Erneuerbare Energien
Der beste Zeitpunkt für Photovoltaik-Anlangen ist jetzt

Ab 2018 dürfte wieder deutlich mehr Geld für die Förderung der erneuerbaren Energie zur Verfügung stehen – falls das Parlament heute Freitag in der Schlussabstimmung Ja zur Energiestrategie 2050 sagt.

Hans Peter Schläfli
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Dieser Hausbesitzer in Härkingen hat sich bereits für eine Solaranlage entschieden.

Dieser Hausbesitzer in Härkingen hat sich bereits für eine Solaranlage entschieden.

Bruno Kissling

Viele Hausbesitzer im Kanton Solothurn stellen sich die Gretchenfrage: Lohnt es sich überhaupt, eine Solaranlage auf das Dach zu bauen? «Heute ist sogar der ideale Zeitpunkt, um eine Photovoltaik-Anlage zu installieren», sagt Noah Heynen, Geschäftsleiter der Firma Helion Solar in Luterbach. «Die Solar-Technologie ist ausgereift, die Fördergelder des Bundes sind attraktiv und Hausbesitzer können die Investitionen von den Steuern abziehen.»

Trotzdem ist die Verunsicherung in der Bevölkerung gross. Während die Fördergelder der Einmalvergütung (EIV) für Kleinanlagen derzeit noch fliessen, ist das Geld für die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) fast aufgebraucht.

Die Liste der Anlagen, die auf der Warteliste für diese Fördergelder stehen, ist unüberschaubar lang. Im Jahr 2015 stand das freigegebene KEV-Kontingent bei 100 MW pro Jahr, jetzt sind es noch 50 und 2017 wohl nur noch 30 MW pro Jahr. Malen die Experten der Solarindustrie, zu denen auch Heynen gehört, etwa ein zu schönes Bild?

Produktionsspitzen als Problem

In Deutschland werden sinnlos die Gleise der Bahn geheizt, wenn die Solaranlagen zu viel Strom produzieren. Noah Heynen rechnet nicht damit, dass so etwas auch bei uns geschehen könnte. «Die Schweiz ist das Wasserschloss Europas und die Pumpspeicherwerke sind eine grosse Chance für die Strombranche.

Mit diesen kann überschüssiger und somit billiger Solarstrom als Wasserkraft gespeichert werden», sagt der Experte. «Wenn die Nachfrage gross und der Strompreis hoch ist, kann diese Wasserkraft jederzeit abgerufen werden. Das einzige Problem ist, dass im internationalen Strommarkt die Preisschwankungen derzeit noch zu klein sind.»

Heynen rechnet mit einem baldigen Systemwechsel. «Die Energiewirtschaft ist aus historischen Gründen falsch gepolt. Der Strom ist immer noch in der Nacht billiger, obwohl heute über Mittag am meisten produziert wird. Dieser alte Zopf muss abgeschnitten werden.» Er nimmt an, dass flexiblere Tarifsysteme schon bald eingeführt werden.

«Die Energiebranche ist daran, sich der variablen Stromproduktion anzupassen. Erste Pilotprojekte werden derzeit getestet.»

Den Netzzuschlag erhöhen

Der ökologische Fussabdruck einer Photovoltaik-Anlage ist klein: Die von der Herstellung der Photovoltaik-Module, der Montage bis hin zum Rezyklieren aufgewendete Energie produziert eine moderne Anlage schon in wenig mehr als zwei Jahren.

So wurde die Förderung des Solarstroms mit der kostendeckenden Einspeisevergütung ein derart grosser Erfolg, dass das dafür vorhandene Geld nicht ausreicht.

Die Energiestrategie 2050 soll das Problem lösen. Der Netzzuschlag, den Stromkonsumenten berappen, soll von 1,5 auf 2,3 Rappen pro kWh erhöht werden. «Eine vierköpfige Familie wird für den Strom mit dem erhöhten Öko-Zuschlag pro Jahr rund 44 Franken mehr zahlen müssen als heute», schätzt Heynen.

Das bei den Hausbesitzern beliebte System der einmaligen Einspeisevergütung EIV könnte mit dem erhöhten Zuschlag bis 2031 weitergeführt werden. Zudem soll die Obergrenze der maximal unterstützten Anlageleistung von 30 kWh fallen.

Mit einer Einmalvergütung von 15 bis 20 Prozent für Grossanlagen werden auch diese Projekte, von denen in letzter Zeit nur wenige realisiert wurden, wieder Attraktivität gewinnen. Die Warteliste der neuen Photovoltaik-Anlagen, die von der kostendeckenden Einspeisevergütung KEV profitieren, kann schneller abgearbeitet werden.

Smarte Steuerung des Verbrauchs

«Am meisten Geld spart, wer den Strom seiner Photovoltaik-Anlage selber verbraucht», sagt Noah Heynen. Das gelte nicht nur für den Häuschenbesitzer, sondern auch für Firmen. «Strom aus der Steckdose kostet heute 22 Rappen, aus der eigenen Solaranlage sind es zwischen 12 und 18 Rappen pro kWh, die bereits mit der Investition im Voraus bezahlt wurden.»

Interessant sei deshalb eine intelligente Steuerung, die zum Beispiel den Boiler für das Warmwasser dann einschaltet, wenn die eigene Anlage viel Strom produziert. Ohne Steuerung sinkt die Stromrechnung um 30 Prozent. Mit intelligenter Steuerung um 50 Prozent. «Wer die relativ grosse Investition in einen Batteriespeicher wagt, braucht den Strom aus dem Netz nur noch ausnahmsweise im Winter bei ganz schlechtem Wetter.»

KEV und EIV: Was ist das? Die Arten der Förderung

Die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) garantiert dem Produzenten während 20 Jahren einen festen Preis für den ins Netz gespeisten Solarstrom. Damit kann sauber kalkuliert werden, ob sich eine Investition in eine Photovoltaik-Anlage lohnt oder nicht.

Die Warteliste ist bereits sehr lange und falls die Energiestrategie 2050 scheitert, hätten neue Anlagen praktisch keine Chance mehr, überhaupt je von der KEV profitieren zu können.

n Die Einmalvergütung EIV wurde 2014 für Kleinanlagen mit einer Leistung bis maximal 30 kWh geschaffen, wie sie typisch für Einfamilienhäuser ist. Mit der EIV erstattet der Bund relativ rasch nach der Realisierung zwischen 25 und 30 Prozent der Investitionskosten zurück.

Zudem kann ein Einfamilienhausbesitzer die Investition in eine Photovoltaik-Anlage 100 Prozent von den Steuern abziehen.
Mit der Energiestrategie 2050 wird neu eine Einmalvergütung von 15 bis 20 Prozent für Grossanlagen möglich. Das könnte diesen Markt, der etwas erlahmt ist, wieder beflügeln. (hps)