Feldschiessen 2017

Der erste Schuss ging voll daneben – als Ungeübter beim Feldschiessen

Im ganzen Kantonsgebiet gingen die Schützen beim Feldschiessen am Wochenende mit ihren Schiesseisen auf die Jagd nach hohen Punktzahlen. Unser Journalist hat selbst mitgeschossen – mit durchschnittlichem Erfolg.

Der Geruch verbrannten Schiesspulvers liegt in der Luft, regelmässig ertönen laute Knallgeräusche, die durch den Kapselgehörschutz hindurch als dumpfer Klapf wahrnehmbar sind. Steht man nahe genug an der Lärmquelle, kann man die Druckwelle eines abgegebenen Schusses spüren.

So fühlt sich das Eidgenössische Feldschiessen an, dass für die meisten Schiessvereine des Bezirks Thal dieses Jahr am vergangenen Wochenende im Schützenhaus Balsthal stattgefunden hat. Bis vor zwei Jahren besuchte auch ich solche Schiessstände noch jährlich, um als Armeeangehöriger meiner Schiesspflicht nachzukommen. Um herauszufinden, ob das Training etwas genützt hat, greife ich heute ebenfalls zum Sturmgewehr, um 18 Schüsse abzugeben.

Unterstützt werde ich dabei von Matthias Vogt, ehemaliger Jungschützen-
instruktor des Schützenvereins Balsthal-Klus. Er überreicht mir ein Sturmgewehr 90 – die neueste von drei verschiedenen Armeewaffen, die an diesem Feldschiessen verwendet werden. Daneben sind das Sturmgewehr 57 sowie der noch altertümlichere Karabiner 31 im Einsatz.

Schuss ins Nirgendwo

Geschossen wird aus einer Liegeposition heraus. Man legt sich hierzu auf einen nicht sonderlich bequemen Kunststoffboden, hinter das nun auf seinen ausgeklappten Stützbeinen stehende Gewehr. Um dabei die Ellenbogen etwas zu schonen und auch, um mehr Stabilität zu erlangen, empfiehlt sich das Tragen eines langärmligen Oberteils. Viele der anwesenden Feldschützinnen und Feldschützen tragen daher spezielle Schiesslederjacken in oftmals unmodischen Farben, andere haben normale Lederjacken an, oder, wie ich, einfach einen Pullover.

Über einen Lautsprecher erteilt Scheibenwart Roland Heizmann schliesslich die Schussfreigabe. Nun bleibt mir eine Minute Zeit, den ersten Schuss abzufeuern. Damit dieser im Zentrum der Zielscheibe landet, sollte das Guckloch der hinteren Zielvorrichtung mit jenem am vorderen Ende des Laufs möglichst deckungsgleich sein.

Obwohl ich der Meinung bin, sie seien dies, tritt der erste Schuss derart fehlplatziert in die Scheibe ein, dass er auf der elektronischen Anzeigetafel gar nicht erst auftaucht. Nach einigen Justierungen an der Zielvorrichtung durch Matthias Vogt trifft der nachfolgende Schuss dann aber relativ genau in die Mitte. So auch der Dritte.

Für Ungeübten nicht schlecht

Dann werden meine Schussabgaben wieder ungenauer, ich erziele nur noch drei von vier Punkten pro Schuss. Nach dem sechsten Einzelschuss ist etwas mehr Geschwindigkeit gefragt: Nun muss der Abzug in einer Minute dreimal gezogen werden. Auch in der folgenden Minute nochmals, bevor in der letzten Schiessminute die restlichen sechs Patronen zu verfeuern sind. Dementsprechend verschlechtert sich meine Trefferquote nochmals.

Mein bescheidenes Endresultat: 51 von 72 möglichen Punkten. Ab 56 Punkten hätte es einen Schützenkranz gegeben. Für einen Ungeübten dennoch nicht schlecht, findet Instruktor Vogt. Und sowieso, «das Mitmachen ist wichtiger als das Resultat», sagt er.

«Leute mit gleichen Werten»

Besser lief es Silvia Altermatt. Die ursprünglich aus Herbetswil stammende und heute in Hergiswil NW lebende Hobbyschützin hat mit 69 Punkten eines der besten heute erreichten Resultate erzielt. Dabei übe sie eigentlich nur zwei- bis dreimal im Jahr.

Gerne mehr schiessen als aktuell würde Nationalrat Christian Imark, der zusammen mit Regierungsrätin Esther Gassler und einigen Militärs eine Handvoll der Schützenfeste im Kanton besucht hat. Dieses Jahr sei er noch nicht dazu gekommen. Dabei schätze er den Schiesssport sehr: «Man trifft gute Leute mit den gleichen Werten.» Gassler, selbst keine Schützin, habe eine sehr gute Stimmung an den besuchten Feldschiessen erlebt. Bemerkenswert sei auch die Disziplin und Natürlichkeit, die die Vereine beim Umgang mit den zahlreichen Waffen an den Tag legten.

Ganz natürlich scheint auch, dass man nach getaner Schiessleistung gemeinsam mit den Kollegen einen Schluck Bier oder ein Glas Weisswein trinkt. Dabei informiert man sich gegenseitig über die erreichte Punktzahl und spricht noch etwas über Persönliches oder Politisches.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1