Inventarisierung
Der Kanton leistet einen Beitrag an Fossilien

Wertvolle Funde von Jura-Fossilien sollen fachgerecht inventarisiert, gelagert und präsentiert werden können. Dafür hat das Bau- und Justizdepartement nun mit den Naturmuseen Olten und Solothurn eine Leistungsvereinbarung unterzeichnet.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Thomas Briner, der Leiter des Naturmuseums Solothurn. Eine Rarität sind die versteinerten Schildkrötenpanzer (links im Hintergrund). Peter Flückiger in der neu eröffneten Fossilien-Ausstellung im Haus der Museen in Olten.

Thomas Briner, der Leiter des Naturmuseums Solothurn. Eine Rarität sind die versteinerten Schildkrötenpanzer (links im Hintergrund). Peter Flückiger in der neu eröffneten Fossilien-Ausstellung im Haus der Museen in Olten.

Hanspeter Bärtschi

Laut ZGB (Zivilgesetzbuch) und kantonalem Planungs- und Baugesetz hat der Kanton Solothurn den Auftrag wissenschaftlich wertvolle Fossilien und Untersuchungen sicherzustellen, aufzubewahren und diese in öffentlichen Sammlungen zugänglich zu machen.

Da es im Kanton Solothurn aber weder eine Universität noch ein ähnliches Institut gibt, welches diesen Auftrag innehat, übernahmen das Naturmuseum Solothurn und das Naturmuseum Olten die Aufgaben des Sammelns, Schützens, Inventarisieren und Zugänglichmachens von solchen Objekten.

Der Kanton leistete subsidiäre Leistungen für einzelne Arbeiten oder überraschend gefundene Fossilien. So gab es dann meist einen Beitrag nach Vorlage von Budget und Abrechnungen an das jeweilige Naturmuseum aus dem Natur- und Heimatschutzfonds oder – bei grösseren Beträgen – aus dem Lotteriefonds. Die beiden Naturmuseen, in denen die für den Kanton und teils schweiz- und gar weltweit einzigartigen Sammlungen aufbewahrt und unterhalten werden, gehören den Städten Olten und Solothurn. Sie alimentieren diese Häuser auch grösstenteils.

Wie die Fossilien-Sammlungen entstanden

Seit 2014 fanden nun Gespräche mit den Museumsleitern aus Olten, Peter Flückiger, und Solothurn, Thomas Briner, sowie dem Amt für Umwelt, dem damaligen Leiter Martin Würsten und Geologiefachmann Stephan Margreth statt. Es ging darum, eine Teil-Finanzierung auf Leistungsvereinbarungs­basis in die Wege zu leiten. «Es ist eine lange Geschichte», erinnert sich Thomas Briner. Er blickt zurück: «Unsere Solothurner Sammlung entstand ja ursprünglich aus privaten Sammlungen von Franz Joseph Hugi (1791–1855).

Zudem verfügte die Stadt Solothurn schon Anfang des 18. Jahrhunderts, dass die Steinbruchbetreiber verpflichtet seien, fossile Funde der Stadt zu übergeben. Heute besteht unser Sammlungsgut aus Funden von kantonalen Grabungen und aus der städtischen Sammlung, die vorher im heutigen Kunstmuseum untergebracht war.»

Äusserst wichtige Sammlungen

Ähnlich gewachsen ist die Sammlung des Naturmuseums Olten. «Unsere Sammlungsgeschichte reicht zurück bis in das Jahr 1872, dem Gründungsjahr des Naturmuseums Olten», erklärt Leiter Peter Flückiger. «Sie umfasst rund 7000 fossile Wirbeltiere, über 95 Prozent davon stammen aus der Umgebung von Olten, und rund 4000 Exemplare fossiler Wirbelloser. Letztere stellen einen repräsentativen Querschnitt durch die Wirbellosenfauna des Nordwestschweizer Juras dar.» So existieren im Kanton Solothurn in den beiden Städten zwei äusserst wichtige Sammlungen zu Fossilien und Mineralien des Kantons.

Dazu kommt: «Der Kanton Solothurn ist aufgrund seiner geografischen Lage am und im Jura reich an Fossilien wie Muscheln, Belemniten oder Ammoniten, sagt Martin Würsten. Tatsächlich gibt es in unserem Kanton Fundstellen von grosser Bedeutung. ­Erwähnt seien nur Saurierspuren in Lommiswil, das Jurameer.» Und Peter Flückiger ergänzt: «Im Kanton gibt es bedeutsame Geotope wie die Huppergrube Rickenbach oder die einstige Tongrube Fasiswald in Hägendorf. Die Aufbewahrung, Erforschung und Präsentation der dort gefundenen Fossilien ist eine wichtige Aufgabe. Funde aus dem oberen Kantonsteil gelangen in der Regel in das Naturmuseum Solothurn, jene aus dem unteren Kantonsteil nach Olten», so Flückiger.

Peter Flückiger in der neu eröffneten Fossilien-Ausstellung im Haus der Museen in Olten.

Peter Flückiger in der neu eröffneten Fossilien-Ausstellung im Haus der Museen in Olten.

Hanspeter Bärtschi Bild: Bruno Kissling

50000 Franken pro Jahr für die beiden Naturmuseen

Die Naturmuseen übernehmen somit eine wichtige, gesetzlich festgeschriebene Aufgabe des Kantons, entsprechend soll diese Leistung auch abgegolten werden, meinten die beiden Naturmuseumsleiter. Flückiger präzisiert: «Die Kosten für Analysen und Präparation zahlt der Kanton heute schon. Was bisher nicht abgegolten war, ist unser Grundauftrag. Der Sammlungsunterhalt, die Bearbeitung wissenschaftlicher Anfragen und Publikationen.» So habe man, basierend auf durchschnittlichen Schätzungen einen Betrag von 50'000 Franken pro Museum für diese Arbeiten errechnet.

Dieses Budget wurde dem Amt für Umwelt vorgelegt und nun in der Leistungsvereinbarung als jährlicher Beitrag festgeschrieben. «Wir sind sehr zufrieden mit diesem Betrag», sagt Thomas Briner. «Es ist eine realistische Summe, die auch in den kommenden Jahren nicht anders sein wird.»

Die neue Leistungsvereinbarung zwischen dem Kanton und den Naturmuseen ist eine einmalige Sache und sozusagen das «Abschiedsgeschenk» von Martin Würsten, der am 1. März dieses Jahres in Pension gegangen ist. «Für mich bedeutet der Abschluss dieser Vereinbarung auch eine Anerkennung und Wertschätzung für die Arbeit der Naturmuseen», sagt er. «In beiden Museen besteht diesbezüglich ein grosses Wissen.»

Der Kanton Solothurn sei geologisch gesehen ein hoch interessantes Gebiet mit einer Vielzahl von bedeutenden Funden. Mit Amanz Gressly und besagtem Franz Joseph Hugi lebten und wirkten hier auch zwei wichtige Pioniere der Paläontologie mit einer Vielzahl von bedeutenden Funden.

Jederzeit kündbar und Änderungen möglich

Die Leistungsvereinbarung, die seit Anfang dieses Jahres in Kraft getreten ist, besagt, dass jedes Jahr ein Bericht zuhanden des Kantons von den Naturmuseen eingereicht werden soll und in einer gemeinsamen Sitzung Rück- und Ausblick gehalten werden soll. Grössere Fossilienfunde, die man ja nie im Voraus kennt, werden weiterhin durch den Lotteriefonds finanziert.

«Nochmals: Es sind die Basisleistungen, welche über die Leistungsvereinbarung abgegolten werden, betont der Geologe des Kantons, Stephan Margreth. Rechtlich ist die Leistungsvereinbarung jederzeit kündbar oder Änderungen sind möglich.» Der Unterhalt oder die Inventarisierung privater Sammlungen tangiert diese Leistungsvereinbarung nicht. «Allerdings ist zu bedenken, dass alle Bodenfunde gemäss Gesetz sowie dem Kanton gehören», ergänzt Würsten.

«Es ist ein glückliches Ende unserer Bemühungen. Die Freude ist gross», sagen Briner und Flückiger. Briner könnte sich grundsätzlich vorstellen, dass solche Leistungsvereinbarungen mit dem Kanton auch für andere Bereiche in Frage kämen. Wichtig sei aber, dass dafür ein Auftrag von Gesetzes her vorhanden ist. «Es muss Hand und Fuss haben und ist dann auch nachhaltig», ist er überzeugt.