Gegengeschäfte
Der Gripen könnte die Solothurner Industrie beflügeln

Dank dem Kompensationsprogramm mit dem schwedischen Hersteller Saab winken der Schweiz Aufträge von rund 2,2 Milliarden Franken. Auch Solothurner Firmen sehen Potenzial für Aufträge des Kampfjet-Herstellers.

Franz Schaible
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Zieht der schwedische Kampfjet Gripen auch Teile der Solothurner Industrie mit in die Höhe?

Zieht der schwedische Kampfjet Gripen auch Teile der Solothurner Industrie mit in die Höhe?

Keystone

«Die Chancen der Solothurner Industrie sind zweifellos sehr gut.» So antwortet Josef Maushart, Präsident des Industrieverbandes Solothurn und Umgebung (Inveso), auf die Frage nach dem Potenzial für Gegengeschäfte in Zusammenhang mit dem Kauf von Gripen-Kampfflugzeugen durch die Schweizer Armee.

Kompensationsgeschäfte hätten bereits in der Vergangenheit für viele Unternehmen in der Region neue Kontakte und zusätzliche Geschäfte ermöglicht. Im aktuellen Fall will auch die Präzisionswerkzeugherstellerin Fraisa AG in Bellach profitieren, wie Maushart als Chef des traditionsreichen Unternehmens quasi in eigener Sache erklärt. «Wir von Fraisa wollen auf jeden Fall an einem Kompensationsprogramm teilnehmen.»

Noch wird abgewartet

Konkretere Informationen seitens der Unternehmen liegen noch keine vor. Zwar verfolgten mehrere solothurnische Firmen das Thema Gripen-Gegengeschäfte mit grossem Interesse, jedoch werde derzeit noch wenig Aufwand für konkrete Projektarbeit betrieben, beobachtet Maushart. «Man wartet ab, bis die politischen Entscheide definitiv getroffen sind.»

Verträge bereits mit 117 Unternehmen abgeschlossen

Schon vor der definitiven Vertragsunterzeichnung für den Kauf des Gripen-Kampfjets haben Schweizer Firmen Aufträge im Rahmen des Kompensationsprogrammes erhalten. Bis Ende Juli 2013 haben der schwedische Hersteller Saab und seine Partner Aufträge in der Höhe von 315 Millionen Franken an hiesige Unternehmen vergeben, wie Saab-Sprecher Mike Helmy erklärt. Das Auftragsvolumen umfasst insgesamt 456 Verträge mit 117 Firmen. Die Verträge würden gültig bleiben, auch wenn der Kaufvertrag über die 22 Gripen nicht zustande käme. «Wir sind verpflichtet, nur kommerziell sinnvolle und nachhaltige Verträge abzuschliessen. Allein deshalb gibt es keinen Grund, geschlossene Verträge infrage zu stellen.» Dies treffe auch für die direkten Gegengeschäfte zu, also jene für Gripen-Komponenten. «Wir bauen Gripen für Schweden und weitere Länder. Das heisst, die Verträge gelten nicht nur für die schweizerische Tranche», erläutert Helmy. Bei den indirekten industriellen Kooperationen gebe es keinen Zusammenhang mit dem Gripen. Diese umfassten Aufträge im Rüstungs- oder im Zivilbereich. Namen von den Geschäftspartnern könne er ohne deren Einwilligung nicht publik machen. «Der Prozess ist komplex, weil es viele Beteiligte hat und die Geschäfte teilweise von sensitiver Natur sind.»(fs)

Denn die Beschaffung der 22 Gripen-Flieger des schwedischen Herstellers Saab wurde zwar vom Parlament beschlossen, aber umgehend haben linke Parteien das Referendum angekündigt. Inzwischen hat die Unterschriftensammlung dafür begonnen und das Schweizer Stimmvolk wird wohl im nächsten Frühling über die Beschaffung definitiv befinden.

Milliardenvolumen möglich

Falls das Volk Ja sagt zum Kauf der 22 Kampfjets für rund 2,2 Milliarden Franken, winken der Schweizer Wirtschaft im Rahmen des Kompensationsprogrammes Aufträge in gleicher Höhe. «Saab ist verpflichtet, bei Unterzeichnung des Gripen-Beschaffungsvertrages industrielle Kooperationen mit der Schweizer Industrie zu organisieren – und zwar in gleicher Höhe wie die Gripen-Vertragssumme», ist im entsprechenden Industriebeteiligungsprogramm verankert. Bereits heute hat Saab Aufträge in der Höhe von 315 Millionen Franken vergeben (siehe Kasten).

Präzisionsindustrie im Vorteil

Der Industrieverbandspräsident Josef Maushart begründet die Chancen der hiesigen Industrie auch damit, dass sich die Gegengeschäfte nicht auf die Lieferung direkt flugzeugrelevanter Komponenten beschränkten. «Die Kompensationsgeschäfte beziehen sich häufig auch auf Zusatzausrüstungen, Produktionsmittel, Automationstechnologien und sogar Projekte aus dem Bereich Forschung und Entwicklung.»

Deshalb sieht der Unternehmer für die Agglomeration Solothurn mit hoher Industriedichte besonders gute Auftragsmöglichkeiten in den Bereichen Fertigung von Metall- und Kunststoffkomponenten sowie in der Lieferung von Fertigungs- und Automationstechnologien und von Präzisionsinstrumenten. Dies bestätigt Saab. Nebst den direkten Gegengeschäften – Saab beauftragt eine Schweizer Firma, einen Bestandteil des Gripen herzustellen – werden die indirekten Kompensationsgeschäfte den Löwenanteil aller Aufträge ausmachen.

Chancen für Firma in Olten

Gute Voraussetzungen, um mit Saab ins Geschäft zu kommen, hat die Acutronic AG mit Hauptsitz in Bubikon ZH und Produktionswerk in Olten. «Wir arbeiten, unabhängig vom aktuellen Beschaffungsprojekt der Schweiz, bereits seit längerem mit dem Hersteller Saab zusammen», erklärt CEO Nick Wälli. Der Hightech-Betrieb entwickelt und produziert Bewegungssimulatoren, um Navigationssysteme zu testen, die in der Flugzeug-, Raumfahrt- und Schiffsindustrie eingesetzt werden. Konkrete Projekte im Zusammenhang mit dem Kompensationsprogramm gebe es noch keine, aber das Interesse sei logischerweise vorhanden.

Allfällige Aufträge würden bei Acutronic zwar keinen Wachstumsschub auslösen, wären aber wichtig. Acutronic beschäftigt je 55 Angestellte im Ausland und in der Schweiz, 12 davon in der Produktion und Montage in Olten.

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