Entlang der Dünnern

Der Bus als zweite Lebensader: In 50 Minuten durch das ganze Thal

Die Buslinie 129 von Oensingen nach Gänsbrunnen ist quasi eine zweite Lebensader entlang der Dünnern. Der Bus ist hier die wichtigste öffentliche Verbindung – auch in der Ferienzeit.

7.45 Uhr. Oensingen, Bahnhof. Der Schnellzug aus Solothurn hält hier stündlich und in Schieflage. Noch 20 Minuten, dann fährt das Postauto 129 los. Die Linie von Oensingen nach Gänsbrunnen verkehrt nur wochentags und nur zu den Stosszeiten von Oensingen aus. Ansonsten startet sie in Balsthal. Laut Ludwig Dünbier, Abteilungsleiter öffentlicher Verkehr beim Kanton, nutzen pro Tag rund 1125 Leute die Linie 129. An diesem kalten Herbstmorgen steigen aber nur zwei weitere Passagiere ein. Pünktlich um 8.09 Uhr fährt der Bus los. An der ersten Station wartet keiner, niemand drückt «Stopp», der Bus fährt weiter Richtung Dünnernthal.

8.17 Uhr. Balsthal, Thalbrücke. «Normalerweise ist der Bus morgens voll», erklärt Chauffeur René Vogel. Momentan sei halt Ferienzeit. Dementsprechend hat es für einmal auch keinen Stau in der Klus. Und Vogel ist etwas früher am Bahnhof. Er wartet noch fünf Minuten. Dann bringt die Oensingen-Balsthal-Bahn (OeBB) Passagiere, die in Oensingen den Anschluss nicht erwischt haben. Wer mit dem ICN von Olten kommt, verpasst den Bus nämlich gerade. Von Solothurn her ist es knapp, oder man wartet 20 Minuten. Ein Grossteil der Passagiere der Linie 129 steigt erst in Balsthal ein, bestätigt Dünbier vom Amt für öffentlichen Verkehr. So wie an diesem Tag zwei Wanderer, die auf das Rüttelhorn wandern gehen wollen. «Das kennen sie in Solothurn natürlich nicht!» Der Senior zeigt das Gebiet auf seiner Karte. Währenddessen fährt der Bus ohne Halt durch Laupersdorf.

8.33 Uhr. Matzendorf, Schulen. Die beiden Wanderer verabschieden sich – zwei andere erwischen den Bus in letzter Minute. Die restlichen der graugepolsterten Sitze mit den gelben Posthörnern sind weiterhin leer. In Aedermannsdorf steigen Kinder mit ihren Eltern zu. Normalerweise fahren mit der Linie 129 viele Schüler durch das Thal. An diesem Ferientag sind die Familien aber unterwegs zu einem Spielplatz.

8.42 Uhr. Herbetswil, Dorf. Der Bus ist weiterhin im Zeitplan. Es hat kaum Verkehr auf den Strassen. Die Kinder drücken die Nase gegen die Fensterscheibe und schauen hinaus. «Mami, darf ich dann bitte auf Stopp drücken?», fragen die Kinder. «Ah, da ist ja der René», sagen die Erwachsenen. Ein Wanderer kommentiert: «Das ist doch schön. Hier kennen sich die Leute eben noch.»

8.49 Uhr. Welschenrohr, Post. Hasnaoui Mohamed Ali setzt sich auf einen ausklappbaren Sitz, neben sich eine grosse Tasche mit Rollen. Er spricht Französisch und will nach «Soleure», zum Einkaufen. Weitere Welschenrohrer steigen zu, vor allem Rentner. «Das ist super, dass Sie hier eine Reportage machen», findet Ursula Gribi. «Wegen des Weissensteintunnels!» Dank diesem käme sie viel bequemer nach Solothurn als mit dem Auto. Laut Dünbier vom Kanton gibt es in Gänsbrunnen nur wenig «Quell- und Zielverkehr» – also Leute, die von ausserhalb des Thals kommen und dorthin fahren oder aus einer benachbarten Gemeinde mit dem Bus kommen. Dafür gebe es viele «Umsteiger» auf die Solothurn-Moutier-Bahn.

8.57 Uhr. Gänsbrunnen, Bahnhof. Kinder, Wanderer und Rentner steigen aus. Rund zehn Minuten müssen sie auf den Zug nach Solothurn warten. Busfahrer Vogel fährt zurück – fast alleine. 50 Minuten hat er für die Strecke gebraucht. Langweilig sei es in den Ferien nicht – einfach etwas gemütlicher. Ohne Pendlerströme, und vor allem ohne Stau.

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