Grenchenberg

«Der interkulturelle Austausch ist grossartig»: Beim Mauer bauen, lernen sie sich besser kennen

Auf dem Grenchenberg bauen palästinensische und israelische Jugendliche gemeinsam eine Trockenmauer und lernen sich dabei besser kennen.

«Es ist mega interessant hier», strahlt der 16-jährige Stefan aus Derendingen. Der Schüler der Rudolf-Steiner-Schule nimmt am zum sechsten Mal stattfindenden interkulturellen Friedensprojekt «Building Walls – Breaking Walls» teil. 

Die Hälfte der sechzehn Jugendlichen steht inmitten von Steinen hoch oben auf der Wandfluh, im östlichen Teil der Weide auf dem Oberen Grenchenberg. Sie greifen Stein um Stein, manchmal behauen sie ihn leicht mit Hammer und Meissel, legen ihn vorsichtig auf den neuen Mauerabschnitt. «Am Montag rissen wir ein Stück der alten Mauer ab, anderntags begannen wir mit dem Neuaufbau», erzählt Jugendarbeiter Oliver Schneitter, der das Projekt ins Leben gerufen hat. Die Spätsommersonne brennt trotz Dunst bereits am Morgen und lässt Schweissperlen entstehen. «Man ist am Abend schon müde, aber man schafft es gut, jeden Tag zu arbeiten», findet Stefan.

Während dieser Projektwoche werden die fleissigen Helfer rund zwanzig Meter bauen. «Vom Naturschutzgedanken her ist es zwar nicht sinnvoll, was wir machen», erklärt der naturverbundene Landschaftsgärtner Jörg Lötscher aus Lommiswil. Er ist wie Schneitter Gründer des Vereins Naturkultur, der das Mauerbauprojekt durchführt. «Wir machen es, um das Kulturerbe zu erhalten. Ein Teil der Mauer war einmal eingestürzt», fährt Lötscher fort.

Die Mauer soll nun weitere hundert Jahre halten. «Eine Trockenmauer ist dauerhafter als eine Betonmauer. Gerade in den Hängen wie in Weinbergen, denn der Hang lebt und die Trockenmauer geht ein wenig mit, während die Betonmauer reisst.» Er ist Chef der vier Landschaftsgärtner, welche die Jugendlichen einarbeiten. Da müsse man quasi jeden Arbeitsgriff beaufsichtigen. «Es gibt nur wenige Grundregeln beim Trockenmauerbau, aber es braucht sehr viel Routine.»

«Fast eine Familie»

Grenzen, Mauern, diese zu thematisieren und infrage zu stellen, darum geht es im Projekt. Das wird in Diskussionen und Workshops angegangen. «Es ist grossartig, über andere Kulturen etwas zu lernen», sagt der 25-jährige Ire Ronan. «Ich finde offensichtliche Mauern zwischen den Kulturen nicht schön. Persönlich spüre ich den Nordirlandkonflikt aber nicht, denn ich wohne in der irischen Republik, wo es friedlich ist.» Begeistert vom Jugendlager ist auch die 24-jährige Palästinenserin Ragda aus Israel: «Der interkulturelle Austausch ist grossartig. Ich wollte unbedingt fremde Kulturen direkt kennenlernen, nicht bloss via Medien.»

Die andere Hälfte der Jugendlichen hat für alle gekocht, heute gibt’s palästinensische Speisen. Junge Menschen aus teils tief verfeindeten Volksgruppen sitzen gemeinsam am Tisch. Etwa ein Israeli, der sonst nie mit Palästinensern spricht. Grenzen scheinen aufgelöst. Stefan sagt: «Als wir ankamen, war es strikte getrennt, jetzt ist man schon fast ein wenig wie eine Familie.»

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