Im Dezember 2014 endete die Karriere des Subinger Pfarrers A. W.* mit einem Schlag. Der damals 44-Jährige wurde am Flughafen Zürich festgenommen, weil er dort einen Drogenkurier aus Brasilien mit 2,2 Kilo reinem Kokain im Gepäck abholen wollte. W. handelte auf Ersuchen einer jungen Frau hin, für die er auch mehrmals Flugtickets für unbekannte Personen vorfinanziert und Geldbeträge ins Ausland überwiesen hatte.

Im Sommer 2016 verurteilte das Bezirksgericht Bülach den naiven Pfarrer deshalb wegen mehrfacher Gehilfenschaft zur Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz und versuchter Geldwäscherei zu einer teilbedingten Strafe von 27 Monaten. Wegen einer Anfechtung musste W. aber doch nicht ins Gefängnis. 

«Als Pfarrer nimmt mich wohl niemand mehr»

Nach der Verurteilung äusserte der als «Drogenpfarrer» bekannt gewordene Mann den dringenden Wunsch nach einer Stelle. Dabei blieb W. allerdings realistisch: «Als Pfarrer nimmt mich wohl niemand mehr, aber ich nehme wirklich jeden Job an, der mit angeboten wird.»

Drogenpfarrer muss hinter Gitter

So äusserte sich A. W. nach seinem Prozess 2016 gegenüber Tele M1.

Und so war es zunächst auch: Trotz längerer Suche fand der gebürtige Deutsche keine Stelle als Pfarrer mehr. Er arbeitete daher vorübergehend in einem Call Center, wo er Spenden für Hilfsorganisationen sammelte. 

In diesem Jahr wendete sich jedoch das Blatt. Wie die Kirchenratspräsidentin Chantal Lanz auf Nachfrage bestätigt, trat W. im Januar eine auf ein Jahr befristete Stelle als Pfarrer in der Berner Gemeinde Melchnau an.

Dort stiess die Neuigkeit über die Einstellung des «Drogenpfarrers» auf gemischte Gefühle: «Das ist für uns schon sehr bedenklich. Hier wusste niemand, dass wir einen ‹Drogenpfarrer› bekommen», äusserte sich ein Gemeindemitglied gegenüber «Blick». In Melchnau hätte man sich vom Kirchenrat gewünscht, besser über die Personalie informiert zu werden.

Dem Kirchenrat sei die Vorgeschichte von W. durchaus bekannt gewesen, nimmt Lanz gegenüber dieser Zeitung Stellung. «Aus diesem Grund wurden auch entsprechende Begleitmassnahmen getroffen und eine Supervision durch die Reformierte Kirche Bern-Jura-Solothurn organisiert», erklärt die Kirchenratspräsidentin. Am Ende des Jahres würde der Rat gemeinsam mit W. eine Evaluation durchführen und dann weiter informieren, so Lanz zum Schluss. (ajs)

* Name von der Redaktion geändert.