Der Fall sorgte schweizweit für Aufsehen: Im November mussten die Solothurner Behörden den Straftäter freilassen, der 2006 in Starrkirch-Wil ein Mädchen vergewaltigt hatte. Obwohl er als rückfallgefährdet gilt. Obwohl er untherapierbar ist.

Jetzt hat das Bundesgericht entschieden: Der Kanton Solothurn muss dem Mann noch Schadenersatz zahlen – für ein Jahr und fünf Monate Haft, die sich im Nachhinein als ungerechtfertigt herausstellten. Wie viel zu zahlen ist, muss das Solothurner Obergericht noch festlegen. Vor Bundesgericht verlangte der Mann 200 Franken pro Tag.

Wie kam es dazu? Im Mai 2015 lief die fünfjährige therapeutische Massnahme (hinter Gittern) aus, zu der der Mann 2010 verurteilt worden war. Die Behörden verlangten, dass diese Therapie verlängert wird. Doch der Entscheid zögerte sich hinaus: Gutachten fehlten, das Verfahren ging durch die Instanzen. Und so ordneten die Behörden Sicherheitshaft an, damit der Mann nicht vor dem Gerichtsentscheid in Freiheit kommt. Dieser folgte erst im September 2016 und bestimmte die Freilassung. Für die Sicherheitshaft gibt es – im Nachhinein – keinen Grund mehr. Diese Zeitspanne muss laut Bundesgericht entschädigt werden.

Kommt noch die Verwahrung?

Aber warum kam der Mann trotz Rückfallgefahr frei? Der Grund: Gerichte dürfen solche Therapien, auch kleine Verwahrung genannt, nur anordnen, wenn Aussicht auf Erfolg besteht. Die Solothurner Behörden verlangten die Verlängerung der Therapie, weil sie eine Chance auf Erfolg sahen. Das Obergericht kam aufgrund von Gutachten aber zum Schluss, dass der Mann untherapierbar ist. Deshalb konnte die Massnahme nicht verlängert werden, der Mann kam frei.

Derzeit lebt der 43-Jährige in einem Wohnheim. Er wird mittels GPS-Gerät überwacht, muss wöchentlich mit der Bewährungshilfe Gespräche führen und eine psychiatrische Behandlung besuchen. Demnächst wird das Amtsgericht Olten-Gösgen entscheiden müssen, ob der Mann verwahrt wird. Dies hatte die Staatsanwaltschaft gefordert, nachdem er im November freigekommen war. Im Nachhinein stellt sich die Frage, ob die Solothurner Behörden nicht gleich die Verwahrung hätten fordern sollen.

Der Mann war 2006 zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Die Strafe an sich hat er längst abgesessen.