Landwirtschaft

Der Frost setzt den Blüten zu: Die Aprikosen sind zum Teil hin

Die  Blüten in den Obstplantagen vertragen Frost schlecht.

Die Blüten in den Obstplantagen vertragen Frost schlecht.

In der letzten Woche sanken die Temperaturen in der Nacht unter den Gefrierpunkt. Darunter haben einige Obstblüten gelitten. Zwar stehen den Bauern Frostkerzen zum Schutz der Blüten zu Verfügung, ihr Einsatz lohnt sich aber nicht immer.

Die Obstbauern aus dem Kanton verfolgen ihn in dieser Zeit aufmerksam: den Wetterbericht. Besonders fürchten sie kalte Nächte, denn diese könnten die Obstblüten, die momentan Frühlingsstimmung bereiten, stark schädigen. Schon letzte Woche mussten die Obstbauern zum Teil Nachtschichten einlegen, um die Blüten zu retten. In mehreren Nächten sank die Temperatur unter den Gefrierpunkt.

Obstbauer Thomas Häusermann aus Eppenberg schlug sich gleich vier Nächte um die Ohren. Er wollte die Blüten seiner Zwetschgenbäume retten, die in diesem Jahr sehr früh voll in Blüte standen

«Bis zu 70 Prozent der Blüten standen offen, und Minustemperaturen vertragen diese dann gar nicht mehr», sagt Häusermann. Mehrmals pro Nacht stand er auf, und kontrollierte die drei Thermometer, die in seiner Anlage auf drei unterschiedlichen Höhen aufgehängt sind. «Letzte Woche war es so, dass wir bei Temperaturen von minus einem Grad die Frostkerzen anzündeten», so Häusermann.

Frostschutz muss gut überlegt sein

Ob sich der Einsatz in der Nacht gelohnt hat, wird Häusermann erst in den nächsten Wochen erfahren. «Es ist schwer, zu sagen, wie gut wir die Blüten schützen konnten», erklärt er. Ein gutes Zeichen konnte er immerhin bereits feststellen: «Die Blütenblätter sind nicht braun geworden. Das bedeutet, dass es wahrscheinlich keine massiven Schäden gab.» Die Zitterpartie ist für Häusermann aber noch nicht vorbei, nach den Zwetschgenbäumen stehen bald die Kirschen und die Apfelbäume in voller Blüte.

Einigen Schaden hat der Forst hingegen bei Bauer Daniel Stüdi aus Deitingen hinterlassen. «Bei den Aprikosenbäumen wird es einen Totalausfall geben», berichtet Stüdi. «Auch bei den Kirschen wird es vermutlich Ausfälle geben. Wie viele Blüten noch gesund sind, ist erst in zwei Wochen abschätzbar».

Bei den Apfel-, Birnen- und Zwetschgenbäumen halten sich die Schäden auf dem Hof von Stüdi aber in Grenzen. «Hier hat es sicher noch genügend unversehrte Blüten», hofft er. Auch auf dem Hof von Urs Schwaller in Biberist gab es Schäden, wie gross diese sind, ist für ihn aber noch nicht absehbar. Bei den Nektarinen, Kiwis, Aprikosen und Pfirsiche rechnet er aber mit Verlusten.

Die drei Landwirte stehen in den nächsten Wochen vor der immer gleichen Herausforderung: Sie müssen sich in der heiklen Phase der offenen Blüten immer neu entscheiden, ob sie zu Frostschutzmassnahmen greifen wollen oder nicht. Frostschutz mit Frostschutzkerzen kostet die Bauern viel Geld: Die letzte Woche kostete Thomas Häusermann aus Eppenberg rund 1500 Franken.

Während sich Häusermann für den Einsatz von Frostschutzkerzen entschieden hat, haben Stüdi und Schwaller keine Massnahmen ergriffen. «Im April kann es immer noch sehr kalt werden», erklärt Urs Schwaller aus Biberist. «Wenn ich meine Kerzen bereits jetzt brauche, habe ich später keine mehr, und die Materialbeschaffung ist bereits fast nicht mehr möglich», schreibt er.

Dazu kommen die hohen Kosten für den Frostschutz und «Arbeitsstunden und der Aufwand sind hier noch gar nicht eingerechnet», berichtet er weiter. «Für Spezialkulturen lohnt sich dieser Aufwand zwar. Aber auch nur dann, wenn die Kälteperiode nicht allzu lange dauert», so Schwaller.

Der Kampf gegen den Frost im Frühling ist in den letzten Jahren intensiver geworden, sind sich die drei Obstbauern einig. Das liege an den wärmeren Wintermonaten, so Thomas Häusermann. «Als Obstbauer wünsche ich mir einen strengen Winter», sagt er.

«Ein kalter Winter dezimiert die Schädlinge, und der Baum geht in die Winterruhe». Ein Baum in Winterruhe braucht einen Moment, bis er im Frühling wieder aufwacht und neue Triebe bildet. So steht der Baum dann auch später in Blüte, was die Gefahr für Frostschäden verringert.

In diesem Jahr war von der Winterruhe nicht viel zu spüren, der Januar und der Februar waren wärmer als der langjährige Durchschnitt. «Ich bin seit 20 Jahren im Obstbau tätig, seit fünf Jahren hat sich das Problem der warmen Winter verschärft. Früher mussten wir unsere Bäume mit Hagelnetzen schützen, heute gehört der Frost zum unternehmerischen Risiko dazu», bilanziert Häusermann

Autor

Rebekka Balzarini

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