Coronavirus
Der Kanton erreicht die Forderung der Taskforce nicht — die Zahl der Hospitalisierungen ist jedoch stabil

Die Zahl der laborbestätigten Neuinfektionen ist im Kanton leicht rückläufig, das Ziel der nationalen Taskforce ist aber noch nicht erreicht.

Rebekka Balzarini
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Im Kanton Solothurn bleibt die Zahl der an Covid-19 erkrankten Personen, die sich in einem Spital behandeln lassen müssen, stabil. (Symbolbild)

Im Kanton Solothurn bleibt die Zahl der an Covid-19 erkrankten Personen, die sich in einem Spital behandeln lassen müssen, stabil. (Symbolbild)

KEYSTONE/GAETAN BALLY

Eine Reproduktionszahl von weniger als 0,8: Das muss in der Schweiz laut der Science Taskforce das Ziel sein, damit sich die Zahl der Neuansteckungen alle zwei Wochen halbiert. Für die ganze Schweiz liegt die Reproduktionszahl laut dem am Mittwoch veröffentlichten wissenschaftlichen Update der Taskforce unter dieser Vorgabe.

Kanton erreicht Forderung der Taskforce nicht

Noch nicht erreicht haben das Ziel aber einzelne Kantone, darunter auch Solothurn. Laut dem gestern veröffentlichten wöchentlichen Situationsbericht zu der epidemiologischen Lage liegt die Reproduktionszahl im Kanton aktuell bei 0,93, in der vergangenen Woche lag sie bei 0,86.

Die Reproduktionszahl gibt an, wie viele Personen eine erkrankte Person durchschnittlich ansteckt. Weil Infizierte nicht gleich nach der Ansteckung Symptome entwickeln, widerspiegelt die Reproduktionszahl jeweils das Infektionsgeschehen vor rund 10 Tagen.

Seit drei Wochen liegt die Reproduktionszahl im Kanton damit unter 1, was bedeutet, dass die Zahl der Neuansteckungen langsam zurückgeht. Bei den kantonalen Zahlen ist laut dem Fachstab Pandemie zu beachten, dass der Unsicherheitsbereich aufgrund der Bevölkerungszahl grösser ist als bei den nationalen Zahlen. «Die Massnahmen des Bundes und die zusätzlichen Massnahmen des Kantons zeigen also grundsätzlich die gewünschte Wirkung und müssen weiter beibehalten werden», schreibt dazu David Kummer, der für die Kommunikation des Fachstabs Pandemie zuständig ist.

Das hat laut seinen Angaben unter anderem positive Auswirkungen auf das Contact-Tracing im Kanton, das während einiger Wochen überlastet war. «Das kantonale Contact-Tracing funktioniert, und die Aufgaben können zeitgerecht bewältigt werden», schreibt er. Infizierte Personen würden innerhalb eines Tages, ihre Kontaktpersonen innerhalb von zwei Tagen kontaktiert.

Trotz dieser Entwicklung schliesst Kummer strengere Massnahmen aber nicht aus: «Allfällige zusätzliche Massnahmen müssten je nach Entwicklung der Ansteckungen und der erforderlichen Spitalkapazitäten in Betracht gezogen werden».

Stand gestern Mittwoch wurden im Kanton insgesamt 80 Personen im Spital behandelt, 17 davon auf der Intensivstation. Von total 27 intensivmedizinischen Betten waren gestern deren zwei frei. «Aktuell reichen die Kapazitäten aus, die Lage bleibt aber angespannt», beschreibt Kummer die Situation in den Spitälern.

Eine Begleitgruppe analysiere die Situation laufend, um allenfalls Massnahmen treffen zu können. Damit die Zahl der intensivmedizinischen Betten erhöht werden kann, könnte der Kanton bei Bedarf mit der Privatklinik Obach und der Pallas Kliniken AG zusammenarbeiten. So könnten bis zu 40 Intensivpflegeplätze geschaffen werden.

Viele Patienten in Altersheimen

Besonders häufig brauchen betagte Patientinnen und Patienten mit einer Vorerkrankung einen Platz auf der Intensivstation. Unter besonderer Beobachtung stehen deshalb die Alters- und Pflegeheime. Um die Bewohnerinnen und Bewohner zu schützen, gelten seit Wochen Schutzmassnahmen. Besuche auf den Zimmern etwa sind schon seit einiger Zeit nicht mehr möglich.

Gleichzeitig mit dem allgemeinen Anstieg der Fallzahlen haben sich aber auch in den Alters- und Pflegeheimen vermehrt Personen angesteckt. In der vergangenen Woche wurden in den Institutionen 73 Bewohnerinnen und Bewohner positiv auf Covid-19 getestet, 15 Personen sind verstorben. In der Vorwoche wurden 61 Personen positiv getestet, und die Institutionen verzeichneten 11 Todesfälle.

Seit Beginn der Pandemie wurden im Solothurnischen gemäss dem Situationsbericht 200 Bewohnerinnen und Bewohner von Alters- und Pflegeheimen positiv auf Covid-19 getestet, 38 sind verstorben. Wie viele von ihnen sich dafür entschieden haben, sich nicht im Spital behandeln zu lassen und in ihrem gewohnten Umfeld zu sterben, ist laut Kummer nicht bekannt.