«Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind für den Schweizer Tourismus gegenwärtig ungünstig. Insbesondere die schwache Konjunktur in der Eurozone und der starke Schweizer Franken setzen den Hoteliers zu», schreibt das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) in seinem jüngsten Lagebericht. Was namentlich für die ausgesprochenen Tourismusregionen wie Graubünden, Berner Oberland oder Wallis gilt, wird langsam auch in unserer Region spürbar.

Preissensibilität gestiegen

Exemplarisch dafür steht der Standort Egerkingen am viel befahrenen Autobahnkreuz. Bereits 2011 ging die Zahl der Logiernächte in der dort ansässigen Hotellerie um fast 7 Prozent auf rund 62000 zurück. Und gemäss Angaben des Bundesamtes für Statistik beträgt der Rückstand im ersten Quartal 2012 gegenüber dem Vorjahresquartal bereits 18 Prozent. «Der starke Franken wirkt sich für Geschäftsabschlüsse mit Kunden aus dem Euroraum negativ aus. Die Eurozone ist in dieser Situation eine attraktive Alternative zur Schweiz», sagt Ute Dirks.

Sie ist Geschäftsleiterin des Mövenpick Hotel Egerkingen, dem mit 137 Zimmern und 220 Betten grössten Haus vor Ort. Die Preissensibilität der Gäste aus den Euroländern sei aufgrund der Wechselkursproblematik gestiegen. Zudem wirke die umstrittene Einführung der Kurtaxe in Egerkingen hemmend. «Besonders für Reiseveranstalter und auch individuelle Touristen ist diese Abgabe eine zusätzliche Belastung und ein Grund, eine andere Region zu wählen», ist Dirks überzeugt.

Weniger Gäste in Solothurn

Selbst das in den vergangenen Jahren «verwöhnte» Solothurn muss zurückbuchstabieren. Noch 2011 resultierte zwar mit fast 82300 Übernachtungen ein neues Allzeithoch. In den ersten drei Monaten 2012 aber sank – erstmals seit Jahren – die Zahl der Logiernächte, und zwar um 5,8 Prozent.

Auch in der Aarestadt sei die Verunsicherung über die wirtschaftliche Entwicklung spürbar, sagt Jürgen Hofer, Direktor von Region Solothurn Tourismus. «Das führt zu einer gewissen Zurückhaltung, gerade im Bereich Geschäftstourismus, der 60 Prozent des Hotelleriegeschäftes generiert.»

Den direkten Einfluss des starken Frankens beurteilt Hofer als gering. «Davon sind die klassischen Tourismusdestinationen im Alpenraum viel stärker betroffen.» Zwar schmerze jeder Rückgang, aber die Lage sei nicht zu dramatisieren. Gerade im Seminar- und Kongresstourismus seien viele Anfragen eingegangen. «In diesem Bereich ist Solothurn zur Marke geworden.»

Rückgang von 2 bis 2,5 Prozent erwartet

Insgesamt erwartet Hofer für das ganze Jahr 2012 einen Rückgang von 2 bis 2,5 Prozent. Allein schon die Schliessung des Hotels Krone auf Ende Juli führe zu einem Rückgang. «Dessen 40 Zimmer werden in der Bilanz fehlen.» Es sei nämlich nicht davon auszugehen, dass sämtliche potenziellen Übernachtungen auf andere Hotels in Solothurn verlagert werden. Und das neu geplante Hotel Roter Ochsen mit Eröffnung im Herbst/Winter werde den Ausfall auch nicht voll kompensieren können.

Schon im vergangenen Jahr spürte die Oltner Stadthotellerie den Einfluss der unsicheren Konjunktur. Die Übernachtungszahl sank um 8,4 Prozent auf 53000. «Die Firmen haben in gewissen Bereichen gespart. Dazu gehörten auch Seminare und Kongresse», erklärt Christian Gressbach, Geschäftsführer von Olten Tourismus.

Den Wachstum von 20 Prozent zu halten wird schwierig

Und das ansässige Hotelgewerbe lebe mit einem Anteil von über 80 Prozent primär vom Geschäftstourismus. In den ersten drei Monaten 2012 seien aufgrund der etwas rosigeren Konjunkturaussichten aber wieder vermehrt Kongresse und Seminare abgehalten worden. «Die Firmen wissen, dass der Bereich ‹Convention› nicht über längere Zeit vernachlässigt werden darf.»

Das Wachstum von über 20 Prozent im ersten Quartal werde man allerdings nicht über das ganze Jahr halten können. Ziel sei es, zumindest die Logiernächtezahl von 2010 wieder zu erreichen. Gressbach: «Wichtig ist, dass die touristischen Leistungsträger der Region Olten vermehrt zusammenarbeiten. Die Mittel – auch finanzielle – müssen gebündelt eingesetzt werden, um im Bereich Produktentwicklung und Vermarktung einen Schritt vorwärts zu machen.»