Motorrad

Der Helm ist nicht genug: Auch in der Sommerhitze braucht es Schutzkleidung

Kein ungewöhnliches Bild im Sommer: Zweiradlenker ohne Handschuhe und Stiefel – nur mit Helm.

Kein ungewöhnliches Bild im Sommer: Zweiradlenker ohne Handschuhe und Stiefel – nur mit Helm.

Sommer ist die Jahreszeit für kurze Hosen und Flipflops. Viele fahren auch Motorrad oder Roller so. Obligatorisch ist nur der Helm. Das kann bei einem Unfall schmerzhaft werden – und teuer.

Wenn es kalt ist, ziehen sich Motorradfahrer immer sehr gut an», sagt Fahrlehrer Tom Hess aus Solothurn. Bei Minustemperaturen seien Töfffahrer meist in Vollmontur unterwegs. «Bei 30 Grad plus ziehen viele aber nur das Mindeste an», so Tom Hess. «Fahren in kurzen Hosen. Oder in einer dünnen Lederjacke, die zwar chic aussieht, aber nicht schützt.»

Darin sind sich die befragten Fahrlehrer aus der Region einig: Zu dieser Jahreszeit verzichten viele Motorrad- und Rollerfahrer auf wichtige Schutzkleider. Heute sei das gar noch schlimmer als früher, so Daniel Läderach von der Fahrschule Wangen aus Wangen an der Aare. «Praktisch jeder Zweite fährt ohne Handschuhe. Da kriege ich Schreikrämpfe!»

René Huber von der Fahrschule Huber AG aus Oensingen sieht auch «viele ältere Harley-Fahrer, die nur Lederweste und T-Shirt tragen.» Dabei schwitze man auf dem Motorrad nicht weniger, wenn man kurze Hosen trage, so Reto Wüthrich von der Fahrschule Wüthrich aus Bettlach. «Trägt man kurze Hosen und T-Shirt, brennt die Sonne zusätzlich direkt auf die Haut.»

Nur der Helm ist Pflicht

Für eine Prüfung muss ein Motorradfahrer in Vollmontur aufkreuzen. Sonst wird er wieder nach Hause geschickt. Vor und während der obligatorischen Fahrkurse weisen die Fahrlehrer ihre Schüler auf Schutzkleidung hin. Das Gesetz schreibt aber nur den Helm vor. René Huber aus Oensingen sagt klar, man solle auf dem Roller oder Töff Schutzkleidung tragen. Eine Gesetzesänderung sei wohl aber auch nicht die Lösung: «Je mehr Vorschriften – desto mehr Verstösse.»

Das sagen auch die anderen Fahrlehrer: «Ich denke, wir haben schon genug Gesetze», meint Reto Wüthrich aus Bettlach. Man müsse den Fahrern einfach klarmachen, dass guter Schutz bedeute, etwas Stoff auf sich zu tragen. Und schliesslich gebe es ja atmungsaktive Kleider heutzutage. Oder zum Beispiel Kevlar Jeans mit Protektoren drin. Diese Ausrüstung ist aber nicht ganz günstig.

«Ich denke, gerade bei den jungen Fahrern ist das häufig ein Kostenproblem», meint Tom Hess aus Solothurn. Für eine gute Ausrüstung – Helm, Handschuhe, Jacke – müsse man schon mit rund 500 Franken rechnen.

Schutz vor Schürfwunden

Fahrlehrer Reto Wüthrich macht gegenüber seinen Fahrschülern gerne folgenden Vergleich: «Ein Millimeter Leder erspart dir eine Woche Spitalaufenthalt.» Klar nütze die Schutzbekleidung nicht viel, wenn man in ein Auto hineinfahre. Dafür aber, wenn man auf Beton oder Asphalt fällt. Ohne Schutzbekleidung schürft sich der Töfffahrer die Haut auf.

Einen Motorradunfall könne auch der beste Fahrer haben, meint Fahrlehrer Daniel Läderach aus Wangen an der Aare. «Auch aus dem Stillstand kann man ja kippen.» Aus Reflex wolle man sich dann mit den Händen abstützen. «Und wenn du keine Handschuhe trägst, fehlt dir nachher einfach ein Stück Fleisch.»

«Ich hatte auch schon einen Kursteilnehmer, der am ersten Kurstag in kurzen Hosen und Flipflops aufgetaucht ist und meinte, er habe ja eh nie einen Unfall», erzählt Tom Hess aus Solothurn. Dabei könne es ja auch sein, dass sich der Töfffahrer korrekt verhält, und dann von einem Auto «abgeschossen» wird.

Versicherung zahlt weniger

Die Fahrlehrer aus der Region sind zwar nicht gegen ein Schutzkleider-Obligatorium, bezweifeln aber, ob sich die Fahrer dann auch daran halten würden. Dafür gebe es ein anderes Argument, das bei den Fahrschülern Eindruck mache – Fahrlehrer René Huber erklärt das seinen Kursteilnehmern jeweils so: «Wenn ihr einen Unfall habt, kann die Suva sagen: Mit guten Schutzkleidern wäre es nicht zu diesen Verletzungen gekommen.» Und weniger zahlen.

Das bestätigt die Mediensprecherin der Unfallversicherung, Gabriela Hübscher: «Bei einem Verzicht auf eine Motorradjacke und eine Motorradhose würden wir die Versicherungsleistungen nicht kürzen.» Dafür aber in einem Fall «grober Fahrlässigkeit».

Ein Beispiel: «Wenn ein Motorradfahrer in Flipflops oder Badehose einen Unfall hat, würden wir den Fall sicher kritischer beurteilen.» Dabei spiele dann auch eine Rolle, ob der Töfffahrer in Badehose auf der Autobahn fuhr oder in der 30er-Zone unterwegs war, so die Suva-Mediensprecherin.

Die Fahrlehrer sind sich einig: An die Vernunft zu appellieren, sei im Endeffekt wohl das Wichtigste. Der Bettlacher Fahrlehrer Reto Wüthrich meint, man müsse den Fahrern klarmachen: «Schutzkleidung trägst du nicht für den Polizisten oder den Fahrlehrer – sondern für dich.»

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