Solothurn
Der 28-Millionen-Betrugsfall kommt jetzt vor das Obergericht

100 Geschädigte und eine Schadensumme von 28 Mio. Franken sollen ein Solothurner Treuhänder und seine Geschäftspartnerin hinterlassen haben. Am Montag urteilt das Obergericht des Kantons Solothurn.

Von Urs Mathys
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Von fünf Millionen Franken fehlt noch immer jede Spur. (Symbolbild)

Von fünf Millionen Franken fehlt noch immer jede Spur. (Symbolbild)

Keystone

Der 28-Mio.-Betrugsfall eines namhaften Solothurner Treuhänders und dessen deutscher Geschäftspartnerin kommt am Montag zur Verhandlung vor Obergericht. Das Duo war im Januar 2012 vom Amtsgericht Solothurn-Lebern wegen gewerbsmässigen Betrugs, qualifizierter Veruntreuung und Geldwäscherei schuldig gesprochen worden.

Er wurde zu vier, sie zu fünfeinhalb Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Beide zogen das Urteil weiter, worauf die Staatsanwaltschaft und mehrere Privatkläger ihrerseits Anschlussberufung einreichten (wir berichteten mehrfach).

Klassisches Umlagerungssystem

Die erste Instanz war zu einem vernichtenden Urteil gekommen: Die Beschuldigten hätten über ihre Firmen Capitaltrend Holding AG und die B.E. Creativ Service AG «in einem klassischen Umlageverfahren» ursprünglich rund 34 Mio. Franken von über 100 Anlegern aus ganz Europa und Übersee zweckentfremdet.

Der Treuhänder und die Deutsche hätten ein perfektes Täuschungssystem aufgebaut und mit hohen Renditeversprechen gutgläubige Anleger dazu bewogen, «Geschäftsbeteiligungsverträge» oder «Verwaltungsaufträge» abzuschliessen.

Statt - wie in den «Traiding-Programmen» versprochen - Investitionen zu tätigen, habe das Duo aus neuen Einzahlungen nicht nur Geschäftskosten gedeckt und Rückzahlungen an frühere Kunden geleistet, sondern einen grossen Teil der Gelder direkt «in die privaten Taschen» fliessen lassen.

Einer der grössten Brocken unter allen Vorwürfen ist ein Barbezug des Treuhänders bei der Postfinance in Solothurn: Von den abgehobenen 5 Mio. Franken fehlt seither jede Spur. Es gilt die Unschuldsvermutung.