Weissenstein
Der frühere Betriebsleiter findet die grossen Pläne des Kurhauses mutig

Die neuen Besitzer haben grosse, wenn nicht gar sehr grosse Pläne mit dem Kurhaus Weissenstein. Gastro-Fachmann Werner Käser, der den Betrieb jahrelang führte, hält diese für «sehr mutig» und risikoreich. Er sieht aber durchaus Chancen.

Lucien Fluri
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Werner Käser, fotografiert beim Zusammenpacken im November 2013, als seine letzte Saison als Gastgeber auf dem Solothurner Hausberg endete.

Werner Käser, fotografiert beim Zusammenpacken im November 2013, als seine letzte Saison als Gastgeber auf dem Solothurner Hausberg endete.

Wolfgang Wagmann

Er ist der Mann, der die Gastronomie auf dem Weissenstein wohl am besten kennt. Werner Käser weiss aus Erfahrung, was es heisst, den wetterabhängigen Betrieb auf dem Berg zu führen. Von 1977 bis 1990 wirtete er im Kurhaus. Und kam von 2011 bis 2013 nochmals zurück. Auf Bitten der damaligen Besitzerin, der Regiobank, sorgte er in den jeweiligen Sommermonaten dafür, dass das Haus nicht ganz in den Dornröschenschlaf fiel.

2013 endete dann Käsers Ära. In der Folge war er auch als Gastroberater tätig, etwa für die Ausflugsbeiz «Alpenblick» am Passwang.

Natürlich hat Werner Käser diese Woche auch mit grossem Interesse die Pläne der neuen Kurhaus-Besitzer verfolgt. «Ich hänge am Berg», sagt er. «Es tut mir weh, wenn es dort schlecht läuft.» Und was sagt der Experte jetzt zu den Plänen, die nicht gerade klein ausgefallen sind: Schliesslich sind ein riesiger Spielplatz, ein Glasneubau mit einem Eventsaal für 800 Personen und ein Selbstbedienungsrestaurant noch nicht alles:

Das Haus wird gleich komplett renoviert, und die Hotelzimmer werden von rund 20 auf 50 erhöht: «Mutig, ich finde das sehr mutig», ist die erste spontane Reaktion von Werner Käser. «Ich habe gestaunt.»

Im März 2016 werden die neuen Pläne fürs Kurhaus Weissenstein vorgestellt. So soll das Kurhaus aussehen.
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Die Besitzer möchten neben dem Osttrakt des historischen Gebäudes ein Selbstbedienungsrestaurant und einen Glaskubus für Grossanlässe bauen.
An den Ostflügel wird ein gläserner Neubau mit Selbstbedienungsrestaurant und Saal für 800 Personen angebaut. Dafür wird der bisherige Anbau abgerissen.
Tom Umiker informiert über die neuen Pläne.
Dem Kurhaus soll zu neuem Glanz verholfen werden.
Urs Hoffmann, Arabelle und Tom Umiker sowie Hansueli Schläppi mit dem Modell des neuen Kurhaus Weissenstein.
Der Erlebnisspielplatz wird vor allem Familien anziehen.

Im März 2016 werden die neuen Pläne fürs Kurhaus Weissenstein vorgestellt. So soll das Kurhaus aussehen.

zvg

Bringt man 800 Leute für einen Anlass auf den Berg, der nicht direkt an einer Bahnlinie ist? Die künftige Nachfrage zu beurteilen, sei schwierig, sagt Käser. Grundsätzlich sei der Bedarf nach einem so grossen Saal in der Region vorhanden. «Solche Räume fehlen.»

Ob der Weissenstein aber der richtige Ort dafür sei, müsse sich weisen. «Sind es dann mehr als 10 oder 20 so grosse Anlässe pro Jahr?», fragt Käser. Er erinnert daran: Der Winter dominiert den Berg – bestenfalls 30 Tage, aber schlimmstenfalls bis zu fünf Monate lang. Dann ist der Zugang über die Strasse nicht garantiert. Die Seilbahn kann bei Wind stillstehen. Das ist für Organisatoren vielleicht etwas viel Planungsunsicherheit. Käser erinnert auch an die «Krone» in der Stadt, die derzeit umgebaut wird. «Man hat in Solothurn bereits eine rechte Seminarmeile.»

Ostteil richtige Ort für ein Selbstbedienungsrestaurant

Dass es im Osten des Kurhauses ein Selbstbedienungsrestaurant geben soll, findet Käser sehr positiv. Er selbst kann sich noch an die frühere Halle dort, die 1964 abgebrannt ist, erinnern. Auch er selbst hat dort zeitweise ein provisorisches Selbstbedienungsrestaurant betrieben. «Der Ostteil ist der richtige Ort dafür», sagt er. Denn der Aussenbereich vorne im Westen, dort wo das bediente Restaurant steht, hat drei Ebenen. «Man kann Gästen nicht zumuten, dass sie mit dem Tablar über Treppen laufen.»

Käser begrüsst auch, dass die Investoren dafür vom teuren Wellnessbereich Abstand genommen haben. Und gut findet er auch, dass das Selbstbedienungsrestaurant und das bediente Restaurant mit dieser Lösung räumlich klar getrennt sind und sich nicht direkt konkurrenzieren. Käser betont: «Der Berg lebt vom schönen Wetter. Oben Sonne und unten Nebel. Und dabei ist das Kernproblem, das Personal zur richtigen Zeit auf dem Berg zu haben.» Zu solchen Spitzenzeiten bringe das Selbstbedienungsrestaurant Entlastung.

Der marode Ostteil des Kurhaus Weissenstein – Bilder vom Februar 2015
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Der marode Ostteil des Kurhaus Weissenstein
Die Wand bröckelt
Blick in eines der Zimmer
Ein altes Rezeptions-Schild
Dieser Sicherungskasten hat auch schon bessere Zeiten gesehen.
Dieses Zimmer wird als Abstellraum benutzt

Der marode Ostteil des Kurhaus Weissenstein – Bilder vom Februar 2015

Hansjörg Sahli

Ein Risiko sieht der Fachmann trotzdem: Auch beim Selbstbedienungsrestaurant stelle sich letztlich die Frage, wie viele Wochenenden es gebe, an denen dieses betrieben werden könne. Käser betont: Die Schätzung der künftigen Betreiber, dass es 100 bis 150 Tage werden könnten, hält Käser für optimistisch.

Dass der Hotelbetrieb ausgebaut wird, findet Käser gut. «Man kann so auf gesunde Grunderträge aufbauen.» Gerade für grössere Seminare könnten die heutigen 20 Zimmer zu wenig sein. Mit 50 Zimmern sei die Chance für eine gute Auslastung da. Für Hochzeiten sei der Berg sowieso prädestiniert.

Käser will keine Zweifel säen

Doch trotz einiger offener Fragen betont Werner Käser, dass er eigentlich nicht Zweifel säen will. Er freue sich, dass es auf dem Berg weitergeht und «dass neue Leute neue Ideen bringen». Er betont: «Das Kurhaus braucht eine Investitionswelle. Der Osttrakt geht sonst ganz kaputt.» Und wenn investiert werde, dann sei es durchaus von Vorteil, dies in einem grösseren Gesamtkonzept zu tun.

Lachend sagt der Experte drum zum Schluss des kurzen Gesprächs: «Wenn man übers Ziel hinausgeschossen ist, holt einen die Realität im Leben immer ein.» Für Werner Käser ist letztlich ein Faktor der entscheidende, ganz unabhängig vom Projekt: «Wer gut ist, hat in der Gastronomie immer eine Chance.»

Alte Postkarten vom Weissenstein. Auf 15.6.1919 datiert.

Alte Postkarten vom Weissenstein. Auf 15.6.1919 datiert.

ETH-Bibliothek Zürich