Flughafen Grenchen
Der höchste Solothurner ist gegen die Pistenverlängerung

Das erstaunt: Kantonsratspräsident und Aviatik-Spezialist Peter Brotschi hält die geplante Grenchner Pistenverlängerung für unnötig. Dabei hat er sie anfangs als Verwaltungsrat mitgetragen.

Lucien Fluri
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Kantonsratspräsident Peter Brotschi hebt oft ab und schiesst oft Landschaftsbilder. Brotschi sagt, das Zubetonieren der Schweiz gebe ihm zu denken – das ist auch eines seiner Argumente gegen die Pistenverlängerung in Grenchen.

Kantonsratspräsident Peter Brotschi hebt oft ab und schiesst oft Landschaftsbilder. Brotschi sagt, das Zubetonieren der Schweiz gebe ihm zu denken – das ist auch eines seiner Argumente gegen die Pistenverlängerung in Grenchen.

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Es gibt nur wenige Solothurner, die sich in Sachen Kenntnisse in der Fliegerei mit Peter Brotschi messen können. Der Grenchner ist Pilot, Aviatikjournalist und war langjähriger Verwaltungsrat des Grenchner Flughafens. Umso mehr überrascht nun, dass sich Brotschi öffentlich gegen die geplante Pistenverlängerung gegen Osten wehrt. «Man kann nicht einen Firmen-Businessplan gegen den Willen der Menschen durchsetzen, die in dieser Gegend leben», schrieb Brotschi am Samstag auf Facebook. Dort hat er sich in einem Fünf-Punkte-Statement klar gegen die geplante Ostvariante der Pistenverlängerung ausgesprochen. Brotschi reagierte damit auf ein Interview, das Flughafendirektor Ernest Oggier am Samstag dieser Zeitung gegeben hatte. Oggier kritisierte, dass Brotschi als Verwaltungsrat des Flughafens selbst den Ausbau mitgetragen habe.

«Ja», sagt Brotschi auf Anfrage. «Ich war bis 2011 im Verwaltungsrat und habe die allerersten Pläne der Pistenerweiterung mitgetragen, weil ich damals auch der Meinung war, die Gesetzgebung habe geändert.» Einfach sei sein Statement für ihn nicht, sagt Brotschi. Schliesslich pflege er jahrelange und gute Kontakte zum Flughafen. Warum dann der Meinungsumschwung des CVP-Mannes, geht es ihm um Wählerstimmen in der Region? «Man darf im Verlaufe des Lebens auch gescheiter werden», sagt Brotschi. Er, der sich auch für die Ecopop-Initiative ausgesprochen hat, begründet seine Haltung nicht zuletzt mit der «Zersiedelung und Zubetonierung» der Schweiz. «Bei mir hat ein Umdenken stattgefunden: In der kleinräumigen Schweiz wird es in Zukunft nicht mehr möglich sein, dass jede Gegend die vollumfängliche Infrastruktur haben kann.» Für Brotschi ist klar: Es genügt, wenn die Businessjets, für die die 450 Meter Pistenverlängerung nötig sind, im 70 Kilometer entfernten Payerne und im 45 Kilometer nahen Bern-Belp landen können. «Unsere Gegend ist über Grenchen oder die beiden erwähnten Flughäfen jederzeit schon jetzt aus der dritten Dimension zu erreichen.» Das Ja zum verschärften Raumplanungsgesetz habe klar gezeigt, dass die Bevölkerung einen Stopp der Zubetonierung wünsche.

Lieber eine Westvariante

Brotschi ist überzeugt, dass sich die Ostverlängerung politisch nicht durchsetzen lässt. Er ergänzt, in den vergangenen Jahrzehnten habe es trotz vereinzelten kritischen Stimmen eine gute Koexistenz zwischen der Region und dem Flughafen gegeben. «Durch das fragwürdige Projekt wird dieses Zusammenleben nun gefährdet.»

Brotschi ist der Meinung, dass die Pistenverlängerung nicht nötig ist, der Flughafen auch ohne eine gute Zukunft hat. Wenn überhaupt, käme für ihn nur eine Westvariante infrage. Diese war unter dem früheren Regierungsrat Walter Straumann überprüft worden, unter seinem Nachfolger Baudirektor Roland Fürst aber verworfen worden – die Kosten für eine Untertunnelung der Archstrasse würden mehrere Dutzend Millionen Franken kosten.

Für Brotschi wäre die Untertunnelung nur schon aus Sicherheitsgründen nötig. Denn die Flugzeuge überfliegen den Autobahnzubringer und die darauf stehenden Autokolonnen nur um wenige Meter. Er verweist auf einen Flugunfall im Sommer dieses Jahres. Damals hatte es ein Kleinflugzeug nach zwei misslungenen Startversuchen nur knapp geschafft, abzuheben und die Kantonsstrasse zu überfliegen. Zu Schaden kam glücklicherweise niemand. «Es ist ein reiner Zufall, dass bisher nichts passiert ist. Ich hoffe nicht, dass es irgendwann ‹chlöpft›», sagt Brotschi. Es bestünde ein «eklatantes Sicherheitsproblem». «Stehende Kolonnen, darunter auch Linienbusse, werden überflogen. «Dieses eklatante Sicherheitsproblem zu lösen, ist viel dringender, als eine Piste in eine bis jetzt völlig verschonte Landschaft zu bauen.»