Wer nach dem «tiefen Fall» des Aushängeschildes und Vorbildes Bruno Gisler mit «Giftpfeilen im Köcher» an die 118. Delegiertenversammlung des Solothurner Kantonalen Schwingerverbandes nach Hägendorf reiste, wurde insofern enttäuscht, als sich der 30-jährige Dopingsünder nach hektischen 24 Stunden nach seiner Medienkonferenz (wir berichteten) eine Verschnaufpause gönnte und der Rechenschaftsablage fernblieb.

Trotzdem beschäftigte natürlich die Hiobsbotschaft die Repräsentanten des Urbrauchtums auch am Jurasüdfuss, wenn auch eher hinter vorgehaltener Hand.

Ein Lapsus mit Folgen

Am Rand der Delegiertenversammlung waren natürlich etliche Meinungen zum «Fall Gisler» durchaus zu hören. So glaubt Regierungsrat Roland Fürst, OK-Präsident des nächstjährigen Kantonalen in Hägendorf, den Äusserungen des Betroffenen, auch wenn Aussage gegen Aussage stehe.

ESV-Ehrenmitglied Kurt Hagmann (Däniken), dem bei dieser Gelegenheit zum 80. Geburtstag gratuliert wurde, sprach von einem Lapsus ohne negative Langzeitwirkung auf die Schwingerei.

Heinz Kissling (Kappel), Leiter Nachwuchsschwinger im Kanton, ist ebenso der festen Überzeugung, dass Gislers Fauxpas keine tiefgreifenden Konsequenzen auf die professionelle Nachwuchsarbeit zeitigen werde.

Ex-SKSV-Präsident Rico Bär schliesslich ist überzeugt, dass der Griff zum «falschen Fläschli» Bruno Gisler bis zum Karrierenende beschäftigen werde. Auch für den Walterswiler wie für die übrigen kontaktierten Vertrauenspersönlichkeiten ist der Dopingfall ein absolutes Novum in der langen Geschichte des Solothurner Schwingsportes.

Nichts Neues im «Fall Gisler»

Kantonalpräsident Beat Schumacher eröffnete die Delegiertenversammlung mit seinem persönlichen Hinweis, dass im «Fall Gisler» seit der Medienkonferenz letzte Woche keine neuen Erkenntnisse mehr aufgetaucht seien. Der Balsthaler Gastronom räumte ein, nach der Publikation «aus allen Wolken gefallen zu sein». Ob das aufwühlende Ereignis Konsequenzen für den Schwingsport haben werde, bleibe derzeit im Raum stehen.

Nach diesem Statement widmete sich die Schwingerfamilie nach dem Motto «Wir wollen fairen Sport» ausschliesslich den 13 traktandierten Geschäften. Unter anderem willkommen geheissen und mit Blumen verabschiedet wurde Kantonsratspräsidentin Susanne Schaffner auf einer ihrer letzten Missionen.

«Bilder, die ein Zeichen setzen»

Regierungsrat Roland Fürst, in seiner Eigenschaft auch OK-Präsident des Kantonalfestes 2014 in Hägendorf, bezeichnete die Schwinger und deren Anhang als eine grosse Familie, die sich mit Anstand und Respekt begegnet. «Man kann eben ein Böser sein und trotzdem Anstand und Respekt an den Tag legen. Ich denke an den Schlussgang des letzten Eidgenössischen zurück. Bilder, die um die Welt gingen, als der Zweitplatzierte sich für den Erstplatzierten freute». Der Magistrat brachte es auf den Punkt: «Ich glaube, mit solchen Bildern können Schwinger weit über ihre eigene Sportart und sogar über den Sport im Allgemeinen hinaus ein Zeichen setzen.»

Der Hägendörfer Gemeindepräsident Albert Studer freute sich in seinem Grusswort auf den 1. Juni 2014, wenn es auf dem Festgelände der kurzen Wege im Thalacker heisst: «Manne i d Hose».

Solothurner setzten Akzente

Beat Schumacher erwähnte in seinem Jahresbericht, dass es den Solothurner Schwingern gelang, einige Akzente zu setzen. Der Technische Leiter, Andreas Blatter, belegte den Aufwärtstrend mit Zahlen: Drei Festsiege, drei Teilverbandskränze und schliesslich mit Adrian Schmutz (Langenbruck, Schwingklub Mümliswil-Ramiswil) ein Neukranzer. Ausbeute: 34 Kränze, aufgeteilt auf elf Schwinger.

Eine positive Bilanz des eidgenössischen Festjahres zog auch Heinz Kissling. Der Jungschwingertag in Trimbach bescherte den Jungs 29 Zweige und zwei Kategoriensiege. Kissling erhofft sich vom neuen Schwingerkönig Matthias Sempach, dass sein Exploit sich auch auf die Schwingkeller der Regionen überträgt. Die von Ueli Emch präsentierte Rechnung schloss mit einem ausserordentlichen Erfolg von 963.45 Franken ab. Das Budget sieht bei einem unveränderten Mitgliederbeitrag von 15 Franken Mehreinnahmen von 2000 Franken vor.

Der Vorstand unter der Leitung von Beat Schumacher, dem Vize Michael Saner, dem Technischen Leiter Aktive Andreas Blatter, dem Finanzchef Ueli Emch, Markus Henzi (Protokoll), Hans Schmid (Sekretär), Heinz Kissling (Leiter Jungschwinger), Hugo Schumacher (Medien) sowie Franz Stebler (Obmann Schwingerveteranen) wurde für eine dreijährige Amtsperiode wiedergewählt. Hanspeter Meier (Mümliswil) wurde aufgrund seiner Verdienste rund um den Schwingklub Mümliswil-Ramiswil zum Ehrenmitglied ernannt. Josef Flury würdigte in seiner Laudatio den Geehrten als Persönlichkeit, die viele Jahrzehnte als Jungschwingerobmann, Vorstandsmitglied sowie Kampfrichter für die Schwingerei unterwegs war. Hugo Schumacher erinnerte als OK-Präsident an das NWS-Teilverbandsfest am 3. August 2014 in Zuchwil.