Die Solothurner Baumeister fürchten sich vor einem Nachwuchsproblem: In der Nordwestschweiz sind für diesen Sommer noch immer rund 150 Lehrstellen offen. «Das ist eine Turnhalle voller Lehrlinge», sagte Paul Hug, Geschäftsführer des Solothurner Baumeisterverbandes, am Donnerstag im Mediengespräch vor der Generalversammlung der Verbandsektion Solothurn im Landhaus.

Mittelfristig würden zu wenig Lehrlinge ausgebildet, so Hug. Zwei Prozent der Schulabgänger möchten die Baumeister jeweils mindestens für ihre Branche rekrutieren. Als «Gewaltsanstrengung» bezeichnet dies Hug, auch vor dem Hintergrund geburtenschwacher Jahrgänge. Und wenn es heute Nachwuchssorgen bei den Einsteigern gebe, werde dies morgen auch im Kaderbereich durchschlagen, ergänzte Vizepräsident Franz Mühletaler.

Was können die Baumeister den Lehrlingen bieten? «Fast 100 Prozent sichere Berufsaussichten», sagt Verbandspräsident Bruno Fuchs. Denn der Solothurner Baubranche geht es derzeit sehr gut.

Die Auftragslage ist «erfreulich», so Geschäftsführer Hug - auch wenn die Ertragslage aufgrund der Konkurrenzsituation nicht mit der Auftragslage mithalten könne. Immerhin: Die rund 100 Mitgliedsfirmen und deren 1700 Angestellte sind mit 180 Mio. Franken Arbeitsvorräten ins neue Jahr gestartet, wie der Verband gestern an der Generalversammlung im Solothurner Landhaus mitteilte. Neben den rund 100 Verbandsmitgliedern folgten auch Baudirektor Roland Fürst und Solothurns Vize-Stadtpräsidentin Barbara Streit-Kofmel der Einladung.

In den letzten Jahren habe man sehr stark von der Nachfrage nach neuen Wohnungen profitiert, sagte Geschäftsführer Paul Hug. Als Konsequenz der regen Wohnbautätigkeit sei allerdings auch die Leerwohnungsziffer entsprechend hoch. Stichdatum Juni 2013 lag diese bei 1,87 Prozent. Paul Hug nimmt an, dass die Quote im kommenden Juni die 2-Prozent-Marke überschreiten könnte.

Einen Rückgang bei der Wohnungsnachfrage kann sich Hug aufgrund der Ausnützungsziffer vorstellen: Neuere Wohnungen werden im Schnitt von 1,62 Personen bewohnt. «Irgendwann stossen wir hier an eine Schallmauer». 3,6 Mrd. Franken Investitionen würde allein in den Kantonen Aargau und Solothurn in den leeren Wohnungen unverzinst brachliegen.

Keine Immoblase am Horizont

Und das Stichwort Immobilienblase? In der Stadt Zürich seien die Wohneigentumspreise seit 2005 um 73 Prozent gestiegen, der Baukostenindex um 14 Prozent. «Wer hat das Geld rausgenommen», fragt Hug, auch wenn sicher die Bodenpreise ein Grund für die ungleiche Preisentwicklung seien. Für die Region Solothurn sehen die Baumeister aber keine Gefahr einer Blase.

«Unsere Region ist von der Immobilienblase nicht betroffen», sagt Bruno Fuchs. Würde der Bund weiter die Eigenkapitalanforderungen oder den Hypothekarzins mit einem Eingriff erhöhen, würde dies Auswirkungen auf den Kanton haben.

National greifende Massnahmen könnten die Bauwirtschaft aus dem momentanen Hoch in tiefere Lagen absacken lassen, so Fuchs. Bundeseingriffe hält Fuchs für das falsche Mittel. «Der Markt regelt es in der Region selbst.»

Einige politische Vorlagen, die das Volk in letzter Zeit angenommen hat, könnten allerdings die Geschäftsaussichten der Baumeister trüben: Auswirkungen werde die Masseneinwanderungsinitiative haben, sind die Baumeister beim Blick in die Kristallkugel überzeugt.

«Die Zuwanderung ist heute eindeutig ein Treiber des Wirtschaftswachstums und der Wohnraumnachfrage. Das werden wir spüren», sagte Fuchs. «Wir hoffen auf eine vernünftige Umsetzung.» Einen grossen Verwaltungsaufwand wird im Fall einer Kontingentslösung befürchtet und zu wenige Kontingente für die Baubranche.

Auch die Zweitwohnungsinitiative werde in einigen Monaten spürbare Auswirkungen haben, sagte Vizepräsident Guido Sterki. Baufirmen aus dem Berggebiet könnten für mehr Konkurrenzdruck im Mittelland sorgen.

Nicht direkt betroffen wären die Baumeister von der Mindestlohnitiative: Über 4400 Franken beträgt der Mindestlohn für Handlanger. «Trotzdem sind wir gegen die Initiative», erklärt Verbandspräsident Fuchs. Zu befürchten sei, dass Industriebetriebe aus dem Mittelland ins Ausland abwandern würden.

Studium ist günstiger

Zurück zur Berufsbildung: «Wir sind der Überzeugung, dass Gymnasium und Berufslehre gleich attraktiv sein müssen», sagte Präsident Bruno Fuchs abschliessend. Ein Uni-Studium koste 8000 Franken, der Berufsweg vom Maurer zum Polier aber 50000 Franken.

«Die Gelder sind nicht gleich verteilt», so Fuchs, der ebenso wie Geschäftsführer Paul Hug die Ausbildungsleistungen der Baumeister lobte. Gut 1,1 Mio. Franken würden die Solothurner Baumeister jährlich - diskussionslos - für Ausbildungen bereitstellen. Nun ist es das Ziel der Baumeister, zwei Prozent der Schulabgänger für eine Lehre in ihrem Metier zu rekrutieren.

40,5 Stundenwoche, fünf Wochen Ferien, frühe Pensionierung und ein Durchschnittslohn, der sich auch im Vergleich mit den anderen Kantonalsektionen sehen lassen kann, sollen junge Menschen anlocken. Immerhin: Im Kanton Solothurn entscheiden sich überdurchschnittlich viele Schulabgänger für eine Lehre, nämlich 72 Prozent.