Dr. Urs Scheidegger

Der Ex-Stadtpräsident von Solothurn ist tot

Verstorben: Dr. Urs Scheidegger.

Im Alter von 74 Jahren ist am Freitag in Solothurn der ehemalige FDP-Nationalrat und Solothurner Stadtpräsident Urs Scheidegger verstorben.

Ins politische Rampenlicht trat Urs Scheidegger – damals Leiter der Wirtschaftsredaktion beim Berner Bund – 1981, als in der Stadt Solothurn der Nachfolger von Stadtammann Fritz Schneider gesucht wurde. Dies schaffte für den Freisinn Urs Scheidegger, der dieses Amt bis 1993 innehatte. Bis zu diesem Zeitpunkt gehörte er auch dem Nationalrat an, in den er 1987 für die FdP gewählt worden war.

In Solothurn wurde unter seiner Amtszeit als Stadtammann der Bau des Parkhauses Baseltor und des Schulhauses Brühl vorangetrieben sowie der Friedhofplatz von Autos befreit. Ebenfalls wurde das Begegnungszentrum Altes Spital umgebaut. Zunehmend sah sich Scheidegger damals auch mit Forderungen der Jugend konfrontiert, welche einen Ersatz für den damals aufgelösten Jugendtreff «Loch» in der Vorstadt verlangten. Und ein grosses Problem stellte sich ihm mit dem Anwachsen der offenen Drogenszene in Solothurn.

Der Blick nach Osten

Schon vor seiner Amtszeit als Stadtpräsident hatte Urs Scheidegger rege Kontakte nach Osteuropa und insbesondere nach Polen unterhalten, die sich später intensivierten und zuletzt auch zur Städtepartnerschaft von Solothurn mit Krakau führten. Schon damals publizierte er auch verschiedene Werke über Polen und auch Russland.

Seine Verbindungen nach Osteuropa halfen Urs Scheidegger schliesslich auch beim Entscheid, sich in Bern als Direktor des Bundesamtes für Flüchtlinge zu bewerben. Er bekleidete dieses Amt schliesslich von 1993 bis 1997. Zu seinem Nachfolger als Stadtpräsident von Solothurn wurde wiederum für die FdP der damalige Jurist und Gemeinderat Kurt Fluri gewählt.

In den neunziger Jahren polarisierte die Flüchtlingspolitik zunehmend die Schweiz und damit geriet Urs Scheidegger mehr und mehr unter Druck auch der Medien. Diesem hielt er immer weniger Stand und seine gesundheitlichen Probleme wurden offenkundig. Nach der Aufgabe des Direktorenpostens in Bern kämpfte er mit viel Engagement gegen sein Leiden an, und pflegte wieder sein früheres Faible für die Solothurner Stadtgeschichte mit viel beachteten Vorträgen zur Quartierentwicklung in Solothurn. Schon als Stadtammann hatte er die jüngere Vergangenheit der Stadt mit verschiedenen Publikationen unter dem Titel «Es war nicht immer so» aufgearbeitet. Und wer ihm in der Stadt begegnete, traf stets auf einen interessierten und gut informierten Gesprächspartner.

Leider sah sich Urs Scheidegger zunehmend Rückschlägen ausgesetzt, denen er nicht mehr begegnen konnte. Eine Hüftoperation schränkte ihn zusätzlich ein, und zuletzt wurden seine Stadtbesuche immer seltener. Er verstarb schliesslich am gestrigen Freitag im Beisein seiner Frau Ruth und des ganzen Familienkreises.

Meistgesehen

Artboard 1