Berufsbildner-Anlass
Den richtigen Job finden? «Das ist eine nie endende Frage»

Die Eltern spielen eine entscheidende Rolle bei der Berufswahl, sagen auch Experten. Die Auszubildenden sollten mehr Unterstützung erhalten, so die Ansicht.

Rahel Bühler
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Die Podiumsteilnehmer (v.l.): Christine Zimmermann, Florian Müller, AndreaAffolter, Urs Berger und Reinhard Schmid.

Die Podiumsteilnehmer (v.l.): Christine Zimmermann, Florian Müller, AndreaAffolter, Urs Berger und Reinhard Schmid.

Rahel Bühler

Was und wer spielt alles mit, um eine Lehre erfolgreich abzuschliessen? Was kann der Einzelne dazu beitragen? Was gibt es für Knackpunkte zu beachten? Um diese und ähnliche Fragen zu beantworten, lud der Verein Berufsbildung Kanton Solothurn zum Berufsbildner-Anlass mit dem Thema «Erfolgreich durch die Lehre» in der Mehrzweckhalle in Härkingen ein. «Der Fachkräftemangel ist in aller Munde, doch Lösungen sind bis jetzt Mangelware», stellte Urs Schmid, der Projektleiter Berufsbildung, zu Beginn des Anlasses klar. «Jedes dritte Unternehmen hat mittlerweile ein Problem».

Aus diesem Grunde wurde das Projekt «SO talentiert» gestartet. Es besteht aus zwei Teilprojekten: Einerseits kann eine Lehrperson im Rahmen von «Rent a Boss» eine Führungsperson buchen, die im Klassenzimmer eine Bewerbungswerkstatt anbietet und anschliessend Vorstellungsgespräche inszeniert. Andererseits gibt es auf der Berufswahl-Plattform DeinBeruf.ch kurze Videos, in welchen ein Lernender seinen Beruf vorstellt und typische Handlungen demonstriert.

«Wir wollen die duale Ausbildung nicht gegen die gymnasiale ausspielen – wir brauchen beide, aber in einem gesunden Verhältnis. Wir wollen die Kenntnis der Berufsbildung den Eltern und Lehrpersonen näherbringen», erklärte der erste Referent, Urs Berger. Er ist stellvertretender Direktor der Wirtschaftskammer im Kanton Basel-Landschaft. Er hat dort ein ähnliches Projekt wie «Rent a Boss» aufgebaut. Bei diesem Angebot besuchen Lernende zusammen mit ihren Berufsbildnern die Klassenzimmer von Sekundarschülern.

Zusammenarbeit stärken

«Die Kooperation zwischen den verschiedenen Beteiligten, also zwischen Lernenden, Ausbildungsverantwortlichen, Eltern, Berufsfachschulen und Berufsberatung, muss vor und während der Lehre vorhanden sein», erläutert der Berufs-, Studien- und Laufbahnberater Reinhard Schmid vom S&B Institut in Bülach ZH. Vor ungefähr 80 Interessierten erläuterte er als zweiter Referent, wie diese Kooperation aussehen sollte und wie sie optimiert werden könnte. Zum Beispiel durch ein Laufbahn-Coaching ab dem ersten Lehrjahr. Diese verstärkte Zusammenarbeit bilde die Grundlage für eine erfolgreiche Ausbildung und die Sicherstellung der Fachkräfte.

Während des Podiumsgesprächs mit den beiden Referenten und mit Florian Müller und Christine Zimmermann wollte die Moderatorin Andrea Affolter von Radio SRF 1 wissen, wie man den richtigen Job findet. «Das ist eine nie endende Frage», ist sich Berufsberater Reinhard Schmid sicher. Auch unter den vier Podiumsteilnehmern war nicht allen von Anfang an klar, welchen Weg sie einschlagen wollen. Christine Zimmermann wollte eigentlich eine KV-Lehre absolvieren, merkte beim Schnuppern allerdings, dass dies nicht das Richtige für sie war, und entschied sich für einen Besuch der FMS. Ganz anders erging es Florian Müller. «Für mich war schon immer klar, dass ich Sanitärinstallateur werden will.»

Eltern sensibilisieren

Was denn für zukünftige Lernende in ihrer Ausbildung wichtig sei, wollte die Moderatorin wissen. Darauf hatten die Podiumsteilnehmer ganz unterschiedliche Antworten: Für Urs Berger ist entscheidend, dass die Eltern zusätzlich sensibilisiert werden. «Sie sollen sich fragen, was ihr Kind für Fähigkeiten und Wünsche hat, und entsprechend reagieren». Sanitärinstallateur Florian Müller sieht das ähnlich: «Die Eltern sind sehr wichtig in der Berufswahl, vor allem wenn in der Schule nicht so darauf geachtet wird.»

Christine Zimmermann findet, dass die Auszubildenden zu wenig Hilfe bekommen. «Ich beispielsweise wusste gar nicht, welche Möglichkeiten es alles gibt.» Auch Reinhard Schmid findet, dass die Auszubildenden mehr Unterstützung erhalten sollen. «Vor allem das Vertrauen und die Geduld der Erwachsenen fehlt im Moment oft noch.»

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