stehen dem AKS sehr begrenzte monetäre und personelle Ressourcen zur Verfügung.»

Nämlich 40 Stellenprozente und 20'000 Franken. Diese seien zu überprüfen und gegebenenfalls auch anzupassen. Dabei ginge es nicht um ein Mehr an Kulturförderung, sondern lediglich um deren Optimierung.

Ein heikles Thema: Deakzession

Der Regierungsrat spricht gar noch ein weiteres Kapitel in diesem Zusammenhang an: «Das sensible Thema Deakzession (Aussonderung von Sammelgut) könnte mit den anbegehrten Richtlinien ebenfalls transparent gemacht werden.»

So biete dieser Auftrag nun die Gelegenheit, die künftige Bewirtschaftung von Kunstwerken im öffentlichen Raum mit dem Ziel einer Neuregelung der Aufgaben bezüglich Unterhalt, Lagerung und eben Deakzsession zu klären. Somit erklärt der Regierungsrat diesen Auftrag als erheblich.

Ein erster wichtiger Schritt zuhanden des in dieser Sache weiter beratenden Kantonsrates ist nun getan. Doch wie dieser Auftrag in die Realität umgesetzt wird, welche Geldquellen angezapft werden und wie gross diese sein dürfen, darüber schweigt sich der Regierungsrat in seiner Erheblicherklärung aus.

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