Wetter
Der kalte und nasse Mai setzt den Bauern und Beizern in der Region zu

Der kälteste Mai seit 20 Jahren bereitet den Bauern Bauchweh. Sie sorgen sich um ihre Ernte. Aber auch die Beizer in der Region beklagen sich: Sie rechnen mit Umsatzeinbussen, die sie nicht mehr wettmachen können.

Daniel Fasel
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Der kälteste Mai seit 20 Jahren: Die Bauern machen sich Sorgen um ihre Ernten.

Der kälteste Mai seit 20 Jahren: Die Bauern machen sich Sorgen um ihre Ernten.

Oliver Menge

Es wird sicher keine Super-Ernte, das kann man jetzt schon sagen.» Landwirt Samuel Keiser aus Fulenbach kultiviert jährlich sechs Hektaren Zuckerrüben - eine beträchtliche Menge. Die tiefen Temperaturen gefährden nun seine Ernte. Es war der kälteste Mai seit über 20 Jahren. Der Temperaturdurchschnitt im Mittelland liegt mit 11,1 Grad deutlich tiefer als üblich, schreibt das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie.

Der miserable Frühling bereitet Landwirt Keiser Sorgen. Seine Zuckerrüben könnten den mehrwöchigen Rückstand zwar noch aufholen, hofft Keiser. Dazu brauche es aber einen sehr guten Sommer. «Denn die Gefahr eines Ernteausfalls besteht nach wie vor», meint der Fulenbacher. Umso wichtiger sei es als Ackerbauer, mehr als nur ein Standbein zu haben, also beispielsweise auch Milchwirtschaft zu betreiben.

Kirschen-Ernte gefährdet

Nicht nur Zuckerrübenproduzenten haben Probleme mit dem Wetter. «Einige Landwirte im Kanton konnten noch nicht alle Kartoffeln setzen. Das ist nicht normal.» Der Direktor des Amtes für Landwirtschaft, Robert Flückiger, rechnet mit ungefähr 10 bis 20 Prozent weniger Umsatz für Kartoffel- und Zuckerrübenbauern. Er schätzt die Lage als «noch nicht dramatisch» ein. Das könne sich im Juni ändern, auch bei schönem Wetter: Ein sehr heisser und trockener Restfrühling könne die noch kleinen Kartoffelknollen mit kurzen Wurzeln austrocknen. Dies wäre gemäss Flückiger das schlimmste Szenario.

Im Wachstumsverzug sind auch die Früchte. Allerdings gefährde das kalte Maiwetter nur die Kirschen, sagt Philipp Gut, Leiter der Fachstelle Spezialkulturen am Wallierhof. Er prognostiziert weniger «Chriesi» und eine spätere Ernte. Die Verspätung sei ein grosses Problem, vor allem für den Verkauf: «Die Kirschen geraten in Konkurrenz mit anderen Früchten, wenn sie erst im Juli geerntet werden.» Das übrige Obst könne den momentanen Entwicklungsrückstand zum Glück noch wettmachen. Philipp Gut meint, ein wenig mehr Sonne würde den Früchten trotzdem guttun.

Reisebüros: Die einzigen Gewinner?

Wenig Sonne und Kälte. Solches Wetter drückt aufs Gemüt. «Das spüren wir», sagt der Geschäftsführer des Reisebüros Vasellari in Solothurn, Roland Gertsch. «Zumindest haben wir mehr Anfragen für Reisen ins Ausland», ergänzt er rasch. Das Reisebüro erzielt im Moment einen Mehrumsatz. Mit Prognosen für den gesamten Frühling bleibt der Geschäftsleiter vorsichtig. Anfragen allein bedeuteten nämlich nicht unbedingt mehr Buchungen. Es sei vielmehr so, dass die Sommerferien nahen und viele sich deshalb Sorgen machten, erklärt Gertsch. «Man traut dem Schweizer Wetter einfach nicht mehr.»


Nicht alle Reisebüros spüren diesen Schlechtwettereffekt: Walter Kunz, Geschäftsführer von Ekoreisen (Balsthal/Olten), verzeichnet momentan nicht mehr Buchungen als in jedem anderen Frühling. An sonnigen Tagen nach einer Schlechtwetterperiode seien die Kunden hingegen kauffreudiger. Für Kunz ist klar: «Politische Ereignisse wie 9/11 haben viel mehr Einfluss auf das Geschäft als das Wetter.» (daf)

Umsatzeinbruch für Wirte

Die Gastronomie erlebt bisher ein enttäuschendes Jahr. Über 50 Prozent weniger Umsatz verbuchte das Restaurant Zum grüene Aff in Selzach diesen Mai, sagt Geschäftsführer Daniel Kilchenmann. Sein Problem: Das Geschäft ist extrem wetterabhängig. Die 400 Aussenplätze des Restaurants seien bei Sonntagsausflüglern sehr beliebt. «Eine schlechte Prognose für das Wochenende reicht schon, damit all diese Gäste fernbleiben», so Kilchenmann. «Die Leute machen andere Pläne - auch wenn die Sonne dann doch scheint.»

Was tun, wenn die Kunden wegbleiben? «Einen solchen Umsatzrückstand kann man kaum mehr aufholen», sagt Peter Oesch, Präsident von Gastrosolothurn. Denn im Sommer rechne man so oder so mit gutem Wetter. Höchstens mit einem aussergewöhnlich warmen Herbst könne man die Jahresrechnung noch etwas aufbessern.

Frust bei Gartencenter und Hotels

Über Kundenmangel beklagt sich auch das Wyss Gartenhaus in Zuchwil: 10 Prozent weniger Umsatz sei das Resultat des kühlen Frühlings, sagt Leiter Andy Fässler. «Das ist extrem viel für uns, denn im Frühling wird am meisten Umsatz erzielt.» Zum Glück könne das Gartencenter den Verlust minimieren, indem sie als Händler einfach weniger und gezielter einkauften. Fässler hofft trotzdem, dass sich die Sonne im Juni öfters zeigt.

Auf wärmere Temperaturen hofft nicht zuletzt die Hotellerie. Jürgen Hofer von Solothurn Tourismus erklärt, die Barockstadt sei ein beliebter Übernachtungsort bei mehrtägigen Ausflügen. Wenn nun alle Kanufahrer, Biker, Wanderer und Inlineskater ausbleiben, schade dies dem Hotelgewerbe. Auch Outdoor-Attraktionen wie der Seilpark auf dem Balmberg verzeichnen kaum Besucher, sagt Hofer. Kein Wunder, wenn es im Mai noch schneit.