Die Sportferien sind erst seit kurzem vorbei, die regionalen Skilifte sind noch in Betrieb und die winterlichen Temperaturen lassen nicht viel vom Frühling erahnen. Und trotzdem mag dem aufmerksamen Solothurner aufgefallen sein, dass schon viele Vögel zu früher Stunde munter ihr Gesangstalent unter Beweis stellen.

Dass – trotz Dunkelheit und Kälte – schon im Februar einige Vogelarten mit Singen beginnen, sei keineswegs ungewöhnlich, wie Thomas Lüthi, Präsident des Vogelschutzverbandes Kanton Solothurn (VVS), erklärt. «Sobald die Sonne für etwas Wärme sorgt, beginnen einige Vogelarten mit der Balz.» Dabei handle es sich vor allem um sogenannte Standvögel, also solche Arten, die im Winter hier im Brutgebiet bleiben. «Diese versuchen bereits sehr früh, ein Revier zu besetzen und eine Partnerin zu finden.»

Die Vögel, die uns zur Zeit auf weitaus sanftere Weise aus dem Schlaf holen als so mancher Wecker, seien vor allem Kohl- und Blaumeisen. Aber auch Grünfinken und Misteldrosseln würden teilweise schon sehr intensiv singen.

Eulen und Greifvögel leiden

Doch auch wenn einige von ihnen zwitschern und singen, geht es nicht allen einheimischen Vogelarten gut in diesen kalten Tagen. Lüthi: «Seit den Feiertagen haben wir in weiten Teilen des Kantons lange Zeit eine geschlossene Schneedecke gehabt. Dies kann für einige Arten zu einem Problem bei der Futtersuche werden.» Insbesondere Schleiereulen und Greifvögel würden unter diesen Bedingungen leiden. Denn strenge Winter mit lang geschlossener Schneedecke und gefrorenem Boden können gemäss der Schweizerischen Vogelwarte Sempach Greifvögel und Eulen tatsächlich in Not bringen, da Mäuse als ihre bevorzugte Nahrung nicht mehr erreichbar sind.

Aus diesem Grund rechnet Thomas Lüthi in der kommenden Brutsaison mit Auswirkungen: «Ich gehe nicht davon aus, dass wir im Solothurner Mittelland besonders viele Schleiereulenbruten zählen werden.» Auf den Bestand der Singvögel werde der Schnee von Januar und Februar hingegen keine Auswirkungen haben, denn diese würden mit solchen Bedingungen besser zurechtkommen, da sie sich vor allem von Sämereien ernähren.

Füttern und vogelfreundliche Gärten

Und trotzdem muss der Vogelfreund nicht einfach tatenlos zuschauen, sondern kann bei der Nahrungsbeschaffung helfen: «Im Winter kann das klassische Futterhäuschen für einige Vogelarten eine Überlebenshilfe sein.»

Der Dachverband der Natur- und Vogelschutzvereine SVS/Birdlife Schweiz, dem auch der VVS angeschlossen ist, empfiehlt jedoch nur eine Fütterung bei Dauerfrost, geschlossener Schneedecke oder nach Eisregen. Bei der Futterwahl soll darauf geachtet werden, dass diese möglichst der natürlichen Nahrung der Vögel entspricht, wie Körner, Haferflocken oder Rosinen.

Von Futterhäuschen profitieren würden vorwiegend häufige und nicht gefährdete Arten, wie Thomas Lüthi vom VVS bemerkt. «Für den Schutz einer artenreichen Vogelwelt ist es deshalb viel wichtiger, den eigenen Garten ganzjährig ‹vogelfreundlich› zu gestalten. Das heisst insbesondere, den Garten mit einheimischen Pflanzen zu bepflanzen und auf Pestizide zu verzichten.» Denn hier heimische Beerensträucher stellen die natürliche Winternahrung für viele ganzjährig hierbleibende Vögel dar.

Solothurn auf der Durchreise

Auch den nicht einheimischen Vögeln kann der Mensch Gutes tun. Denn Schneefall im Vorfrühling kann auch Zugvögel bei der Nahrungssuche stark behindern. Das Abdecken von Komposthaufen und Miststöcken kann den Zugang zu Insekten erleichtern. Wenige Zugvögel gibt es im Kanton Solothurn nämlich nicht. So fliegen allein 33 Watvogelarten die Grenchner Witi auf ihrer Durchreise aus dem Norden in den Süden und wieder zurück als Rastplatz an.

Und die Beobachtungs- und Beringungsstation auf dem Subigerberg in Gänsbrunnen des VVS konnte im vergangenen Herbst eine stolze Anzahl von über 161 000 Vögel in 75 Arten ausmachen, die über den Subigerberg zogen. Das seien deutlich mehr als in einem durchschnittlichen Jahr.

Ariane Hausammann, Biologin und Geschäftsführerin von Pro Natura Solothurn, sieht ebenfalls Veränderungen zum Vorjahr: «Der Winter 2013/14 war sehr mild und schneearm, sodass viele Kurzstreckenzieher, also Arten, die zum Überwintern eigentlich in den Mittelmeerraum und nach Südwesteuropa ziehen, die kalte Jahreszeit im Solothurnischen verbringen konnten. Zu Beginn des Winters 2014/15 waren die klimatischen Bedingungen zum Ausharren ebenfalls noch gut, doch aufgrund der Kältewelle im Februar mussten viele Arten doch noch in den Süden ziehen.»

Von den Störchen in Altreu sei etwa die Hälfte in den Süden gezogen, während die restlichen, ungefähr 20 Störche, hier überwintern würden. Jedoch: «Zu Beginn des Jahres wurde während vier Wochen kein einziger Storch in Altreu gesichtet.» Hausammann vermutet, dass diese aufgrund Nahrungsmangel in schneefreie Gebiete der Schweiz ausgewichen seien.