Oensingen
Der Hundecoach hilft, dass «Chef» Chicco wieder ganz Hund sein kann

Sacha Thommen ist als «mobiler Hundecoach» in der Region Solothurn unterwegs und verhilft Mensch und Hund zu einem harmonischen Zusammenleben. Wir haben ihm bei einer Trainingsstunde über die Schulter geschaut.

Caroline Kienberger
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Zufrieden mit Chiccos Fortschritt: Daniela Salzmann und Sacha Thommen

Zufrieden mit Chiccos Fortschritt: Daniela Salzmann und Sacha Thommen

ckk

Familie Salzmann wohnt in einem Quartier in Oensingen, nahe der Neu-Bechburg. «Die Stimmung kommt einem hier manchmal schon etwas unheimlich vor», gibt Daniela Salzmann zu. Den Eindruck kann man ihr besonders an diesem nasskalten Novembermorgen nicht verübeln: Der Wind rauscht bedrohlich laut in den Wäldern und peitscht einem den Regen ins Gesicht. Nebel verleiht der Burg in der späten Morgendämmerung etwas Geheimnisvolles. «Darum haben wir uns auch einen Hund angeschafft», erzählt sie. Doch damit sei es erst richtig unheimlich geworden. Denn: Appenzeller-Mischling Chicco, heute zweieinhalb, wurde aggressiv und begann, Besucher und Passanten stark zu bedrängen.

Darum hat die Familie schliesslich den «mobilen Hundecoach» Sacha Thommen um Hilfe gebeten. Der Hundetrainer aus Günsberg hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Schon seit mehreren Jahren verhilft er Hundehaltern zu einem harmonischen Zusammenleben zwischen Mensch und Tier. Dazu besucht er seine Kunden stets dort, wo sich die Probleme abspielen.

Dass die drei bisherigen Trainingsstunden bei Chicco offenbar bereits gefruchtet haben, zeigt sich schon vor dem Betreten des Hauses: Es bleibt mucksmäuschenstill, als Thommen bei Familie Salzmann klingelt. Noch vor wenigen Wochen habe der Hund Besucher lautstark angekündigt. Doch heute bleibt Chicco ruhig auf seinem Platz und wartet, bis er von Daniela Salzmann aufgefordert wird. Dann schiesst der braune Mischling stürmisch aus seiner Ecke hervor und nimmt die Besucher schnuppernd unter die Lupe. Dass er dabei einen Maulkorb trägt, diene der Sicherheit. «So wissen alle Beteiligten, dass nichts passieren kann», erklärt Thommen.

Doch was hat bei Chicco zu diesem Verhalten geführt? «Hier glaubt der Hund, er sei der Chef», erklärt der Hundecoach das Problem. Und als solcher gelte es schliesslich, stets die Kontrolle über Heim und Rudel zu bewahren. Das Training soll dazu führen, dass Chicco seinen Chefposten an den Menschen zurückgibt. Damit das neue Verhalten aber verinnerlicht werden kann, muss regelmässig geübt werden. Zusammen mit Söhnchen Nick geht es für Salzmanns hinaus auf den Waldweg, wo Chicco unter der Instruktion von Sacha Thommen ein Stück an der Leine geführt wird.

Sobald der Hund dabei in seine Chefrolle verfällt und die Führung übernehmen möchte, wird er korrigiert. Bald machen sich Fortschritte bemerkbar: Als der Hundetrainer als vermeintlicher Passant provokativ nahe an Chicco vorbeiläuft, wird der Hund nur noch gering nervös. Auch bedrohliches Aufstampfen mit dem Fuss bringt ihn nicht aus der Ruhe: Entspannt blickt er zu Daniela Salzmann hoch, die ihn an der Leine führt. «Daran sieht man, dass er dich jetzt als Chefin betrachtet und sich an dir orientiert!», sagt Thommen.

Bei der zweiten Übung wird Chicco an eine lange Leine gebunden. Salzmann platziert den Hund in einer Ecke, lässt die Leine locker und entfernt sich. Sacha Thommen lenkt ihn derweil durch Vorbeigehen ab. Dabei soll Chicco unter Beweis stellen, dass er später auch ohne Leine auf das Kommando seiner Rudelführer hört, selbst wenn gerade eine Katze vorvorbeirennt. Und tatsächlich: Chiccos Konzentration gilt grösstenteils seiner neuen Chefin.

Während der Trainingsstunde fällt auf, dass für Chicco nie ein «Gudeli» abfällt. Thommen erklärt: «Im Gegensatz zu anderen Kursen wird bei mir nicht mit Belohnungen gearbeitet. Ich möchte den Hund nicht bestechen, sondern er soll alleine aufgrund der Erziehung auf mich hören.»

Wie lange es noch dauert, bis sich Chicco das neue Verhalten vollständig angewöhnt hat, kann auch der Hundecoach nicht sagen. Wenn er seinen Chefposten aber irgendwann ganz abgibt, bedeute das auch für ihn eine Erleichterung, erklärt Thommen: «Dann kann er nämlich wieder ganz Hund sein.»

Weitere Informationen zu den Trainingsmethoden von Sacha Thommen unter www.mobiler-hundecoach.ch