Seitenscheibe runter, PET-Flasche raus, Fenster wieder hoch – auf den Autobahnen im Aargau ist dies offenbar Alltag. Die NSNW AG, zuständig für den Autobahnunterhalt in den Kantonen Solothurn, Aargau und Basel, stellt «eine starke Zunahme des Litterings auf Hochleistungsstrassen fest».

Entsprechend schwierig sei es, die Strassen und die angrenzenden Grünräume sauber zu halten. «Gleichzeitig reagieren Verkehrsteilnehmer kritischer auf verunreinigte Strecken, saubere Strassen werden heute grundsätzlich vorausgesetzt», heisst es weiter.

Thomas Leuzinger, Leiter Betrieb bei der NSNW AG, sagt auf Anfrage: «Im vergangenen Jahr haben wir entlang der A1 und der A5 im Kanton Solothurn sowie auf den vier Solothurner Raststätten rund 300 Tonnen Abfall eingesammelt.»

Am häufigsten werden PET-Flaschen, Fast-Food-Verpackungen und Papier aller Art aus dem Fenster geworfen. Zudem sammeln Mitarbeiter des Unterhaltsdienstes immer mehr Schuhe ein. «Wir registrieren Stiefel, Halbschuhe, Sandalen – warum die Leute diese aus dem Auto werfen, kann ich mir nicht erklären», sagt der Betriebsleiter.

Bis zu zehnmal pro Jahr im Einsatz

Um den Abfall an Autobahnen einzusammeln und zu entsorgen, wendete die NSNW AG im letzten Jahr rund 300'000 Franken auf. Grundsätzlich werden alle Autobahnabschnitte und Einfahrten viermal pro Jahr gereinigt. Wo speziell viel Abfall aus dem Auto geworfen wird, rücken die Reinigungsequipen im orange-blauen «Gwändli» häufiger aus.

Mehrere Autobahneinfahrten zählen zur Kategorie «extrem verschmutzt», daneben gibt es weitere, die «stark verschmutzt» sind und siebenmal pro Jahr gereinigt werden. «Dabei rücken die Mitarbeiter unserer Werkhöfe nach einem genauen Plan aus, die Autobahnen und Einfahrten sollen dann möglichst flächendeckend sauber sein», erklärt der Betriebsleiter.

Zum ersten Mal in diesem Jahr fand eine solche koordinierte Putzaktion vor rund zwei Wochen statt. «Nach der Schneeschmelze kommt sehr viel Abfall zum Vorschein», sagt Leuzinger.

Abfall auch auf Rastplätzen

Diesen aufzunehmen, sei mühsame Handarbeit: «Unsere Leute sind kurz hinter der Leitplanke mit der Greifzange unterwegs und klauben die Abfälle aus den Grünflächen.» Ein lauter und nicht ungefährlicher Arbeitsplatz – doch der Einsatz ist nötig.

Wenn die PET-Flaschen, Hamburgerschachteln, Zigarettenstummel oder Papierservietten liegen bleiben, geraten sie später in die Mähmaschinen. «Das gibt dann eine Riesensauerei, deshalb müssen die Grünflächen möglichst sauber sein, bevor wir sie mähen.» Auch auf den Rastplätzen leeren die NSNW-Mitarbeiter die Kübel und sammeln den Abfall ein.

«Zunehmend stellen wir hier fest, dass Leute ihren privaten Hauskehricht wild auf Rastplätzen entsorgen», ärgert sich Thomas Leuzinger. Immer wieder stünden neben den Abfallkübeln normale Kehrichtsäcke. «Offenbar versuchen doch zahlreiche Menschen, auf Kosten des Staates die Sackgebühr zu sparen.»

Versuch mit Hinweistafeln

Künftig will der Unterhaltsdienst nicht nur Abfall einsammeln, sondern die Autofahrer für das Problem sensibilisieren. «Mittels Hinweistafeln werden Verkehrsteilnehmer auf die Situation hingewiesen», heisst es im Jahresbericht.

Leuzinger erklärt: «Wir haben bei der Einfahrt Oensingen einen Pilotversuch gestartet und eine Tafel aufgestellt.» Darauf stand das Datum der Reinigung, und daneben, dass der Standort dann sauber war.»

Die Wirkung war allerdings nicht im Sinn des Unterhaltsdienstes: Autofahrer machten sich einen Sport daraus, direkt bei der Tafel den Müll aus dem Fenster zu werfen. «Einige versuchten offensichtlich sogar, die Tafel zu treffen», sagt Thomas Leuzinger. Dennoch will er nicht aufgeben: «Wenn an mehreren Orten solche Tafeln stehen, wird den Autofahrern das Problem hoffentlich bewusst und sie ändern ihr Verhalten.»