Mit dem Duzen ist es so eine Sache. Das Du macht auf der einen Seite vieles einfacher. Oder zumindest scheinbar. Aber das Wegfallen des Sie baut gleichzeitig auch eine Schranke ab, die nicht nur unangenehm ist. Weil sie Formalität anzeigt, wo Vertraulichkeit nicht am Platz ist. 

Ein bisschen anders verhält es sich, wenn sich Politiker, die unter der gleichen Kuppel agieren, siezen. Die Rede ist von den Parlamentariern Roger Köppel (SVP/ZH) und Kurt Fluri (FDP/SO). Es wäre nun gerade nicht angezeigt, die beiden als Busenfreunde zu bezeichnen. Aber duzen könnten sie sich ja, trotzdem, oder? Wie die meisten, die jahrein, jahraus durch die Gänge des Bundeshauses wandeln. 

Doch die beiden sind eisern per Sie. Kurt Fluri möchte von Roger Köppel wegen einer «wiederholten, nicht korrigierten Behauptung» in der «Weltwoche» vom Verleger derselben nicht geduzt werden. Und Roger Köppel seinerseits hält sich daran. So wie beim jüngsten Aufeinandertreffen beim Disput um die Selbstbestimmungs-Initiative. «Guten Abend, Herr Köppel!» und «Guten Abend, Herr Fluri!», tönte es da. 

Dabei seien er und Kurt Fluri durchaus nicht immer unterschiedlicher Meinung, sagt Köppel. Er könnte sich denn auch vorstellen, zum «partiellen Duzen» überzugehen. Davon wiederum hält Fluri ebenso wenig wie vom Wahrheitsgehalt der Köppelschen Ausführungen in der Sache. 

Was zu beweisen war: Das Sie hat viele Vorteile. Unter anderem diesen, das Du nicht rückgängig machen zu müssen.

balz.bruder@chmedia.ch