Kantonsratswahlen 2017
Der Bürger als Korrektiv

Die Mitte schrumpft, die SVP enttäuscht, und die SP ist die grosse Gewinnerin.

Urs Mathys
Urs Mathys
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Auf dem Tablet und am kleinen Radio verfolgten SP-Mitglieder die Resultate. Sie hatten Grund zur Freude.

Auf dem Tablet und am kleinen Radio verfolgten SP-Mitglieder die Resultate. Sie hatten Grund zur Freude.

Thomas Ulrich

Die SVP zählte bei den kantonalen Wahlgängen der letzten Jahre immer zu den Gewinnern. Und weil man 2013 bei den Nationalratswahlen auf ein Traumergebnis von über 28 Prozent gekommen war, rechnete die Volkspartei auch jetzt mit einem Sprung nach vorn: Nicht weniger als ein Plus von vier Sitzen hatte Parteipräsident Silvio Jeker als Wahlziel vorgegeben – in Wahrheit ist es nun ein Verlust. Ein leichter von 0,5 Prozent zwar nur – aber der kostete die Partei nun einen Sitz.

Dass der Erfolg alles andere als berauschend ausgefallen ist, ist sicher nicht nur der Tatsache zuzuschreiben, dass SVP-Kantonalpräsident Jeker in den letzten zwei Wochen, während der heissen Schlussphase in den Familienferien in Thailand weilte. Schon eher dürften etliche Wähler finden, dass mit dem Bewirtschaften von Problemen auf Dauer kein Staat zu machen ist.

Ungebrochen ist der Zuspruch der Wählenden für die SVP aber in den ländlichen Regionen Thal/Gäu und Thierstein. Und zwar nicht etwa zulasten der hier in letzter Zeit arg gebeutelten Lokalmatadorin CVP. Im Gegenteil: Die CVP legte hier noch deutlicher zu. Ob hier der konservative Kurs des neuen nationalen Parteipräsidenten Gerhard Pfister seine Wirkung zeigt? Dann müssten allerdings gleichzeitig auch die CVP-Verluste in den urbaneren Amteien Bucheggberg-Wasseramt und Olten-Gösgen auf die gleiche Ursache zurückgeführt werden. Klares Zugpferd für die Christlich-Demokraten in Solothurn-Lebern ist jedenfalls eine hiesige Persönlichkeit: Unternehmer Maushart.

An den Kräfteverhältnissen ändert sich nach den Wahlen unter dem Strich nicht viel: Zumindest wenn die CVP als «Mutter» der Kleinparteien BDP, GLP und EVP im Kantonsrat weiterhin einen ausgleichenden Kurs zwischen dem um vier SP-Sitze gestärkten linken Lager und dem rechten Block fahren wird. So werden sich FDP und SVP jedenfalls keine zu heftigen Eskapaden leisten können: Das Abstimmungsresultat zur USR-III-Reform und die gestrigen Wahlergebnisse machen deutlich, dass nötigenfalls die Bürgerinnen und Bürger als Korrektiv eingreifen werden.

urs.mathys@azmedien.ch